Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Logik (Seite 1 von 2)

In den Fallstricken der Logik

Der afrikanischerseits Abgeschobene von der Pegida, der Lutz Bachmann also, lästert auf Facebook, „dass es gar ‚KEINE ECHTEN KRIEGSFLÜCHTLINGE‘ gebe: „Wer sich die Überfahrt/Transport leisten kann nach Europa gehört NACHWEISLICH nicht zu den wirklich Bedrohten!“ (diese brüllaffenhafte Großschreibung ist übrigens nicht von mir).

Halten wir also fest, gemäß den Gesetzen der Logik:
1. Wer sich die Flucht leisten kann, ist gar kein Kriegsflüchtling.
2. Wer wirklich Kriegsflüchtling ist, kann sich diese Flucht auch nicht leisten.

Conclusio: Also gibt es laut Pegida-Logik überhaupt keine Kriegsflüchtlinge hierzulande – und wir müssen daher auch nicht einen einzigen aufnehmen, sondern ausnahmslos alle abschieben. Ganz egal, was die ’19 Punkte‘ so dahersäuseln, die ja auch eher für die Medien und für die Blöden im Geiste verfasst wurden … apropos, diesör Lotz öst öbrigens – scheint’s – aus oinem Bonker gekrochen.

Und hierbei handelt es sich ja immerhin nicht um Muslima: „„Legida-Aktivist Jörg Rösler (51) … [wird] vorgeworfen, „gewerbsmäßig Frauen aus der Dominikanischen Republik nach Deutschland einzuschleusen, um diese der Prostitution zuzuführen.“ Wohl, damit sich der notgeile Abendländer nach der Demo daran erfreuen möge …

‚Ganz normale Bürger‘?

Auf der Legida-Demonstration ist dann jedoch keine Charlie-Hebdo-Zeichnung in Sicht, stattdessen viele Deutschlandflaggen, außerdem Schilder, die die Abschaffung der GEZ fordern oder vor den Gefahren von „Chemtrails“ warnen – so bezeichnen Verschwörungs-theoretiker die Kondensstreifen von Flugzeugen, die angeblich mit Chemikalien versetzt sind, um die Bevölkerung gefügig zu machen.“

Tscha – ihr seid schon so’n Völkchen! Immerhin hat bei euch der Plan mit den Chemtrails nicht geklappt, kann also nicht so gefährlich sein … das aber wäre fast schon Logik. Wie wäre es also auf der nächsten Demo mit der Parole ‚Lügen-Logik, Lügen-Logik!‘?

So richtig blöd wäre es für unsere Alu-Hüte allerdings, wenn ihre verehrten russischen Medien Recht haben, und gar nicht der Islam hinter den Anschlägen stecken sollte:

„Die Zeitung «Komsomolskaya Pravda» fragt derweil in einer Headline: «Haben die Amerikaner die Terror-Attacken in Paris inszeniert?».

Eine Revision der Pegida-Positionen wäre dann wohl unausweichlich. Parole: ‚Lügen-Pegida, Lügen-Pegida!‘ … hier die große Regel: ‚Siehst du in einer Headline am Ende ein Fragezeichen, antworte getrost mit Nein‘.

Zeit für den nächsten Hilfskonvoi

Irgendwer muss die Leichen der armen Kerle ja abholen, die dann ganz stiekum ‚auf geheiligter russischer Erde‘, in Pskov oder so, ohne großes Trara verscharrt werden. Denn sie dürfen ja gar nicht da gewesen sein, wo sie den Tod fanden.

Ein schönes Beispiel für die alu-hütlerischen Denkbemühungen und für die Kausalitätsumkehr mit quietschenden Reifen bietet uns dieser Kommentator bei SpON. Die NATO erwägt bekanntlich, in Polen und den baltischen Staaten künftig mehr Präsenz zu zeigen, sagt zumindest Rasmussen:

„Das Vorhaben sei eine Reaktion auf die Ukraine-Krise, schreibt der Guardian.“

Also ERST die Ukraine-Krise und Russlands offensichtliches Engagement dort, DANN erst eine stärkere NATO-Präsenz in Polen usw. als Reaktion auf Putins invasorisches Säbelrasseln.

Unter einem Alu-Hut verkehrt sich aber prompt diese Kausalität, logisch gesehen einer der größten Fehler, die ein menschlicher Kopf überhaupt begehen kann, gewissermaßen ein Kurzschluss im Schaltkreis als Folge der Überlastung eines unterdimensionierten Gehirns, das für Logik gar nicht ausgelegt ist:

„Dann ist jetzt endlich raus worum es seit Anfang an gegangen ist – die NATO Osterweiterung unter Umgehung der existierenden Verträge.“

Also ERST gäbe es den natürlich geheimen NATO-Masterplan von dem niemand nichts weiß, außer diesem Meisterdenker, DANN erfolgte Putins absolut verständliche Invasion in der Ostukraine.

