Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Jan Fleischhauer (Seite 1 von 6)

So leicht kriegt ihr mich nicht …

Der ‚hardy‘ hat hier im Kommentar verkündet, dass er dem Jan Fleischhauer erstmals vollumfänglich recht gebe. Da hege ich große Zweifel – nur weil der Gegner ausnahmsweise mal der gleiche ist, heißt dies noch nicht, dass durch einen Schwarzen Kanal plötzlich das klare Wasser der Vernunft strömen würde. Hier Fleischhauers zentrale These:

„In Dresden können wir erkennen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, die ihre Informationen nur noch aus obskuren Ecken im Netz bezieht.“

Erstens sehe ich dort bei Bifigaga (= Pegida) eine ganze Menge Leute herumlaufen, die schon Schwierigkeiten haben dürften, einen Computer überhaupt fachgerecht anzuschmeißen. Und zweitens kommen die dicksten Enten nach wie vor aus den gedruckten Medien, so wie beispielsweise der derzeit größte Aufreger, dass künftig in toitschen Weihnachtsmessen auch ein muslimisches Lied geträllert werden müsse. Der Hoax stammt nämlich aus der ‚Bild‘, seit Jahrzehnten stets für die kleine Hetze am Morgen zuständig. Folglich stimmt der folgende Satz vom Jan Fleischhauer auch nicht, auch das ist nur ein Konstrukt:

„Bei Pegida zeigt der rechte Onlinebürger Gesicht, es ist der Aufmarsch der digital Erregten.“

Bei diesen Rechtserigierten dürfte immer noch die gedruckte Ware fürs große Aufschäumen zuständig sein. Ich nenne bloß mal den Ulfkotte oder den Sarrazin, deren Werke doch zu hunderttausenden ihre Abnehmer finden, und zwar gebunden und auf Papier. Weiter geht’s holterdipolter den Schwarzen Kanal hinab:

„Mit Menschen, die ihr Weltbild vor allem aus Blogs und Webseiten zusammenklauben, die sich als Gegenöffentlichkeit verstehen, wird es schwer, eine Ebene der Verständigung zu finden.“

Ach ja? Ist ‚RT deutsch‘ neuerdings ein Samisdat-Medium, nur im Netz zu finden? Residieren die nicht vielmehr unweit vom Kanzleramt, in gepflegten Studios? Was ist ferner mit dem Gas-Gerd, was mit der Gabriele-Krone-Schnulz, was mit der ‚Anstalt‘ des ZDF, was mit dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft, was mit diesem Aufruf der 60, was ist mit Eva Herman oder Konstantin Wecker – wären die alle nur in den Schmuddelecken der Blogs zu finden, oder greift nicht jeder Volontär eines Altmediums begierig zu solchen Statements, um für ein wenig Awareness zu sorgen?

Kurzum: Diese euphemistisch getauften ‚Wutbürger‘ beziehen ihre Medienkritik noch immer und zuvörderst aus diesen Medien höchstselbst, weil letztere sich ständig selbst ins Knie schießen. Das Internet wäre dann nur ein Treibsatz, der die Verbreitung all des Quarks erheblich beschleunigt. Natürlich gibt es auch ‚Schmuddelecken‘ im Netz – ‚Politically Incorrect‘, ‚Telepolis‘, ‚Hinter der Fichte‘ oder die ‚Nachdenkseiten‘ – aber man muss sich doch erst einmal an den eigenen Kopf fassen.

Wenn ich bspw. über die Ukraine-Krise etwas Fundiertes wissen will, dann begebe ich mich zu ‚reddit‘, zum ‚Interpreter‘ oder zu den ‚Voices of Ukraine‘ – also direktemang ins Netz. Und sehr viel seltener zu den so genannten ‚Qualitätsmedien‘, wo es redaktionell und ständig heute ‚Hü‘ und morgen ‚Hott‘ heißt, im dienstfertigen Bedürfnis, es möglichst allen recht zu machen. Solche Medien sind zum Selbstbedienungsladen jeder Ideologie geworden, auch derjenigen von der Pegida.

Was der Jan hier mal wieder betreibt, ist reine Bauernfängerei, ganz wie bei der Pegida auch. Er schimpft scheinbar auf Pegida – und meint das pöse Netz, den eigentlichen Feind der Altmedien. Und wenn’s das Netz nicht gäbe, dann gäbe es auch Pegida nicht. Ach, wie schön wäre Panama …

Auch wenn’s hier nicht ganz so besinnlich klang – allen Lesern des ‚Stilstandes‘ wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest.

