Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Pegida (Seite 2 von 3)

Der Sachsenspiegel:

Pegida floppt außerhalb Dresdens.“

Jaja, diese Kartöffels: „Sie fordern ‚Kartoffeln statt Döner‘.“ Wer’s mag, mag’s mögen.

Selbstähnlichkeiten

PegidaIslam

Wir haben doch Ausländer lieb!

Das flötet das Pegida-Kommentariat als Reaktion auf Merkels Neujahrsansprache.

Um es mal klar zu sagen: Wenn irgendjemand es wagen würde, die ’19 Pegida-Programmpunkte‘ auf einer Pegida-Demonstration vorzulesen, dann würde er von den Pegida-Demonstranten schneller von der Pegida-Bühne geprügelt werden, als er ‚Pegida‘ sagen kann. Kurzum – es ist man bloß Double-Speak: Links blinken, rechts abbiegen …

Aber hier kommt schon Alex, die tote Hose der AfD – Vorhang auf für seine Horrorshow:

„Die Alternative für Deutschland (AfD) hat die Anti-Islam-Bewegung „Pegida“ gegen Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Schutz genommen. „Sie verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt“, sagte der AfD-Fraktionsvorsitzende im Brandenburger Landtag, Alexander Gauland.“

Nun ja, ‚von unten‘ ginge das ja auch kaum …

So leicht kriegt ihr mich nicht …

Der ‚hardy‘ hat hier im Kommentar verkündet, dass er dem Jan Fleischhauer erstmals vollumfänglich recht gebe. Da hege ich große Zweifel – nur weil der Gegner ausnahmsweise mal der gleiche ist, heißt dies noch nicht, dass durch einen Schwarzen Kanal plötzlich das klare Wasser der Vernunft strömen würde. Hier Fleischhauers zentrale These:

„In Dresden können wir erkennen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, die ihre Informationen nur noch aus obskuren Ecken im Netz bezieht.“

Erstens sehe ich dort bei Bifigaga (= Pegida) eine ganze Menge Leute herumlaufen, die schon Schwierigkeiten haben dürften, einen Computer überhaupt fachgerecht anzuschmeißen. Und zweitens kommen die dicksten Enten nach wie vor aus den gedruckten Medien, so wie beispielsweise der derzeit größte Aufreger, dass künftig in toitschen Weihnachtsmessen auch ein muslimisches Lied geträllert werden müsse. Der Hoax stammt nämlich aus der ‚Bild‘, seit Jahrzehnten stets für die kleine Hetze am Morgen zuständig. Folglich stimmt der folgende Satz vom Jan Fleischhauer auch nicht, auch das ist nur ein Konstrukt:

„Bei Pegida zeigt der rechte Onlinebürger Gesicht, es ist der Aufmarsch der digital Erregten.“

Bei diesen Rechtserigierten dürfte immer noch die gedruckte Ware fürs große Aufschäumen zuständig sein. Ich nenne bloß mal den Ulfkotte oder den Sarrazin, deren Werke doch zu hunderttausenden ihre Abnehmer finden, und zwar gebunden und auf Papier. Weiter geht’s holterdipolter den Schwarzen Kanal hinab:

„Mit Menschen, die ihr Weltbild vor allem aus Blogs und Webseiten zusammenklauben, die sich als Gegenöffentlichkeit verstehen, wird es schwer, eine Ebene der Verständigung zu finden.“

Ach ja? Ist ‚RT deutsch‘ neuerdings ein Samisdat-Medium, nur im Netz zu finden? Residieren die nicht vielmehr unweit vom Kanzleramt, in gepflegten Studios? Was ist ferner mit dem Gas-Gerd, was mit der Gabriele-Krone-Schnulz, was mit der ‚Anstalt‘ des ZDF, was mit dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft, was mit diesem Aufruf der 60, was ist mit Eva Herman oder Konstantin Wecker – wären die alle nur in den Schmuddelecken der Blogs zu finden, oder greift nicht jeder Volontär eines Altmediums begierig zu solchen Statements, um für ein wenig Awareness zu sorgen?

Kurzum: Diese euphemistisch getauften ‚Wutbürger‘ beziehen ihre Medienkritik noch immer und zuvörderst aus diesen Medien höchstselbst, weil letztere sich ständig selbst ins Knie schießen. Das Internet wäre dann nur ein Treibsatz, der die Verbreitung all des Quarks erheblich beschleunigt. Natürlich gibt es auch ‚Schmuddelecken‘ im Netz – ‚Politically Incorrect‘, ‚Telepolis‘, ‚Hinter der Fichte‘ oder die ‚Nachdenkseiten‘ – aber man muss sich doch erst einmal an den eigenen Kopf fassen.

Wenn ich bspw. über die Ukraine-Krise etwas Fundiertes wissen will, dann begebe ich mich zu ‚reddit‘, zum ‚Interpreter‘ oder zu den ‚Voices of Ukraine‘ – also direktemang ins Netz. Und sehr viel seltener zu den so genannten ‚Qualitätsmedien‘, wo es redaktionell und ständig heute ‚Hü‘ und morgen ‚Hott‘ heißt, im dienstfertigen Bedürfnis, es möglichst allen recht zu machen. Solche Medien sind zum Selbstbedienungsladen jeder Ideologie geworden, auch derjenigen von der Pegida.

