Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Putin (Seite 1 von 6)

Same Old Story

CCL / Bundesarchiv, Bild 102-08300 / CC-BY-SA 3.0

Die Aufregung um die Fake-News kann ich nur teilweise nachvollziehen. Ganze Staaten zogen Potemkin’sche Wände aus gefälschten Weltbildern um sich herum hoch – und ich denke dabei keineswegs nur an die Hitler’sche Paranoia, die hinter jeder umgekippten Milchkanne ‚den Juden‘ am Werke sah. Ähnliche Muster gab es auch in Stalins Reich, wo chimärische ‚Trotzkisten‘ für alles Böse in der Welt verantwortlich gemacht wurden. Von Nordkorea oder Kasachstan heute ganz zu schweigen …

Alle Medien – ob Zeitung oder Rundfunk – verbreiteten das Gift dann im ganzen Land. ‚Wir gegen die‘, so hieß und heißt das Muster – auch aus der AfD gibt es in dieser Hinsicht nichts Neues zu vermelden. Nur dass heutzutage jeder Hans und Franz seine verqueren Ansichten über ‚die Ausländer‘ in die Welt tröten darf – statt einer Schar linientreuer Journalisten dunnemals.

Die Ähnlichkeiten sind oft verblüffend. So trieb Mussolini, um seine Virilität zu demonstrieren, seinen Zossen mit nacktem Oberkörper über die Hindernisse im Park. Und er sandte diese Nackedei-Bildchen via Presseverteiler bis den letzten Winkel der Nation hinein. Erinnert das an irgendwas aus heutiger Zeit? – Ja, mich auch!

Ferner war Mussolini der größte Apostel des eigenen Personenkults. Überall an den Wänden hingen im Regierungssitz tapetengleich die Bilder und Titelseiten, auf denen er in heroischer Pose zu sehen war. Vermutlich guckte dieser Mann sich an sich selbst besoffen. In seiner Operettenhaftigkeit erinnert mich das aktuell an einen Mann mit Goldhamsterfrisur. Bloß an wen, an wen …?

Putin greift durch

Angehörige sexueller Minderheiten dürfen künftig keinen Führerschein mehr erwerben. So will Moskau die Zahl der Verkehrsunfälle reduzieren.

Man kennt das ja: Da klettern diese Transen mit ihren Bleistiftabsätzen hinters Lenkrad und verursachen dann auf russischen Straßen schwere Verkehrsunfälle, wobei unschuldige Söldner getötet werden!

Heavy smokin‘ guns …

Just as news broke today that the U.S. Treasury Department was instituting a new suite of sanctions against Russia, video evidence has emerged apparently showing the most definitive proof yet of Moscow’s direct participation in the ongoing war in eastern and southern Ukraine: Russian rockets being fired toward Ukraine.“

Tscha, wer hätte das gedacht: Da hat also ein souveräner Staat von seinem Territorium aus einen anderen souveränen Staat mit schweren Waffen massiv angegriffen. So etwas heißt im Völkerrecht wohl ‚Krieg führen‘ … und Putin und Lavrov können sich ihre Dementis endgültig in die Haare schmieren.

Putin hat jetzt die IS im Land

Nicht in seinem Land, sondern in dem besetzten Satrapenstaat Tschetschenien. Tschaja, die Beförderung des Separatismus in der Ostukraine lässt auch anderswo ihm die separatistischen Probleme über den Kopf wachsen – nach dem bewährten Zauberlehrlings-Modell (oder war’s Pandoras Konservendose?):

„We have entered the city (Dzhokhar) by order of Emir Khamzat. There are battles under way now. We are also under oath to Emir Abu Mukhammad of the Caucasus Emirates A lot of mujahideen have come into the city. This is an act of Revenge for the fact that the murtadi (apostates) dared to oppress Muslim women, our sisters. This is an operation of Intikam (revenge), a Shahid (martyr) operation and we will battle until the death. There are already results. Allah has destroyed them through our hands. We have destroyed many cars, military convoys, and many trophies are seized. We cannot take everything away. Allah will help us. We have spread out through the city, battles are underway and none of us are even wounded, and we have destroyed many. Allah says in the Koran – battle them and I will punish them through your hands, and they will be humiliated…and I will give you victor…. Allah forgives all signs. We see this…That’s our situation here…This is our life…Allah Ahbar!“