Ganz abgesehen davon, dass auch sonst so ziemlich alles sachlich falsch ist in dieser Wirrsal eines Economy-Gehirns: So wurden bspw. nirgends ‚Verträge umgangen‘, die Zwei-plus-Vier-Verträge bezogen sich einzig und allein auf das Gebiet der ehemaligen DDR. Polen und die baltischen Staaten durften sich hingegen völkerrechtlich verbünden, mit wem sie wollten. Schließlich sind es souveräne Staaten. Zweitens haben all diese Staaten höchstselbst die Aufnahme in die NATO beantragt, aus einer historisch absolut begründeten Furcht vor ihrem russischen Nachbarn. Sie wurden also nicht in die NATO hineingezwungen – von den ‚Yankees‘ oder wem auch immer. Und drittens fand diese ominöse ‚NATO-Osterweiterung‘, die jetzt als große Novität unterm Alu-Hut ausgeschrien wird, längst schon statt. Derzeit geht es nur um eine stärkere militärische Präsenz auf bestehendem NATO-Gebiet, um eine Verschiebung von Truppenverbänden also. Die allerdings auch dringend geboten ist, angesichts der russisch-eurasischen Gelüste.

Noch was? Ach ja, hier hat sich ein klarer Kopf die Mühe gemacht, sein Hirn dem russisch gelenkten Mainstream-Journalismus 24 Stunden lang auszusetzen:

Dann folgt die richtige russische Abrechnung. Beitrag um Beitrag führen den Beweis, dass die Ukraine seit der Loslösung von Moskau alles falsch gemacht hat: Bevölkerung schrumpft, nur die Republik Moldau ist ärmer, zwei nutzlose Revolutionen, Oligarchen bestimmen alles, Schuldensumpf, Korruption, keine Meinungsfreiheit, um die Pressefreiheit ist es nur im Irak und in Afghanistan schlechter bestellt, Antisemitismus, eine zerfallende Armee und zu guter Letzt die absolute Unfähigkeit der neuen Regierung Poroschenko, einen souveränen Staat aufzubauen.“

Willkommen in Fantasia-Land! Klingt für mich fast nach einer Selbstbeschreibung … die Psychologen haben einen Fachausdruck dafür: Projektion. Dieser Kommentator bei reddit hat übrigens einen guten Vorschlag für Putins Kriegs-Operetten-Dramaturgie:

„Russia’s new anthem: ‚Oops, I did it again‘.

Ab heute haben wir einen offenen Angriffskrieg Russlands, wenn sich die einhundert Panzer im Südosten bestätigen. Gestern sagte diese Pappnase noch: „Ich werde alles tun, um den Friedensprozess zum Erfolg zu bringen, wenn er beginnt.“ Tscha, und jetzt hat er offensichtlich begonnen, falls die russischen Panzer rollen. Wo bliebe die sofortige Abberufung des deutschen Botschafters in Moskau, die Ausweisung des russischen Botschafters hier … und dann erst einmal Sendepause, bis Putin anklingelt und nicht ewig umgekehrt, während die Unterstützung für die Ukraine ins Rollen kommt? Was mit den Börsen ist? Gut, das ist für manche dann mal ein Schlag ins Portfolio. Meister Röhrich hatte eben doch recht: „Eeeeckhardt, die Russen sind da!“ Manche drücken sich da sehr viel drastischer aus: „Scoundrels and scum are leading Russia. There are no other words.“ Das liegt vielleicht daran, dass es ein Russe sagt …

Such den Widerspruch!

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe den Aufmarsch bestätigt, berichtete die Moskauer Tageszeitung „RBK daily“. Das Militär habe sich zu einem Aufmarsch entschlossen, da die Gefechte in der Ukraine nicht abklingen würden.

„Russland hat Vorwürfe der Nato zurückgewiesen, erneut Truppen an der ukrainischen Grenze zusammenzuziehen.“

Eins von beiden muss dann wohl gelogen sein … und da sie in Zeiten der Satellitentechnologie nicht mehr davon ausgehen können, dass ihre Aggression unbemerkt bleiben könnte, ist die erste Äußerung wohl außenpolitisch, und die zweite innenpolitisch gemeint (wie auch fürs linientreue Kommentariat selbstverständlich).

