Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: FAZ (Seite 1 von 6)

Das ist nun Quatsch, FAZ!

Muss man Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ nun doch als Vorwegnahme lesen?

Diese ziemlich haltlose ‚Vorwegnahme‚, die Houellebecq beschrieb, die wird gerade ‚nun‚ nicht mehr eintreten. Das Attentat der Islamisten war geradezu der Todesschuss für eine von manchen befürchtete Islamisierung Frankreichs. Diese blutrünstigen Trottel haben auf effektivste Weise ihren Gegnern in die Hände gearbeitet. Sie haben damit ihren Zielen und ihrer Religion einen wahren Bärendienst erwiesen.

Denkbar aber wäre jetzt eine Front-Nationalisierung Frankreichs, vielleicht mit elsässischen und bretonischen Bauerntrachten als letztem Modeschrei – nur echt mit Kopftuch übrigens.

Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, wie zwei obdachlose Kiffer an ‚Raketenwerfer‘ kamen? Die wurden doch wohl kaum in einem Supermarkt in Donezk gekauft …

Und das in der FAZ …

Putin besteht nicht mehr auf französische Kriegsschiffe.“

Auf solche Ausdrucksweise stehe ich auch nicht …

Sehnsucht nach Strauß

Folgendes schreibt uns einer der Köpfe der konservativen Verlegerschaft in Deutschland, Günter Bannas von der FAZ:

„In der Merkel-CDU fehlen die Charakterköpfe, die durch Kraftmeierei die politischen Ränder binden könnten.“

Der Ruf nach einem echten ‚Kraftmeier‘ also, einer, der – wie einst der bayrische Landesvater – von ‚Geschmeiß‘ und ‚Gesocks‘ daherdonnern würde, bis alle Spießbürger eine Ejakulation erleiden? Somit wäre dann die AfD gar kein CDU-Problem mehr?

Um eins mal klarzustellen: Wenn die rechten Zirkel in der Union kein Format haben und außer nostalgischem Gequengel nichts Substanzielles und Zündendes liefern, dann ist dies allein ihre Schuld: Sie bringen dann eben keine Kerle vom Format eines Franz-Josef Strauß mehr hervor. Punkt. Eine Erika Steinbach ist derzeit dort das Maximum an Strahlkraft auf diesen Mißfeldern, und ein Dobrindt der allgemeine Durchschnitt. Das ist die strukturelle Folge der ‚Ochsentour‘, also der Art, wie man es bei der Union ‚zu etwas bringt‘. Da hilft dann auch keine nachträgliche Typ-Beratung oder eine Nerd-Brille für die Kameras.

You can’t always get what you wish … oder: Man muss mit dem Lehm bauen, der vorhanden ist, auch wenn der zum Bröckeln neigt. Der Konservatismus ist intellektuell längst von der Grasnarbe kaum noch zu unterscheiden. Übrigens auch bei der AfD … siehe unsere neue Leuchte des Abendlandes, Frau Beatrix von Storch … ein Name nicht wie Donnerhall, sondern wie aus Entenhausen.

FS

In meinem Leben gab ich u.a. schon Jürgen Schrempp, Joschka Fischer, Klaus von Dohnanyi, Jürgen Trittin, Alice Schwartzer, Jutta Ditfurth, Daniel Cohn-Bendit, sogar einem Robert Mugabe die Hand. Mit einem Größeren wie ihm habe ich jedoch noch nie gesprochen. Ich sehe weit und breit auch niemanden, der die Lücke, die Frank Schirrmachers Tod riss, bei der FAZ – wie generell in Deutschland – schließen könnte.

Möge er in Frieden ruhen …

Shitstorm als Wahrheitsbeweis

Jasper von Altenbockum, der Meister höchst individueller Denkanstrengungen, versucht sich in der FAZ mal wieder am argumentativen Hexeneinmaleins: Gerade, weil die Vorratsdatenspeicherung und ihre Fan-Boys vom EuGH eine klatschende Ohrfeige verpasst bekamen, könne man diese Vorratsdatenspeicherung auf der Stelle jetzt ratzfatz einführen. Wäre da bloß nicht dieser SPD-Honk mit den eingeschlafenen Füßen, der Heiko Maas also, denn der mache blöderweise das Gegenteil von dem, was laut Altenbockum’scher Weisheit nun ebenso unausweichlich wie vernünftig wäre.

