Carl Spitzweg: Der Bücherwurm

Die Lebenszeit ist begrenzt. Wenn es hoch kommt, schafft man es vielleicht, drei- bis viertausend Bücher zu lesen. Trotzdem habe ich einige meiner Lieblinge zweimal durchackert:

Knut Hamsun: Die Weiber am Brunnen
(Hochkomik: Im God-Like-Modus schaut der Autor von weit oben auf seinen wimmelnden Menschenzoo hinab)

Heimito von Doderer: Die Dämonen
(So wirr, wie die österreichische Politik um Schattendorf, den brennenden Justizpalast und das Schusschnigg-Regime ist auch der Plot dieses Riesenwerks. Ganze Generationen von Doderer-Entzifferern haben sich daran schon die Zähne ausgebissen)

Wilhelm Raabe: Stopfkuchen
(das tiefste Werk des großen Melancholikers, seither lebe ich gewissermaßen auch auf einer ‚Roten Schanze‘)

Joseph Roth: Das falsche Gewicht
(Der Ehrliche ist der Feind der Menschheit, nebenbei auch eine schöne Studie galizischer Verhältnisse)

Karl Immermann: Die Epigonen
(Über die zwangsläufige Mittelmäßigkeit, die aus dem falschen Zeitpunkt der Geburt resultiert)

Karl Gutzkow: Die Ritter vom Geiste
(stilistisch kein Meisterwerk, aber als Sozialstudie über das Verhalten der Menschen in reaktionären Zeiten unübertroffen)

Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts
(Das prä-faschistische Mallorca, wie es heute niemand mehr kennt. Darüber hinaus eine digressionistisches Meisterwerk)

Hans Fallada: Wolf unter Wölfen
(Das einzig bedeutende Werk, das im Nationalsozialismus erschien. Niemand schaute dem ‚kleinen Mann‘ jemals so ins Herz wie Fallada. Wo bleibt eine vernünftige Werkausgabe?)

[… vielleicht setze ich die Reihe irgendwann fort …]