Vermutlich eine CIA-Aktion, ausgeführt vom rechten Sektor, werden unsere Alu-Hüte sagen. Das Allah- und Koran-Gebrabbel wäre nur eine False-Flag-Operation … und außerdem wären das ja nur drei Leute, die bei einer Straßensperre aufgefallen wären. Das wiederum sagt ‚Russia Today‘. Vermutlich einer der Gründe, weshalb diese drei Männeken als erstes das Pressehaus stürmten. Nachtrag: Wollte der famose Herr Kadyrov nicht morgens alles wieder im Griff haben? Jetzt heißt es, das sollen – oops! – doch 100 bis 400 Kämpfer sein, und der russische Armeestützpunkt dort brennt munter vor sich hin. Wo sind denn Ihre heroischen Tschetschenen-Kämpfer, Herr Kadyrov? Ach, alle im Donbas zugange? Zu dumm aber auch …

„The news site said that there were claims circulating locally that 400 militants had entered the city.

Und dabei wollte der Onkel Vladi doch gerade solch eine hochbedeutende Rede halten. So sieht das Pressehaus übrigens heute morgen aus. Was drei Männeken doch alles anrichten können … und die russischen Spezialtruppen (Speznas) sind auch gerade anderswo engagiert. Wobei man sich natürlich fragt, was die dort machen, wo sie – laut russischen Medien – doch gar nicht sind:

„An officer of the Russian armed forces and three employees of the Federal Security Service of the Russian Federation (FSB) have been killed in the Donbas. … Earlier, is was reported that more than 50 militants had been killed at the Donetsk airport — half of them members of Russian special forces.“

Die Speznas werden auch gern mal überschätzt …

Eins ist klar

Wenn die Ukip, der Front National, die FPÖ, der Jobbik oder eine der all anderen von Putin gepamperten rechtsradikalen Parteien irgendwo an die Regierung kommen sollten, dann wird ‚Russia Today‘ der erste Sender sein, der loskreischt: „Faschisten übernehmen die EU“.

Auch das ist mal wieder so’ne Lachnummer:

„DNR demand to convene an emergency meeting of the UNSC for consideration of the peacekeeping contingent in the East of Ukraine“

Kein Land hat die beiden Phantasiestaaten nämlich bisher anerkannt. Noch nicht einmal Russland. In was für einer Position wären sie also, solch eine Dringlichkeitssitzung zu verlangen. Wolkenkuckucksheimer.

Andererseits – mal angenommen, man würde darauf eingehen: Russland könnte dann wohl schlecht das übliche Veto gegen eine daraus folgende Resolution einlegen. Schon hätten sie die UN-Truppen in ihren Beutestaaten … was aber bei der Vielzahl der Parteien ein äußerst gefährlicher Job wäre:

„The process of uniting the gangs, which is taking place under the control of the General Staff of the Russian Armed Forces, supported by the FSB, is accompanied by clashes between armed groups. There are cases of arrest of some of the representatives of the terrorist groups. The most active clashes occur in the southern districts of Donetsk and Luhansk regions, where Russian mercenaries (primarily the so-called “Cossacks”) are waging an armed struggle with small groups of local militants who had fled from the districts of Horlivka, Makiivka Yenakiievo, Stakhanov and Donetsk.

Ein guter Artikel über die russischen Kleptokraten aus der Perspektive eines Insiders findet sich hier:

„Putin’s entire chain of command is built on a foundation of corruption,“ Kolesnikov says. „To see power go to another party or other people would be to put themselves under enormous threat of criminal investigation and inevitable punishment.“

Unverdrossen

Putin darf ja gern weiterlügen, wenn er sich unbedingt noch tiefer in die Grütze reiten will – aber hier findet sich eine unvollständige Liste exklusiv russischer Waffen, die bis dato im Donbas schon gesichtet wurden. Man muss schon ein vernageltes RT-Gehirn besitzen, um ihm den Scheiß noch abzukaufen …

Wenigstens wissen wir jetzt, wer den Krieg in der Ostukraine begonnen hat – und zwar aus seinem eigenen Mund (ist ein Google-Translate von lenta.ru, deshalb klingt’s ein wenig pfanni):

„Former commander of the host of Donbass Igor Gunmen [ = Strelkov] admitted responsibility for the outbreak of military conflict in the east of Ukraine. „The trigger war still hit me. If our unit is not crossed the border, in the end everything would come to an end, as in Kharkov, in Odessa. It would be several dozen killed, burnt arrested. And this would come to an end „- said the Gunners, reiterating that“ virtually flywheel war that still goes to run our squad.“

Tscha, hier eine arithmetische Frage an unsere Putin-Kamarilla: Wenn es ihn nicht gegeben hätte, wie viele Menschen würden dann also noch leben?