Selbst im eher behäbigen FAZ-Kommentariat sorgte dieser logische Todeslooping für lautes Hallo, die ‚Trolle‘ seien gar nicht in den Threads zu suchen, hieß es, sondern ‚above the line‘. Woraufhin unser Jasper sich wiederum zur Behauptung verstieg, dass ein solcher ‚Shitstorm‘ der beste Beweis dafür sei, dass er recht habe:

*Die Leserkommentare bestätigen das … auf eindrucksvolle Art, Jasper v. Altenbockum“

Aha, Publikumsbeschimpfung! Wer ausgebuht wird, hat allemal recht, soll dies wohl heißen. Womit er meint, dass das werte Publikum dem Höhenflug seiner eingängigen Argumente gar nicht mehr zu folgen vermöge, weil es defaitistisch „vor dem Internet kusche„.

Mir hingegen gefällt es, dass dieses Publikum nicht mehr aus jedem Napf frisst, auch, dass ihm die Rabulistik gewisser Kommentatoren immer übler in die Nase steigt. Methodisch kurz und prägnant zusammengefasst hat das zunehmend hirnverdrehende Leiden an der Zeitung dieser Herr in seinem Kommentar hier:

„Natürlich kann man Unfug schreiben und sich hinstellen und sagen, dass die Leute, die einem widersprechen, einem damit nur Recht geben. Das macht die eigene Position allerdings nicht richtiger.“

Was mich zu meiner alten These führt: Die Zeitungen machen es schon selbst, dass ihnen die Leser weglaufen. Und eine Meinungspalte in der FAZ macht bis auf weiteres noch keinen Denker … die Leser sind da gnadenlos:

„Dieser Artikel belegt, dass es nicht nur bekloppte Juristen, sondern auch bekloppte Journalisten gibt.“

Uiuiui – ganz neue Töne aus den Reihen unseres Bildungs- und Besitzbürgertums!

AfD und Talleyrand

Es ist fast schon ein Stück aus dem Tollhaus, was sich der Alexander Gauland, Häuptling der AfD, dort heute in der FAZ geleistet hat. Zunächst stellt er seine Partei ziemlich zutreffend als eine disparate Vereinigung verwirrter Volkswirtschaftler und bölkender Kleinbürger dar:

„Zum einen gebe es in der AfD eine Gruppe volkswirtschaftlich Gebildeter, die in der Euro-Politik einen Verstoß gegen marktwirtschaftliche Prinzipien sehen. Ihnen gegenüber stünden die „Protestwähler“, die gegen viele gesellschaftliche Entwicklungen aufbegehrten und sich zunehmend marginalisiert fühlten.“

Die letzteren wiederum pflegten eine Sprache, „die den Minimalkonsens demokratischer Debattenkultur aufkündigt.“ Im Klartext: Große Teile der Partei haben das demokratische Terrain und die sonnigen Gefilde der Rationalität verbal längst verlassen, also jenes Gebiet, wo die honorige Professorenschaft angeblich unbeirrt zu stehen wähnt. Bis hierhin ein stimmiges Bild, das sich mit meinen Einschätzungen aus den Güllegruben des einschlägigen Kommentariats deckt.

Was aber empfiehlt der Herr Gauland seiner Partei jetzt? Endlich raus mit diesen schäumenden Undemokraten aus der Partei? Eine Säuberung gar? Ih, bewahre!

„Es wird also darauf ankommen, dass diese nationalkonservativen oder nationalliberalen Positionen so vertreten werden, dass auch Liberale oder sogar Linke damit leben können. … Wie hatte der französische Außenminister Talleyrand einst treffend formuliert: Die Sprache ist dazu da, die Dinge zu verhüllen. Leider haben manche Parteifreunde gerade das Gegenteil verinnerlicht.“

Tschaja, der Fürst von Talleyrand, diese personifizierte Lüge in der Politik. Was uns der Herr Gauland ungefähr sagen möchte: In der AfD sollen auch die Positionen des Denkpöbels, seiner wertgeschätzten ‚Parteifreunde‘, weiterhin ihren festen Platz haben. Er bittet diese Radikalinskijs nur darum, doch nicht ganz so laut in der Medienlandschaft herumzublöken. Camouflage heißt so etwas wohl …

Anmerkung: Der zitierte Schluss des argumentativen Todesloopings ist nur in der gedruckten FAZ zu finden (24. 1. 2014, S. 10). Wollte man den Mann schonen? Mag die FAZ einen solchen intellektuellen Harakiri nur noch ihren Abonnenten zumuten?

