Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Medien (Seite 1 von 3)

Ihr müsst leider draußen bleiben

George Humphrey, 1831

George Humphrey, 1831

Die Mimimis von der AfD wurden also nicht zum Bundespresseball eingeladen? Welch Affront! Da pöbelt man jahrelang den künftigen Gastgeber wahlweise als ‚Lügenpresse‘, als ‚Systemmedium‘ oder ‚Mainstream-Büttel‘ an, und dann wird man nicht zu Sekt und Kaviar gebeten, sondern als unerwünscht vor die Tür gestellt. So etwas hat doch die Welt noch nicht gesehen …

Die Jungs und Deerns von der AfD sind im Kern und in meinen Augen Gaukler und Marktschreier, die ihre nationalen Wundertinkturen den Doofen im Geiste lautstark anpreisen, als unfehlbares Mittel gegen Hühneraugen, Impotenz, Fußpilz und Flüchtlinge. Und wenn das noch nicht für genügend Umsatz sorgt, wird der Teufel an die Wand gemalt.

Aber wer hat schon gern solche Quacksalber auf seiner Feier? Sollen sie selbst ihr großes Remmidemmi ausrichten, mit Bockwurst und Kartoffelsalat, dazu vielleicht mit Verbrennung einer Merkel-Puppe, um für weihevolle Stimmung zu sorgen …

Falscher Alarm

Da hat sich also ein RTL-Reporter unter die Pegidas begeben, um an O-Ton und Statements zu kommen (Vorgang hier). Unnötigerweise, wie ich hinzufügen möchte, denn „diese Bio-Deutschen“ halten sich ja keineswegs an die verabredete Omertá, sondern sie reden sich selbst in einem wahren Bekennerdrang um Kopf und Kragen. Wem der Deetz voll Grütze steckt, dem geht eben das Maul über …

Dieser Reporter radebrechte dann gleichfalls anti-islamisches Zeug in dieses Panorama-Mikrofon hinein, vorgeblich, um seine völlig unnötige Tarnung aufrecht zu erhalten, wobei er inhaltlich das Klischee vom vermuteten Pegida-Brabbel bediente. Womit er ja auch keineswegs daneben lag. Denn die anderen, die ‚echten‘ Panorama-Statements, die niemand bisher bestreitet, die kamen noch viel wirrer und bösartiger daher. Das geäußerte Klischee entsprach also vollumfänglich der Realität.

Große Aufregung seither im Medien-Stadl. Darf der das? Darf er Kollegen täuschen? Ferner dürfen sich alle Pegida-Hanseln seitdem gnadenlos missverstanden fühlen: Man könne doch mal wieder sehen, zu welchen Gestapo-Methoden der verruchte Mainstream-Journalismus greife, um wahre Volksbewegungen zu diskreditieren. Liebe Käsglocken-Deutsche, so etwas hat der Journalismus gar nicht nötig. Es gibt genügend unbestrittene Äußerungen aus eurer Mitte, die zeigen, welch Geistes Kind ihr seid. Wobei mir allenfalls das Wort ‚Geistes Kind‘ ein wenig hoch gegriffen scheint …

Der Journalismus aber hätte besser daran getan, den Vorfall gar nicht erst an die große Glocke zu hängen, weil jeder dieser Wirrköpfe jetzt einen untauglichen Beweis in Händen schwenkt, um das neuartige Lied von den bösen Medien zu singen. Kurzum: Da hat der Journalismus mal wieder ein echtes Eigentor geschossen.

Und dem RTL-Menschen sei gesagt, dass es genügt hätte, ein Russia-Today-Mikro in die Hand zu nehmen, so wie es die ‚heute-show‘ tat, um jede Menge aufgeguseltes Gestammel im O-Ton einzufangen. Gelenkte Staatsmedien à la russe verwandeln jeden Pegida-Mitläufer in eine Quasselstrippe. Schlecht imitierte Wallraff-Methoden waren also in dieser Situation ‚goar nüch nödich‘.