Das Kommentariat

Das zeigt sich jetzt flächendeckend – von SpOn bis Zeit Online – schwer verwirrt:

Lukaschenko hat auf dem Maidan nicht auf seine Bevölkerung schießen lassen, aber jetzt steht auch die USA hintern den ukrainischen Truppen, die ohne jegliche Skrupel sind. Man nennt das Völkermord.“

Jaja, dieser ‚Lukaschenko‘, der kommt tatsächlich erst ganz ‚hintern‘ … im Grunde reagiert die ukrainische Regierung jetzt so, wie von ganz anderen Kräften lange ‚erhofft‘. Wenn die Katze zu lange mit dem gefangenen Mäuschen spielt, dann stürzt sich auch dieses Tierchen irgendwann in die finale Gegenwehr, obwohl es faktisch keine Chance hat.

Eine bemerkenswerte Kehrtwende hat übrigens der Jan Fleischhauer vollzogen. Der ist inzwischen fast schon auf den ideologischen Positionen seiner einst so verteufelten Eltern angelangt:

„Der Tod ist schrecklich, nicht wahr?“, fragte Putin seine Zuschauer am Ende seines Fernsehauftritts. „Aber nein, es scheint, er kann sehr schön sein, wenn er anderen dient: der Tod für einen Freund, für ein Volk oder für das Heimatland, um ein modernes Wort zu nutzen.“ Das ist nicht nur ein wenig, das ist lupenreiner Faschismus.‘

Yep – das ist das alte ‚Dulce et decorum est pro patria mori‘, was der Putin da verkündet. Dabei ist es doch – realistisch betrachtet – nur ein blutiges Geschmadder, mit tränenseligen Kameraden später am ‚Kriegerdenkmal‘: Wat woar disse ‚Kameradschaft‘ damoals scheun! Recht sarkastisch ist dieser Kommentar:

„Wie kommt man zu Flugabwehrraketen?“ – „Hörer nehmen, Onkel Vladis Nummer wählen, weinen, wieder auflegen. Zwei Tage später klingelt dann der Paketdienst …“

Auffällig ist es überhaupt, dass den ‚Comical Alis‘ unserer Putin-Fraktion in den Foren immer mehr Spott um die langen Ohren geschlagen wird, der dann vor allem Zweifel an ihrer intellektuellen Zurechnungsfähigkeit formuliert:

„Eine Dosis Ria Novosti am Morgen und zwei Dosen Life News zu Mittag und abends vorm Einschlafen einmal Schall und Rauch… Dann sind noch die freischaffenden Blogger zu erwähnen: Ken Jebsen und Gabriele Krone-Schmalz. Jedem das seine.“

Fleischhauer beim Selbstversuch

Wer mehr als drei bis vier Gläser der [Fracking-]Flüssigkeit trinkt, erleidet keinen größeren Schaden als einen leichten Durchfall.“

So entstand dann sein Artikel …

Jan Fleischhauer gefaket?

Im ‚Spiegel‘ jedenfalls wagt es ein Troll, unter dem Pseudo ‚Jan Fleischhauer‘ Thilo Sarrazins neustes Ouevre zu kritisieren. Und das so sach- und fachgerecht, dass auch die Mär vom ‚linken Meinungsterror‘ gleich mit in die Tonne wandert. Kurzum, so schließe ich messerscharf – das kann nicht mein Jan Fleischhauer sein …

Gelungene Nachrufe

Den Sound der Zeit traf er wie kein anderer – was allerdings erheblich gegen seine Zeit sprach:

Doch der stumpfgeistige Stammtischton, den [Matussek] nach seiner Amtsübernahme im Jahr 2005 mit seinen Getreuen – darunter der Borderline-Fabulierer Joachim Lottmann und der Popliterat Moritz von Uslar – etablierte, war selbst jenen zu viel, die sich vom Spiegel einen „frischeren Ton“ wünschen mochten. Die politische Ausrichtung verschob er noch weiter nach rechts und schoss sich auf die üblichen Feinde ein.