Was der Jan hier mal wieder betreibt, ist reine Bauernfängerei, ganz wie bei der Pegida auch. Er schimpft scheinbar auf Pegida – und meint das pöse Netz, den eigentlichen Feind der Altmedien. Und wenn’s das Netz nicht gäbe, dann gäbe es auch Pegida nicht. Ach, wie schön wäre Panama …

Auch wenn’s hier nicht ganz so besinnlich klang – allen Lesern des ‚Stilstandes‘ wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest.

Bifigaga

Das wäre eigentlich, statt Pegida, der treffendere Name: Bifigaga – Bildungsferne Inländer gegen Alles und gegen Ausländer. Parole: ‚Auch beim größten Shit, Bifi muss mit‘ …

Das passende Computerspiel gibt es auch schon, der ’säggsiesche Dounfoll‘ des Marketing-Leiters ist absolut überzeugend:

Kann Pegida doch sprechen?

Mit euch ins KZ“ und „Waffen SS“: Unbekannte sind auf den Rohbau einer Moschee geklettert und haben die Mauern beschmiert.

Zumindest wirken diese braven Bürger wohl als ‚Muntermacher‘ … treffender Video-Kommentar jedenfalls vom Robert Misik:

„Die offene Gesellschaft verteidigt man nicht, indem man vor den Feinden der offenen Gesellschaft den Schwanz einzieht und ihnen das Gefühl gibt, ihre Anliegen wären schon irgendwie berechtigt.“

Falscher Alarm

Da hat sich also ein RTL-Reporter unter die Pegidas begeben, um an O-Ton und Statements zu kommen (Vorgang hier). Unnötigerweise, wie ich hinzufügen möchte, denn „diese Bio-Deutschen“ halten sich ja keineswegs an die verabredete Omertá, sondern sie reden sich selbst in einem wahren Bekennerdrang um Kopf und Kragen. Wem der Deetz voll Grütze steckt, dem geht eben das Maul über …

Dieser Reporter radebrechte dann gleichfalls anti-islamisches Zeug in dieses Panorama-Mikrofon hinein, vorgeblich, um seine völlig unnötige Tarnung aufrecht zu erhalten, wobei er inhaltlich das Klischee vom vermuteten Pegida-Brabbel bediente. Womit er ja auch keineswegs daneben lag. Denn die anderen, die ‚echten‘ Panorama-Statements, die niemand bisher bestreitet, die kamen noch viel wirrer und bösartiger daher. Das geäußerte Klischee entsprach also vollumfänglich der Realität.

Große Aufregung seither im Medien-Stadl. Darf der das? Darf er Kollegen täuschen? Ferner dürfen sich alle Pegida-Hanseln seitdem gnadenlos missverstanden fühlen: Man könne doch mal wieder sehen, zu welchen Gestapo-Methoden der verruchte Mainstream-Journalismus greife, um wahre Volksbewegungen zu diskreditieren. Liebe Käsglocken-Deutsche, so etwas hat der Journalismus gar nicht nötig. Es gibt genügend unbestrittene Äußerungen aus eurer Mitte, die zeigen, welch Geistes Kind ihr seid. Wobei mir allenfalls das Wort ‚Geistes Kind‘ ein wenig hoch gegriffen scheint …

Der Journalismus aber hätte besser daran getan, den Vorfall gar nicht erst an die große Glocke zu hängen, weil jeder dieser Wirrköpfe jetzt einen untauglichen Beweis in Händen schwenkt, um das neuartige Lied von den bösen Medien zu singen. Kurzum: Da hat der Journalismus mal wieder ein echtes Eigentor geschossen.

Und dem RTL-Menschen sei gesagt, dass es genügt hätte, ein Russia-Today-Mikro in die Hand zu nehmen, so wie es die ‚heute-show‘ tat, um jede Menge aufgeguseltes Gestammel im O-Ton einzufangen. Gelenkte Staatsmedien à la russe verwandeln jeden Pegida-Mitläufer in eine Quasselstrippe. Schlecht imitierte Wallraff-Methoden waren also in dieser Situation ‚goar nüch nödich‘.

Neulich, auf der Pegida-Demo

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen, dass man gar nichts sagt!“

Live von der Pegida

Ich bin wieder zurück aus Dresden.“

Naja, vermutlich alles nur verkorkste Bürger dort … hier spricht übrigens der Königspudel, der sich inzwischen die Deutungshoheit erobert hat:

„Es ist sträflich, dass die CDU ihre Aufgabe vernachlässigt, Menschen am rechten Rand zu integrieren.“

Bei einem Gespräch von De Maiziere mit diesen Comic-Figuren würde ich überaus gern das Mäuschen spielen.