Der Kreuzzügler

Wie viele andere Ideologien ist auch [die Homophobie] in ihrer unerbittlichen Ausprägung nicht ohne Grausamkeit gewesen – und bis heute geblieben. Zum Beispiel wären da absolute Intoleranz und das Bedürfnis zu erwähnen, seine Gegner wenigstens moralisch zu vernichten.“

Jaja, auch ich denke gerade an die rosa Winkel in den KZs oder an Enthauptungen in arabischen Staaten. Ob der Jasper von Altenbockum sich jemals vor den Spiegel gestellt hat, schließlich habe ich in seinem Satz nur ein Wort verändert, damit bei ihm auch mal was halbwegs Richtiges steht. Homosexualität soll nämlich – unserem hochweisen Kreuzzügler zufolge – eine bloße Folge ’sozialer Indoktrination‘ durch verantwortungslose Gender-Aktivisten sein. So etwas wiederum kann nur derjenige behaupten, der keine Ahnung vom Sachstand der Forschung hat.

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung sind – aus welchen Gründen auch immer – gleichgeschlechtlich veranlagt, und zwar weitgehend konstant und ‚von Natur‘ aus – wenn auch nicht genetisch verursacht. Wie auch? Dann wären die Homosexuellen ja längst ausgestorben. Das gilt für die Linken wie für die NPD, trotz unterschiedlicher ’sozialideologischer Programmierung‘. Im Mittelalter gab es für diese Menschen noch die katholischen Männer- und Frauenklöster. Was allerdings im Katholizismus heute unter den Bettdecken geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Nun aber klebt diesen ‚Schwulen‘ der Jasper von Altenbockum wie ein Terrier an den Hacken … und meine Frau weigert sich, ‚den Müll‘ überhaupt noch zu lesen.

Der Abgesang

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war schon immer eine Chimäre.“

Tschaja, ’schon immer‘, vor allem auch damals in der Kriegswirtschaft, als die Mütter an den Werkbänken standen, während die Väter an der Front verreckten. Aus historischer Sicht wird uns hier gleich anfangs also gar kein valides Argument aufgetischt. Wer solcherart eines der zentralen Wahlversprechen der neuen Koalition vor der Geburt schon in die Babyklappe schicken möchte, das ist mal wieder der Jasper von Altenbockum, die dicke Berta der FAZ. Weil es für den werten Arbeitnehmer zukünftig doch bloß noch weniger Geld und dafür noch höhere Arbeitszeitansprüche der hochverehrten Arbeitgeber geben dürfte:

„Heute müssen beide [Vollzeit] arbeiten. Mit Betonung auf müssen, denn um einen gewissen Wohlstand und mittlerweile den Hunger der Arbeitgeber nach Fachkräften zu stillen, ist etwas anderes schon bald nicht mehr möglich.“

So geht’s zu in dieser putzigen Lego-Welt. Dabei sollte es doch so sein – mal streng ökonomisch betrachtet – dass die Entlohnung, und damit auch dieser ‚gewisse Wohlstand‘, der da wie ein Baby ‚gestillt‘ werden muss, mit dem Mangel an Fachkräften ganz adam-smith-mäßig wie von selbst steigen würde: Geringes Angebot auf dem Arbeitsmarkt = hoher Preis auf dem Arbeitsmarkt. Das wiederum wäre zugegebenermaßen den Arbeitgebern gar nicht recht, und nur deshalb hat die Grenze des Zumutbaren allemal an den herrschaftlich steilen Ufern von Altenbockum zu liegen.

Und so kommt es, dass beim Jasper mal wieder die Arbeitnehmer gefälligst ausbaden sollen, was die Arbeitgeber an Ausbildung, Nachqualifikation usw. seit Jahren versäumten. Ganz abgesehen davon, dass es ja auch noch weitere Auswege gäbe: Auf die Migration von ausländischen Fachkräften setzen, beispielsweise. Das wiederum wäre aber nur eine weitere ‚Zuwanderung in die Sozialsysteme‘, so etwas kommt unserem kleinräumig gesinnten Duodez-Jasper nicht in seine nationale Wundertüte. Deshalb gibt’s bei ihm für alle Leser bloß jenen ökonomischen ‚Babybrei‘, den er dort mal wieder kellenweise austeilt …

Nebenbei bemerkt: In Schweden und Norwegen wird diese ‚Vereinbarkeit von Beruf und Familie‘ seit langem nahezu perfekt verwirklicht. Einfach mal über die Grenzen gucken, das hilft gegen den Chimären- wie auch den Cäsarenwahn …

Außer Rand und Band

Dem FAZ-Kommentariat platzen – wohl mangels Wischmopp in der Redaktion – derzeit alle Reifen von den Fässern. Immerhin ist es erhellend zu lesen, was unsere besseren Herrschaften so denken, wenn sie das Nachdenken aufgegeben haben. Eine kleine Blütenlese:

„Hamburg zeigt, wie wichtig es ist, daß der Bundeswehreinsatz im Innern dringend notwendig ist. … Setzt mehrere Kompanien der Bundeswehr, bestehend aus Pionieren, Fallschirmjägern und Panzerverbänden in Hamburg ein paar Tage lang im Rahmen eines Kampfeinsatzes ein! Wenn die Armee erst mal richtig schießt, ist der Linke Spuk für immer vorbei und wir haben Ruhe und Ordnung!“ (8. 1. / 15:05 Uhr) Vermutlich sollten diese Kampftruppen dann erst einmal ein paar Häuserreihen niederlegen, um ein freieres Schussfeld zu haben …

„Hat Deutschland immer noch nicht genug vom Sozialismus? Konservative und vor allem Konservative Christen werden in Deutschland beschimpft, bedroht, bespuckt. Den Linksradikalen wird aber die Hand vor den Arsch gehalten. Ich bin entsetzt, wie Linkes Gutmenschen- und Wutbürgertum in gesellschaftliche Kreise einziehen konnten, die früher zuverlässig konservativ dachten und handelten. Das haben doch die Alt-68er fein hinbekommen. Bravo. Eine Nation zerstört. Da kann man nur noch hoffen, daß da irgendwann mal wieder Einer kommt, der den Deutschen wieder mit eiserner Hand Benehmen beibringt.“ (8. 1. / 16:05 Uhr) Am besten einer aus Österreich, nehme ich mal an … und dann diese täglich bespuckten Christen – schlimm is dat, ganz, ganz schlimm!

„Wenn sich Kohorten von durchgeknallten Irren darauf verständigen, 120 Polizeibeamte ins Krankenhaus zu prügeln, privates Eigentum der Anwohner zu beschädigen und zum wiederholten Male ein Polizeiwache anzugreifen, dann dürfen sich diese Personen meiner bodenständigen Meinung zufolge äußerst glücklich schätzen, dass sich bis dato noch kein angegriffener Polizeibeamter mit der Schusswaffe verteidigt hat!“ (8. 1. / 14:12 Uhr) Börpps! – der Mann hat eindeutig zu viel von diesen medialen Kriegsberichten eingeworfen, noch bevor dem Innensenator und der Polizeiführung ihre Märlein um die Ohren flogen. Schusswaffengebrauch durch Polizisten hat’s übrigens – nebenbei bemerkt – schon des öfteren gegeben.

„Wer Anarchie will soll gefälligst in den Sudan, Syrien oder in den Irak gehen. Dort kann er sich dann nach Herzenslust austoben.“ (8. 1. / 14:08 Uhr) ‚Geh‘ doch nach drüben‘, hieß das in meiner Elterngeneration noch …

Und jetzt glaube doch keiner, in der FAZ würden sich nur piefige Kleinbürger à la Alfred Tetzlaff ausmären – das sind gewiefte Satiriker, die den Konservatismus diskreditieren wollen …

Apropos – wer sich ein Bild machen will …

Wie tickt die CSU?

Zu den kongenialen Schreibern, welche die Lektüre der FAZ gelegentlich noch zu einem Genuss machen können, zählt Albert Schäffer, der sich vor allem mit den Mythenmetzen bayrischer Provenienz auseinandersetzt. Jetzt hat er einen Text des neuen Generalsekretärs Andreas Scheuer zu fassen, der einst folgendes ganz nonchalant in die Tastatur klimperte:

„Die starke Verschränkung und Durchdringung von Politik und Lebenswelt ist gerade für Bayern typisch, ja sprichwörtlich und hat zur Ausformung eines Modells politischer Kommunikation geführt, in dem die Rede über ‚Politik am Stammtisch‘ noch nicht zu einem Naserümpfen selbstgerechter Parteifunktionäre führt, die sich in metareflexiven Diskursen von dieser Bodenständigkeit emanzipiert glauben, in Wahrheit jedoch genau damit gegen Geist und Auftrag des Grundgesetzes polemisieren.“

Tscha, die Selbstgerechten sind immer die anderen. Lässt man all das pseudowissenschaftliche Geschnörkel mal beiseite, dann will uns die krachlederne Kurzfassung dieses Glaubenssatzes ungefähr folgendes sagen: ‚Nur wo Stammtisch, da auch Demokratie‘. Noch schlichter ausgedrückt: ‚Wir quaken doch bloß, um uns am Echo zu erfreuen‘. Und nicht etwa, um Politik zu machen. Hoast mi?

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