Dem Kult seiner Genialität wurde das Ameisenvolk tief unter ihm leider nie gerecht:

Im Interview mit dem Debattenmagazin The European keilt er nochmal kräftig gegen den Spiegel und einzelne Ex-Kollegen aus, die er wahlweise als “Niete”, “Großmaul”, “Verräter” und “Schienbeintreter” beschimpft.“

Jetzt aber hat den Gral der Invektiv-Kultur bei der ‚Welt‘ gefunden, dem publizistischen Weimar unserer Zeit. Dort darf er in drei, vier Jahren dann wohl die Elbphilharmonie zur kulturellen Großtat emporjazzen. Vermutlich vermisst er dort bloß das Kreuz auf dem Dach:

Aber Matussek war eben nur Trash-Rock, eine Spielart, die letztlich keinen nachhaltigen Wert besitzt: Unter ihm wetterte der Kulturteil des Spiegels gegen das Regietheater, feierte den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als visionäre Tat und jauchzte den Stauffenberg-Film mit Tom Cruise zum Erweckungserlebnis hoch.

Auf diesen, seinen luftigen Höhen wandelt Hand in Hand mit ihm einzig der Jan Fleischhauer, sagt er. Ja, denn! Hoffentlich gibt’s bei diesem Tete à Tete keinen unverhofften Nachwuchs …

Im Kern passiert doch bloß folgendes: Eine ganze publizistische Alterskohorte, oft fälschlicherweise ‚Pop-Journalismus‘ genannt, wird derzeit aussortiert. Und sie strandet, der Schwerkraft folgend, mitsamt ihren Zipperlein als ‚Rantner‘ bei der Welt: Poschardt, Broder, Siems, Seibel, Posener, Aust, Matussek, Stuckrad-Barre, Lottermann usw.

Der Kokette

Zum Auftakt des neuen Jahres eine Twitter-Auswahl an Stoßseufzern, Flüchen und Verwünschungen.“

‚Hansi Hinterseer des Journalismus‘ trifft’s übrigens nach wie vor …

Römpömpöm!

Je länger, je mehr erinnert mich der Jan Fleischhauer an den dänischen Koch aus der Muppets-Show, der unbekümmert um Geschmack und Zusammensetzung – ‚römpömpöm‘ – alles in die Suppe schmaddert, und seien es der Pfefferstreuer oder die Gemüsereste, solange, bis kein Hund das Ratatouille mehr fressen mag. Diesmal fischt unser Kantinenkoch mit der Lizenz zur Massenabfertigung den Aufruf der Schriftsteller zur Datenaffäre aus der duftenden Vorratskammer seines ‚Schwarzen Kanals‘, um uns auf dem Hackbrett prompt einen wilden Kommentar zusammenzuwürfeln, dessen argumentative Quintessenz für mich in einem schlichten ‚Haltet endlich das Maul, elendes Literatenpack!‚ mündet. Mitten ins Gesicht rülpst ihm ungewohnterweise aus den Kommentarspalten ein ‚Du auch!‚ entgegen.

Tscha, so ist das eben mit den Michelin-Sternen – es soll ja auch schmecken. Das müssen dann wohl lauter zungenverwirrte ‚Gutmenschen‘ sein, die jedenfalls kennt der schreibselnde Bonvivant mit der verknitterten Kochmütze angeblich alle persönlich …

Ich denke übrigens noch schlichter als dieses Publikum, ich glaube, es liegt vor allem daran, dass Julie Zehs Aufruf in der FAZ erschienen ist, dort, wo der Dschang nie einen Fuß auf den Teppich bekam, weil das FAZ-Feuilleton noch über eine Einlasskontrolle und über ein intellektuelles Gardemaß verfügt. Da darf eben nicht jeder im lustigen Patchwork-Modus schreiben, schon gar nicht das, was jeder Vernunft ins Gesicht schlägt. Deshalb verbuche ich dieses Fleischhauersche Menü einfach mal unter ‚Eintopf an sauren Trauben‘, kredenzt von einem beleidigten Retourkutscher, der sich mit seiner journalistischen Gulaschkanone diesmal in die Küche der Literatur verirrte. Fazit:

„Nur weil jemand zwerchfellzerreißende Kolumnen schreibt, schließt das nicht aus, dass er ein ziemlicher Wirrkopf ist.“

Der Text verdankt sich einem Hinweis von hardy, meinem Unrat witternden Minenhund …

Im Friedwald des Humors

Seit der Jan Fleischhauer sich ins Gebiet des Humors verstieg, schießt auch dort der Bedarf an Antidepressiva in die Höhe.