Seltsam ist es schon …

Gestern lief nun schon die dritte Talkshow zur Ukraine-Krise, zu der niemand aus der Ukraine eingeladen war.

Derweil steigt die Stimmung in Novosomalia von Tag zu Tag:

The militants tried to scare the protesters away with machine gun fire, however the publication reports that people kept coming with over a thousand involved. This is not the first time that the militants have used their machine guns to try to stifle protest. … At the same protest it was stated that as of Nov 16, 64 people had died of starvation. During the last week there have also been reports of protests in Makiyivka; Torez; Snizhne; and Yenakiyevo.“

Tscha, Herrgott, kann dieser Pöbel nicht einfach schweigend verhungern, so brav wie einst im Holodomor?

Der Putin entpuppt sich derweil als ein echter Linker. Jetzt hat er dem Front National ein paar Milliönchen gespendet, vermutlich um Marine Le Pen zu diskreditieren …

Einäugigkeit

Dieser professorale Vollhonk schafft es doch tatsächlich, spaltenlang die westlichen Medien zu kritisieren, ohne die russischen Medien auch nur einmal zu erwähnen:

„Die westlichen Medien haben den Konflikt verschärft, Journalisten haben für die eine oder andere Seite Partei ergriffen. Beides erscheint mir nicht im Sinne des Qualitätsjournalismus.“

Ach, der QJ mal wieder! Ein Wesen, das jeder Verleger gern beschwört, und das kein Leser je sah. Vielleicht ist aber auch dieser ominöse ‚Qualitätsjournalismus‘ derzeit bei ‚Russia Today‘ untergekrochen … wer weiß das schon? Da macht man sich schließlich die dollsten Stories noch selber … und der Interviewer dort, der müsste auch noch mal einen Grundkurs besuchen.

Hier gibt es übrigens das bravouröse Transskript einer Krisensitzung direkt aus dem Abenteurer-Hauptquartier. So etwas ist investigativer Journalismus! Seither wissen wir, die Bandidos gehen sich dort gerade selbst an die Gurgel, diese ‚ehrenwerten Familien‘ werden demnächst wohl ausschießen, wer recht hat:

“You said — or rather it was said about you, by bastards — that your goal is Rostov. So you must refute that,” he insists as they turn their backs and leave. Otherwise “you are disrupting your supply. Disrupting!”

Oops! Rostov? Liegt das nicht in Russland? Und diese ’supply-chain‘ käme also – selbst eingestanden – direkt aus der russischen Föderation? Und die Art, wie der Interviewer dort im Video drei Kalaschnikows um sich drapiert, entspricht vermutlich auch eher dem Grimm’schen Ideal eines ‚objektiven Qualitätsjournalismus‘. Moment, jetzt verstehe ich’s – darum geht’s, um viel größere Ziele, es geht um den bevorstehenden ‚Maidan‘ in Moskau, angeführt von Kapitänleutnant Strelkov:

„If Akhmetov manages to go on supporting the situation of rivalry of regiments of the militia, the situation will remain a zero-sum game, but with a worsening situation. Under such a scenario by autumn, Strelkov’s people and those detachments who have joined him will be forced to leave Donbass and take Rostov under control in order to make it a base for the Russian uprising.“

Freiheitskämpfer - ganz familiär

Freiheitskämpfer – ganz familiär

Im Kreml haben sie jedenfalls die Hosen voll, sie haben Angst vor einem Kapp-Putsch in Russland, und Commander Strullkov wird deshalb gerade kräftigst demontiert, wie zum Beispiel von diesem populären Putin-Supporter:

„Girkin is fighting not for Russia there, but for himself. Or for the DPR, or the LDPR, or who the heck knows — for something, but not for Russia in any way. And for me, Russia is more primary than Donbass; in general I believe that Donbass is not our Russian Crimea, and under no circumstances does Russia need this crap at all, and we are not at all obliged to fight there at all. Why should we fight, please explain to me? For what reason should we put our soldiers there? For the ambitions, I’m sorry, of Girkin? For Ukrainian Russians, the borders are always open — come as you please, there are practically entire state programs to help refugees from there, and even without any programs we will always help our own. But Girkin does not seem to be one of ours. Russia has a leader, he is the Commander-in-Chief, it is the president of the country, Vladimir Putin. And no Girkin can show him or provoke him into a decision with his small-town problems. Russia is greater than the Donbass and much more important, in fact for all Russian Federation people without exception.“

Solche spannenden Entwicklungen lassen sich mit etwas gutem Willen ganz leicht recherchieren. Und was lesen wir davon in den ach so ‚russophoben Mainstream-Medien‘? – Eben …

Russophil, nicht russophob

Wissenschaft wird einen Hardcore-Querfrontler wohl kaum interessieren. Er wird sich in allen Foren auf seinem Lieblingszossen weiterhin einen Wolf reiten. Weil’s aber der Wahrheitsfindung dient, sei das Ergebnis dieser Studie hier doch vermerkt:

„Der Vorwurf, die deutschen Medien seien russophob oder betrieben gar anti-russische Propaganda, ist nach einer Analyse der gängigen Polittalkshows nicht haltbar.“

Man könnte auch sagen: Das Gegenteil kommt der Wahrheit schon näher: Die russische Sicht wird in extenso in diesen ‚westlichen Mainstream-Medien‘ ausgebreitet, die ukrainische Sicht kommt kaum vor. Wer etwas anderes verkündet, pflegt nur seine Vorurteile …

Wie blöd darf man sein?

Da schimpft also Bernd, das Brot, auf seinem missglückten AfD-Parteitag nach Leibeskräften gegen ‚die Medien‘, bis ihm endgültig das Stimmchen zu versagen droht, und daraufhin wundern sich unsere Heiligen der letzten Tage, dass sie in diesen Medien keineswegs als Hoffnungsträger der Menschheit erscheinen …

Liebe UNHCR

Liebe Weltgesundheitsorganisation, liebes Weltwirtschaftsforum, liebe Ärzte ohne Grenzen, liebes Intergovernmental Panel on Climate Change, liebes Internationales Rotes Kreuz, liebe Europäische Rundfunkunion, liebes CERN, lieber Christlicher Studenten-Weltbund, liebes IOC … wenn die Schweiz euch Ausländern jetzt das Leben schwer macht, wir hier in Rethem an der Aller hätten massig Platz für ansiedlungswillige Organisationen und deren vielfach assoziierte Zuwanderer.

Eine gewisse Schadenfreude überkommt mich allerdings beim Anblick unserer Medien, die jetzt schwer an jenem Fraß würgen müssen, den sie jahrelang unbeschwert verkündet haben.

Duell im Dudelfunk

Und heute abend also entscheidet eine 90-minütige Fernsehdiskussion über den Ausgang der Wahl? Donnerwetter! Dass unsere Medien an Selbstunterschätzung leiden, darf wahrlich niemand behaupten. Vielleicht hat sie ja zu viel Rouge aufgelegt, am Ende trägt er gar die falschen Socken – ogottogott!

Die große Lähmung

Allgegenwärtig scheint die Lethargie der Deutschen vor der Wahl. Ob nun Intellektuelle oder aber ein Ulf Poschardt, sämtliche Eingeweideschauer flüchten sich wahlweise in Kritik an Merkels ‚asymmetrischer Demobilisierung‘ oder in hanebüchene psychologische Deutungen:

„Deutschlands Intelligenz ist narzisstisch gekränkt.“

Klar, Ulf, wer im Glashaus sitzt … aber gut, lassen wir das. Das Phänomen wäre eigentlich ganz einfach zu erklären. Keines der angebotenen Politikmodelle – ob nun eine schwarzgelbe Fortsetzung des politischen Elends oder aber ein rotgrüner ‚Beglückungsstaat‘ – keines der großen ideologischen Modelle, die nach Ansicht der Strategen diesen Wahlkampf bestimmen sollen, kann die Wähler in der Masse magnetisieren und auf Linie bringen. Weil beides entweder längst unrealistisch scheint oder aber eine gesellschaftliche Katastrophe wäre.