Die radikale Mitte

Aus der Diskussion mit dem ‚Nazienkel‘ dort unten über unsere Großväter entstand dieser Text. Er wundert sich über die Verwunderung unserer Politiker, dass in Dresden und anderswo plötzlich ‚ganz normale Bürger‘ mitlaufen würden. Ja, was denn sonst? Die ‚Radikalisierung der Mitte‘ ist das Kennzeichen aller rechtspopulistischen Parteien – und der Rechtsextremismus kriecht nicht aus irgendwelchen dunklen Troglodytenhöhlen, er entwickelt sich auch nicht im ‚Pöbel‘, er entsteht vielmehr, wenn frustrierte bürgerliche Schichten sich gewissermaßen ‚in Pöbel verwandeln‘.

So war der Nationalsozialismus vor 1933 in der Masse keine Arbeiterbewegung. Gerade die Arbeiter, sofern sie in Großbetrieben arbeiteten, erwiesen sich als verhältnismäßig resistent. Wie übrigens auch die katholischen Gebiete. Zentrum und Sozialdemokratie verfügten über geschlossene Weltbilder und damit über konstante Wählerzahlen, während das eher protestantische Weltbild des Nordens mit seinem gewohnten Muster von Aufstieg durch Leistung und Werkheiligung in der Wirtschaftskrise zerbröselte. Die NSDAP wurde folgerichtig überdurchschnittlich oft von Selbständigen gewählt (Funktionsberufe, Bauern, Handwerker, Kaufleute), aber auch die Universitäten waren tiefbraun gefärbt. Ferner wies auch die Beamtenschaft und die Oberschicht der ‚Happy Few‘ einen beträchtlichen Anteil von Nazi-Wählern auf. Sie alle glaubten ersatzweise dem Märchen von der ‚jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung‘, welche ihre Verelendung verursacht habe. Der Sieg der Nazi-Partei folgte aus der Entwertung alter Ansprüche des Bürgertums, der Führer wurde von einer bürgerlichen Protestbewegung an die Macht getragen. Seine Rhetorik kam ‚aus der Mitte der Gesellschaft‘, auch wenn er einem Wiener Obdachlosenasyl entstieg.

Interessant im Zusammenhang mit der Pegida ist für mich jetzt der Faktor des ‚verlorenen Weltbildes‘. Auch heute wird längst das medial herrschende Narrativ des Neoliberalismus nicht mehr geglaubt – es verfängt nicht mehr. Der Protest gegen die ‚Lügenpresse‘ hat hier seinen Ursprung. Deregulierung, Privatisierung und Globalisierung führen in der Erlebniswelt von Pegida-Mitläufern dazu, dass ihr altes Tellerwäscher-Märchen immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert, weil immer mehr Menschen aus dem Mittelstand erleben, dass sie durch unentwegte Leistung gerade nicht mehr aufsteigen können. Im Gegenteil sind u.a. steigende Mieten, marginalisierte Prekariats-Existenzen, der Verlust des Vermögens oder eine unerhörte Austauschbarkeit der Individuen am Arbeitsplatz die Folgen dieser Deregulierung, die alle sozialen Bande eiskalt und moralbefreit zu zerschneiden pflegt. Die ‚Eliten‘ reproduzieren sich längst selbst, wie auch ihre wachsenden Vermögen, und ‚die da unten‘ sollen gefälligst sehen, wo sie bleiben. Kurzschlüssig schieben diese Leute dann die Schuld an der laufenden realen Entwicklung ‚den Ausländern‘ zu, die ihnen angeblich ihre gewohnten Chancen durch Zuwanderung rauben würden. Es ist das alte Sündenbock-Muster, das sich lieber mit den Schwächeren als mit den Starken anlegt. Das sehnsuchtsgeladene ‚Abendland‘ im Namen der Pegida ist jene alte Welt, die zunehmend hinter dem Horizont versinkt. Insofern schon ein treffender Name … während statt des Popanzes der ‚Islamisierung‘ dort besser ‚Neoliberalisierung‘ stünde. Und ‚patriotische Europäer‘ sind so etwas wie ein ’schwarzer Schimmel‘, den gab es früher höchstens auf dem Drogenmarkt.

Klar wäre es besser, wenn diese Menschen nicht den Rattenfängern dort glauben würden, deren Horizont auch nicht weiter reicht, als ihr eigener. Dazu müsste aber erst einmal ein neues Narrativ entstehen, das nicht im stinkenden Tümpel von ‚Politically Incorrect‘ und ähnlichen Gruben geboren wurde. Eines, das einerseits den Forderungen der Realität entspricht, das andererseits nicht den ausgelatschten Spuren des Neoliberalismus und der ratlosen Parteipolitiken in dessen Kielwasser folgt, Worthülsen von orientierungslosen Politikern, die nur noch wie billiges Talmi oder bestenfalls Eiapopeia klingen. Ein Narrativ, das also eine lebenswerte Utopie beschreibt, etwas, was der Liberalismus nicht länger vermag. Dessen Versprechen sind hohl geworden, während auch ‚die Linke‘ (whoever that is) nichts Überzeugendes mehr zu bieten hat.

Wer schreibt es? Ich sicher nicht …

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