Immerhin hat ihn der Dieter Hildebrandt einmal abrollen lassen – und einmal geleimt. Gemerkt hat er’s natürlich nicht. Wie auch – ohne Witz?

Ein Mann im Glashaus

Jan Fleischhauer studierte an der Universität Hamburg Literaturwissenschaft und Philosophie, bevor er die Henri-Nannen-Schule besuchte. Seit 1989 ist er in wechselnden Funktionen Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel.“

Tscha – diese Distanz zur Lebenspraxis des ‚Normalbürgers‘ mag natürlich vieles erklären:

„Man kann das auch bei anderen Redaktionen überprüfen: Je weiter man nach rechts kommt, desto höher wird der Anteil von Menschen, die nie einen Betrieb von innen gesehen haben, es sei denn bei einem Besuch, oder selber unternehmerisch tätig waren.“

Nebenbei: Auch das abgenudelte Märchen vom ‚aufgeblähten Staat‘ mag man allmählich ja nicht mehr hören: „Deutschland lag damit klar unter dem Durchschnitt aller OECD-Staaten.“

Hamsterrad

Das Bild dieses Zwerghamsters – als Symbol für den möglichen Fortschritt unter den Bedingungen eines marktradikalen Denkkäfigs – verdankt sich einer Anregung von hardy in den Kommentaren … [Foto: Doenertier82 / wikipedia / GNU-Lizenz]

Vor Kraft kaum schreiben …

Hannelore Kraft gilt als die starke Frau der SPD“, schrub dem darob nicht sonderlich überraschten Leser der Dschang in seinem Neuesten. Am kleinen Wörtchen ‚gilt‘ erkannte er nämlich gleich: Für den Jan Fleischhauer ist sie’s nicht, denn er sieht, was niemand je sah. Tscha, Überraschung! Aber warum ‚ist‘ sie’s bloß nicht? Hält unser Spiegelmännchen die Andrea Nahles wirklich für stärker?

„In jeder Firma gibt es jemanden, der im Namen der Mitarbeiter auf die sogenannte Hauskultur achtet“, so bemüht unser Canalleto des Journalismus jetzt einen Vergleich, der ausnahmsweise recht zutreffend ist. Denn in jedem größeren Unternehmen gibt es tatsächlich einen ‚Corporate-Governance-Beauftragten‘, der dafür zu sorgen hat, dass das Unternehmen nicht plötzlich dämlich in der Landschaft herumsteht, wie bspw. zuletzt Daimler in Sachen ausufernder Werkverträge. Solche Manager-Positionen sind im modernen Wirtschaftsgeschehen auch sehr weit oben, direkt auf der Führungsebene, angesiedelt.

Was aber macht der Dschang? Er macht aus einer großmächtigen Corporate-Governance-Beauftragten der SPD einen kleinen kläffenden Fiffi, eine bessere Hausmeisterin, die völlig überlebte Tugenden hochzuhalten hat, zum Beispiel also die sozialdemokratische Seele: „Weiterführende Ideen sollte man von diesem Typ des nörgelnden Wächters des Betriebsfriedens nicht erwarten, dazu ist seine Weltsicht zu eng.“ Tschaja, ‚weitsichtig‘ und ‚weiterführend‘ wäre natürlich eher ein Fleischhauersches Potpourri gewesen, unter kernigem Absingen von INSM-Hymnen, selbst wenn’s die SPD danach nicht mehr gäbe.

Dieser Mief aus Gewerkschaftsklitsche und Sozzen-Fahnen aber, der dort zwar nicht durch die Düsseldorfer Regierungsgänge, wohl aber weiter unten als Phantasieprodukt durch schwarze Kanäle weht, der trug die Frau unbestreitbar und immerhin an die Spitze des größten Bundeslandes. Oder war’s damals der ölige Charme des Herrn Röttgen, der ihr die Menschen in die Arme trieb? Egal …

Im Folgenden, bei der Conclusio, tritt dem Jan Fleischhauer dann ganz offensichtlich und für den Leser wirklich einmal überraschend die Angela Merkel vors innere Auge: „Es ist eine Sache, ob man ordentlich ein Bundesland regiert oder ob man sich anschickt, ins Kanzleramt einzuziehen. Da genügt es dann nicht mehr, dass man schöne Eröffnungsreden halten kann und immer so leutselig lächelt.“ Doch doch, Jan Fleischhauer – das genügt offensichtlich schon, und zwar schon im neunten Jahr …

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