Nachtrag: Die offene russische Invasion hat jetzt – scheint’s – begonnen, der Schafspelz hat wohl ausgedient:

„There have now been multiple sightings, recorded on video, of a column of Russian forces including tanks, APCs and military trucks progressing as far as Gorlovka in the Donetsk region.“

Da werden unsere ‚Frühüüdensdemonstranten‘ von den Montagsdemos jetzt aber kräftig feiern …

Für den Zettelkasten (27)

Im methodologischen Boom unserer Tage nehmen Gespräche über Logik und Gespräche über alles Mögliche unter Zuhilfenahme der Sprache der Logik einen bedeutenden Platz ein. Aber hierbei spielt die Nutzung der Sprache und der Prinzipien der Logik nicht so sehr die Rolle eines effektiven Mittels zur Lösung von Problemen als vielmehr im höchsten Maße die Rolle, Prestige und Heuchelei zu fördern. Und, wie könnte es anders sein, eine ideologische Rolle. Man stelle sich ins Auditorium, brechend voll von Doktoren und Kandidaten aller Wissenschaften, spreche das Wort ‚Implikation‘ aus – es wird Totenstille eintreten und alles in Erwartung eines Wunders erstarren.“
Alexander Sinowjew: Gähnende Höhen, 291 f

Tscha, man könnte sich natürlich auch aufs Wirtschaftsforum in Davos stellen und dort das Wort ‚Volatilität‘ aussprechen. Obwohl das Wort – kindgerecht aufbereitet – uns doch nur sagen will: ‚Der Aktienkurs geht munter / manchmal rauf und manchmal runter‘. Blanke Magie! Warum fallen mir jetzt gerade so viele unserer ‚Öchsperten‘ ein? Lesenswert ist auch der folgende Text von Sinowjew:

„Die Ähnlichkeit ist tatsächlich verblüffend. Da treffen sich zum Beispiel Sowjetbürger in einer stinkenden schmutzigen Kneipe oder in einer jämmerlich engen Wohnung. Sie betrinken sich mit einem Wodka, der einem den Magen umdreht, und essen dazu irgendein für einen Westler unvorstellbares Zeug, und dann nicken sie einander verständnisinnig zu und sagen mit so einem miesen kleinen Lachen: „Ja, Freunde, wir leben schlimmer als die Schweine!“ Und der Stolz auf ihren Sauladen leuchtet ihnen dabei aus den Augen.

Und genauso hier im Westen: Da treffen sich ein paar Westler in einem Restaurant oder in einer Wohnung, wie sie sich der Sowjetbürger nicht träumen lassen würde. Sie essen sich satt an Dingen und betrinken sich mit Weinen, deren Existenz der Sowjetbürger nicht einmal vermutet, und dann nicken sie einander verständnissinnig zu und sagen mit so einem nachsichtig spöttischen Lächeln: „Ja, Herrschaften, da kann man nichts machen, der Westen geht unter.“ Und der Stolz auf ihren Untergang leuchtet ihnen dabei aus den Augen.“

Lust auf Armageddon hier wie da – man achte auf die Muster, die verbinden. Interessant ist auch sein Hinweis darauf, dass es ‚ehemalige Sowjetbürger‘ in Russland bis heute nicht gibt …

Die Inversion

Mit meinem Bruder, der Mathematiker ist, habe ich mich oft über die Anwendung mathematischer Logik auf gesellschaftliche oder politische Sachverhalte gefetzt. Mein Standpunkt war, dass dies nicht möglich sei. Die logischen Systeme der algebraischen Welt und der Sprachwelt seien himmelweit unterschieden. So gelte in der Mathematik beispielsweise der Gleichheitsgrundsatz, wonach immer auch die Umkehrung (‚Inversion‘) eines Sachverhalts aus einem Gleichheitszeichen unwillkürlich folge: Wenn A gleich B, dann B gleich A.

Ich sagte ihm dann beispielsweise, dass alle Heuchler zwar immer Moralisten seien, dass ich daraus aber keinesfalls ableiten dürfe, dass alle Moralisten Heuchler wären. Oder um ein aktuelles Beispiel zu verwenden: Laut russischen Medien sei die Abspaltung der Krim von der Ukraine völkerrechtlich so zu betrachten wie die Abspaltung des Kosovo von Serbien. Nur – und das zertrümmert dann dieses scheinbare Gleichheitszeichen – habe doch gerade Russland diese Abspaltung des Kosovo völkerrechtlich nie anerkannt, sondern immer als einen Rückfall in Wildwestmethoden verteufelt. Das Land wende also höchstselbst hochgehaltene Standards auf das eigene Vorgehen nicht an: Die Krim sei sozusagen ‚gleicher‘ als das Kosovo, weil es sich im einen Fall um ‚russische Brüder‘ handele, im anderen Fall bloß um Albaner, was wohl der nationalistische Kern dieses angelegten Doppelstandards sei …

Voilà – unser scheinbares Gleichheitsargument entpuppt sich auch hier mal wieder als zutiefst heuchlerisch. Da ist kein Gleichheitszeichen weit und breit, sondern nur Rhetorik und Diplomatenrabulistik. Schon trollt sich der kleine Mathematiker wieder in seine Schmollecke, weil alles eben nicht so einfach ist …

Logik adé!

