Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Björn Höcke

Die Weihnachtsgeschichte (germanisiert nach Höcke)

  1. Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Häuptling Gernot ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

  2. Und diese Schätzung war die allererste, und geschah zu der Zeit, da Rockefeller Besatzer in Germanien war.

  3. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher hin zu seinem Ort.

  4. Da machte sich auf auch Wilfried aus Sachsen-Anhalt, aus dem Weiler Magdeburg, in das besetzte Land zur Stadt Nixons, die da heißt Hammaburg, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Odins war.

  5. Auf dass er sich schätzen ließe mit Gerlinde, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.

  6. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit. dass sie gebären sollte.

  7. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Binsen und legte ihn auf ein Bärenfell, denn sie hatten sonst keinen Raum, weil überall Asylanten und ‚Necha‘ hausten.

  8. Es waren auch erlebnisorientierte Männer in derselben Gegend an einer Trinkhalle, die hüteten des Nachts ihren Alkoholpegel.

  9. Und siehe da, Odins Walküre trat zu ihnen, und die Klarheit des Köms leuchtete um sie, und sie bekleckerten sich sehr.

  10. Und die Walküre sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allen Toitschen widerfahren wird.

  11. Denn euch ist heute ‚dä Föhra‘ geboren, welcher heißt Bernd, unser Herr, hier mitten in der Stadt der Yankees.

  12. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Binsen gewickelt und auf einem Felle liegend.

  13. Und alsbald war da bei der Walküre die Menge der Pegida-Heerscharen, die lobten Odin und brüllten:

  14. Blut und Ehre sei dem Herrn in der Höhe und Friede in Germanien und allen Toitschen ein Wohlgefallen. ( … das mit dem Beschnittenwerden lassen wir jetzt mal aus … )

  15. Und da ‚dä Föhra‘ geboren war zu Hammaburg im germanischen Lande, da kamen auch drei Weise aus dem Abendland.

  16. Sie hießen Björn, Jörg und André und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Gerlinde. Sie fielen nieder, und beteten es an, und taten ihre Schätze auf, und schenkten ihm Bier, Speck und Mettwurst. (…)

Geschmacklos? Klar – aber wie die AfD über Flüchtlinge herziehen, zugleich Weihnachtsbräuche als abendländisch verteidigen, und dabei ganz übersehen, dass auch der Jude Jesus aus jenem Land stammt, wo heute die Flüchtlinge herkommen – das war eben mehr, als ich ertragen konnte.

Höcke spricht

Martin Disteli, 1828

Martin Disteli, 1828

Die Rechteren in der Rechten machen jetzt endgültig mobil. In Baden-Württemberg bläst Mandic zum Angriff auf Meuthen, und auch anderswo werden die Startplätze ausgewürfelt. Schließlich geht es um ein großes nationales Ziel: um Rundum-Sorglos-Sitze im Bundestag ab 2017.

Die Folge ist ein oft wabernder Wagalaweia-Sprech, den AfD-Mann Björn Höcke wie kein anderer beherrscht. Überall dräuen dann unbestimmte Gefahren, unbenannte Kräfte haben sich zur ‚Entvolkung‘ verschworen, es geht um das ‚Wohl und Wehe‘ und um das angebliche ‚Bewahren‘ dessen, was die gleichen Redner doch wiederum täglich zerstören wollen. So sorgen sie für jene nationale Kuschelatmosphäre, die Militanz und Nostalgie vereint, und für jenen verbalen Sumpf aus Uneindeutigkeiten, in dem sich das Stimmvieh so gern wälzt:

Höcke appellierte gestern an die Delegierten: „In einer Zeit, in der es um das Wohl und Wehe unseres bedrohten Vaterlandes geht und sich unsere AfD als einzig relevante Kraft des Bewahrenden gegen die vereinten Kräfte der Auflösung stemmt, darf keine weitere Arbeitskraft in die innerparteiliche Auseinandersetzung mit dem Landesverband Saarland investiert werden.“

Die AfD wäre also die ‚einzig relevante Kraft des Bewahrenden‘, jene Partei, die gerade alles in Frage stellt, was diese Republik zusammenhält? Und die ‚Kräfte der Auflösung‘ wären unter Bruch jeder sinnvollen Metaphorik zwar aufgelöst, aber ‚vereint‘? Faktisch sind diese Aussagen bildlich so fern jeder Vorstellungskraft, dass man sich fragt, weshalb selbst in der notorisch begriffsstutzigen AfD die Hühner nicht lauter lachen. Vermutlich wirkt hier der allgemeine AfD-Hang zur Verschwörungstheorie.

Mich irritiert bei all dem manchmal, dass dieser nationale Wanderprediger selbst an jenes Wischiwaschi zu glauben scheint, welches er so mühelos herausschwallt. Da ist diese kaum gespielte Verzückung, das unentwegte Augenrollen himmelwärts gen Walhalla, das gestenreiche Beschwören von Bedrohungen, die keiner je sah – und dabei wird im Kern doch nur den schmuddeligen Buddies um Dörr in der Saar-AfD ganz stiekum der rote Teppich ausgerollt.

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