Die neuen Herren sind übrigens so doof, dass es fast schon weh tut:

„When they stormed the local state treasury to seize money, the treasurer had to explain the intricacies of state finance and that tax proceeds were not stored in cash in his building.

Oha, das haben wir gar nicht gewusst …

Nachtrag – hier eine bessere Übersetzung von Strullkovs Statement. Bin gespannt, wie lange er das überlebt:

„But it was I who triggered the war after all. If not for our group crossing the border everything would have ended like in Kharkov or Odessa. Several dozens dead, scorched, arrested and that’s it. It was for all intents and purposes our group that started the ongoing war. We upset all plans there were, everything! And from the beginning we started to fight for real: destroying „Right Sector“’s diversion teams. And I am personally responsible for all that’s happening there. I bear responsibility for Donetsk still being shelled. Of course I bear responsibility for leaving Slavyansk. And I bear responsibility for it not yet being freed too.“

Zwischen den Zeilen

Freiheitskämpfer, das sagte Putin gestern im Interview, die einen gerechten Kampf führen, die würden immer Waffen finden. Auch die ukrainische Regierung würde schließlich die Armee einsetzen. Sogar Raketen kämen dort zum Einsatz. Dass dies auf beiden Seiten geschieht, vergaß er zu erwähnen. Diese ukrainische Regierung wolle ferner dort ‚alle‘ vernichten, sämtliche politischen Gegner und Widersacher. Woher er diesen starken Toback bezieht, sagte er erneut nicht, vielleicht ja von den Moonshinern bei ‚Telepolis‘. Putin schloss seinen Text dann mit: ‚Wir wollen das nicht. Und wir lassen es nicht zu.‘

Aus dem Extemporierten ins Hochdeutsche übersetzt, heißt das: ‚Klar liefern wir den Separatisten alle Waffen‘. Immerhin … er war damit ehrlicher als sein ‚Russia Today‘.

Kurze Halbwertszeit

Putin Has No Plans to Leave G20 Summit Early: Kremlin’s Spokesperson.“

Tscha, und gleich darauf machte der große Narziss sich doch vom Acker … dann wohl eher planlos. Welchen Plan soll er auch haben?

„Putin is at a crossroads: go forth – you lose your head, go right – you won’t get back alive, go left – you die, go back – you’ll find your death.“

Schauen wir mal, wofür er sich entscheidet, seine Platzierung dort am Katzentisch könnte allenfalls die aktuelle Kriegsgefahr etwas vermindert haben, die müssen sich jetzt neu sortieren, nachdem sie in Brisbane weltweit auf Granit bissen … einzig das gelenkte oder verblendete Kommentariat steht noch treu an seiner Seite:

„Fazit dieses Gipfel wird sein: Dem Westen ist es nicht gelungen, Russland im Kreis der führenden Industrieländern zu isolieren. … Scheinbar wird immer wieder vergessen, dass es Russland ist, das über die meisten Öl und Gasreserven verfügt.“

Falsch, mein Schnulli, über die größten Öl- und Gasreserven verfügen aktuell die pösen USA, Öl und Gas gibt es derzeit auf dem Grabbeltisch. Ferner haben meines Wissens diese ‚führenden Industrieländer‘ staunend zugesehen, wie sich Russland auf dem Gipfel in die endgültige Isolation tief hineinritt, euer großer Vorsitzender allen voran. Aus Solidarität ist dort noch nicht einmal China abgereist … kurzum: Da randaliert der Bully in seiner Sandkiste herum – und unsere ‚Truther‘ behaupten unverdrossen, die Kindergärtnerinnen aus dem ‚Westen‘ seien daran schuld.