Die Bürger wünschen sich schlicht nach der Wahl eine große Koalition. Das zeigen alle Umfragen. Es wäre also sehr wohl eine Wechselstimmung da: Zurück zum Bewährten, zu dem, was man bei der letzten Wahl noch so schnöde verschmähte, zurück in jene gute, alte Zeit, als die beiden bewährten Kaltblüter den Karren zogen:

„Die Deutschen wollen eine Große Koalition.“

Weil diese Alternative aber nirgends ernsthaft kommuniziert wird, deshalb ist die Lähmung so groß. Deshalb entwickelt der Wahlkampf keinen ‚Drive‘. Es wird – nicht nur in den Medien – so getan, als sei rotgrün weiterhin irgendwie eine realistische Möglichkeit, oder aber als sei eine Fortsetzung von Schwarzgelb für die Mehrheit irgendwie wünschenswert. Die Tigerenten-Koalition wollen faktisch nur noch 17 Prozent der Deutschen weiterregieren sehen, bei Rotgrün sieht es übrigens haargenau so aus. Die Journalisten beteiligen sich damit an einer publikumsfernen Geisterdebatte.

Die politische Aufgabe der Publizistik – als Dienstleister einer Mehrheit im Publikum – bestünde unter diesen Umständen doch eher darin, den Weg zu dieser gewünschten großen Koalition aufzuzeigen. Da die Union ohnehin jenseits von Gut und Böse in Muttis kuscheligem Umfragehoch treibt, hieße dies: Entweder die FDP unter die immer noch unverdienten fünf Prozent zu schreiben, bzw. die SPD emporzujazzen, oder aber einer kleineren Partei über diese fünf Prozent zu helfen. Wahlweise also den Piraten – oder von mir aus auch der AfD. Sollen sie doch ein paar Jahre Diäten kassieren! Weil nämlich mit einer sechsten Partei im Parlament jede schwarzgelbe Mehrheit sofort die arithmetische Plausibilität verliert.

Ein solcher Wahlausgang, der dann auch den Wünschen des Souveräns entspräche, der wird aber nirgends thematisiert. Stattdessen wird eine faktenenthobene Geisterdebatte geführt, befeuert natürlich auch von schwarzgelben Spin-Doktoren: Rotgrüner Umverteilungsstaat gegen schwarzgelbe Froihoit. Bei der Richtungslosigkeit der Publizistik, bei diesem Verlust jeder Peilung, besteht allerdings die große Gefahr, dass wir diese Froihoit tatsächlich weiterhin bekommen könnten. Und dann? Oops – wrong country?

Ischa Wahlkampf!

In fünf Wochen wird in Deutschland gewählt. Wie auf einer türkischen Hochzeit beginnt prompt die Kavalkade einschlägig verdächtiger Medien – tätä! tätä! – laut zu hupen. Die guten Nachrichten schlagen in allen Headlines Purzelbaum:

„Deutsche Wirtschaft glänzt mit kräftigem Wachstum, Endlich wieder gute Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt hat im vergangenen Jahr so stark zugelegt wie seit Anfang 2012 nicht mehr.“

Boah, sagenhaft! Wie schon ’seit Anfang 2012 nicht mehr‘! Das sind wahrhaft historische Dimensionen, da lebte Opa ja noch. ‚Endlich‘! Und diese dynamische Wirtschaft wächst auch gleich um sagenhafte 0,7 Prozent. Alle Experten hatten uns nämlich nur klägliche 0,6 Prozent vorausgesagt. Prösterchen – das ist glatt ein Promille mehr! Die Spin-Doktoren bekommen vor Rührung feuchte Augen … und selbst noch das Sozialistenpack in Frankreich hat satte 0,5 Prozent geschafft (nein, das schreiben wir da besser doch nicht hinein).

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