Die Denkbemühungen im deutschen Qualitätsjournalismus werden immer aberwitziger. Vermutlich hat der Verfasser selbigens sich hoffnungslos in den Wortbedeutungen verheddert, so dass er in seinem Dusel zwischen ‚Regulierung‘ und ‚Regel‘ einen klitzekleinen Unterschied sah, dort, wo faktisch keiner ist. In nur zwei Sätzen zauberte der Carsten Brönstrup uns erstaunten Lesern so eine rasante argumentative Kehrtwendung aus der duldsamen Tastatur:

„Die große Koalition reguliert zu stark. Und nicht der Neoliberalismus an sich produziert Krisen, sondern eine Politik, die nicht die nötigen Regeln setzt.“

Wir halten also fest, die GroKo reguliert zu stark, weil sie nicht genügend reguliert. Der Neoliberalismus ‚an sich‘, dieses arme Tier, das kann aber nichts dafür. Danke, ‚Tagesspiegel‘, das habe ich noch gar nicht gewusst. Bitte ein Aspirin … und vielleicht sollte der ideologietreue Herr aus den Untiefen des Wirtschaftsjournalismus künftig schreiben: ‚Der Neoliberalismus ist gut, schon deshalb, weil er nicht gut ist‘. Dann versteht es jeder – selbst ein Psychiater. Und der Bundespräsident freut sich auch …

Sie denken nur, dass sie’s tun …

Die Union hat vor der Wahl versprochen, die Steuern nicht zu erhöhen. Die Interessenvertretung der Unternehmer in der CDU mahnt, sich daran zu halten. Und verweist auf das Debakel der FDP.“

Nun – es ist mal wieder der Wirtschaftsrat der CDU, der uns solch vernunftfernes Gedenke so haltlos und bar jeder Logik daherschrubbt. Denn schließlich war die FDP die einzige Partei, mit der es bestimmt keine Steuererhöhungen gegeben hätte. Und wo krebst diese Partei dank des Votums der Wähler jetzt herum? Eben, eben, eben … wo keine Steuerhöhung, da Debakel.

Vermehrter Unsinn

Immerhin hat die schwatzgelbe Landesregierung in Hessen die Kalkulation für ihr Renommierprojekt, den Flughafen in Kassel-Calden, nur um knapp das Vierfache überschritten: Statt 70 Mio. sind es bloß popelige 271 Mio. Euro geworden, Geld, das der hessische Steuerzahler bekanntlich aus der Kaffeekasse bezahlt. Davon jedenfalls kann sich der Geldverschwender Wowereit mal ’ne Scheibe abschneiden – der mit seinem Rudolf-Scharping-Flughafen dort im märkischen Sand!

Weshalb aber kein Journalist nachgefragt hat, als der Jörg-Uwe Hahn (FDP) uns seine ‚Erfolgsgeschichte‘ auftischte, als dieser hessische Luft- und Traumfahrtminister zum Beispiel der schreibenden Zunft sagenhafte Flugverkehrs-Erwartungszahlen aus seiner politischen Projektleitung nannte, das ist mir ein Rätsel: „20 Landungen und 22 Starts pro Woche sind bislang laut Flugplan vorgesehen“, schrub uns darüber der Thomas Holl in die FAZ. Vermutlich kommt’s ja deshalb zu diesem beachtlichen Jet-Lag, weil solch zukunftsträchtige Flugzeuge im vermehrungsfrohen Hessen nächtens in ihren Hangars Junge bekommen …

Trotzdem, Leute: Fußpilz, Hämorrhoiden, Volker Bouffier – diese Welt ist und bleibt ein lebenswerter Ort!

Publizistenlogik

Es ist ein herber Rückschlag für US-Präsident Obama“, schreibt uns Spiegel Online. Wieso und weshalb, und wie kam es überhaupt dazu? – – – Dazu kam es nämlich so: „Obama hatte sich aus der erbittert geführten Auseinandersetzung herausgehalten.“ Ah ja, verstehe, gar nicht dabeigewesen – und schon bekleckert.

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