Derweil ist die Zeit der Bücherverbrennungen wieder da. Allerdings handelt es sich dort auf der Krim nur um die minderwertige Literatur ukrainischer Untermenschen. Kurzum: Die Nazis regieren in Moskau, nicht in Kiew, das muss man angesichts solch unübersehbarer Parallelen dann doch mal sagen.

It’s a rich man’s world …

Einen guten Bericht über Vladimir Putins zusammengerafftes Privatvermögen gab es gestern in der ARD. In der Mediathek ist der Beitrag hier zu finden. Die Putin-Versteher, da bin ich mir sicher, werden auch dafür wieder vollstes Verständnis haben …

Wo sind die ‚Faschisten‘ hin?

Wo sind sie geblie-hieben? Der neueste Poll aus der Ukraine jedenfalls prognostiziert ein völlig faschistenfreies Wahlergebnis. Ganz ohne Swoboda, und auch ohne ‚Rechten Sektor‘. Gut, der Lustrations-Populist und selbsternannte Regulator Oleh Lyashko ist sicherlich kein angenehmer Zeitgenosse, der dazu noch sein ungenügendes Demokratieverständnis bei jeder besseren Gelegenheit öffentlichkeitswirksam zur Schau stellt. Das aber stellt ihn politisch allenfalls auf eine Stufe mit Russlands Desperados, also mit diesen ‚lupenreinen Demokraten‘ aus den Volxrepupplicken, folgt man mal der selbstgewissen Ansicht unserer Alu-Hüte. Fakt aber ist – weit und breit ist kein Faschismus zu erwarten, allenfalls in Donezk und Luhansk. Was nun, ‚Russia Today‘? Ich denke, einfach nicht darüber berichten. Ach so, das macht ihr sowieso schon … wie sagt Tucholsky: ‚Wichtig ist, was nicht in der Zeitung steht.‘

Nebenbei bemerkt: Bei dem ‚erneuten Beschuss von Donezk‘ dürfte es sich, sieht man mal von der Gegend um den Flughafen ab, vor allem um die fortdauernden ‚innerrebellösen Auseinandersetzungen‘ handeln. Dort wird nämlich gerade der zukünftige Bürgermeister ausgeschossen, in Machtkämpfen nach Mafia-Art. Es gibt dort mindestens eine ‚Minsker Fraktion‘, dann die ‚Anti-Minskaner‘ und ein paar Kosakenhäuptlinge als ‚rollende Kanonen‘, die jenseits jeder Strategie stehen. Alle haben sie russische Waffen, und in dem blutigen Teig wühlen hintergründig wohl Janukowitsch, Akhmetov und natürlich Putin nach Kräften herum. Tscha, wenn du Bekloppten Waffen gibst, wird die Situation zunehmend bekloppter … darüber schreibt aber auch keiner, jedenfalls nicht in den Leid-Medien:.

„Es ist eine Konfliktverschärfung unter einzelnen DVR-Gruppen, wie auch mit den Kadertruppen der russischen Armee zu beobachten. Die Zusammenstösse sind mit den verschiedenen Zielsetzungen und Methoden der Kriegsführung verbunden. Die örtlichen Separatisten treten immer erbitterter in den Konflikt mit den angereisten russischen „Befreiern“.

Was also hat das alles gebracht? Reden wir mal über Putins Erfolge:

1. Die Ukraine ist pro-europäischer denn je.
2. Russlands Devisenreserven schmelzen dahin wie ein Schneemann im Sommer.
3. Die EU spricht wieder mit einer Stimme.
4. Auch Finnland und Schweden sind auf dem Weg in die Nato, neue Truppen stehen plötzlich in Osteuropa.
5. Nachrüstung ist in ganz Europa wieder ein Thema.
6. Putin gilt wahlweise als Irrer oder als notorischer Lügner.
7. Im russischen Imperium regt sich überall der Separatismus.
8. Russland ist völlig isoliert, den eurasischen Gedanken kann es sich in die Pfanne hauen.
9. Die ‚russische Stimme‘ wird als Propaganda-Show wahrgenommen, die vor keiner Lüge zurückschreckt.
10. Niemand setzt mehr auf russische Öl- und Gaslieferungen. Überall werden Alternativen entwickelt.

Well done, Mr. President!

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