Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Angela Merkel (Seite 1 von 3)

Interessanter Plan

Wenn’s denn stimmt, was der ‚Independent‘ da schreibt, dann stiege unsere Madame Mim erheblich in meiner Achtung. Allerdings müsste Onkel Vladi seinen Leuten daheim noch so allerlei erklären – und auch in der Ukraine dürften die Wogen erst einmal hochgehen:

„Germany and Russia have been working on a secret plan to broker a peaceful solution to end international tensions over the Ukraine. The Independent can reveal that the peace plan, being worked on by both Angela Merkel and Vladimir Putin, hinges on two main ambitions: stabilising the borders of Ukraine and providing the financially troubled country with a strong economic boost, particularly a new energy agreement ensuring security of gas supplies. More controversially, if Ms Merkel’s deal were to be acceptable to the Russians, the international community would need to recognise Crimea’s independence and its annexation by Russia, a move that some members of the United Nations might find difficult to stomach.“

Andererseits – die Krim endgültig hergeben, von der wohl derzeit niemand weiß, wie diese Annexion ohne offenen Krieg jemals rückgängig zu machen wäre, und dafür ein massives russisches Wiederaufbauprogramm für die Ukraine einzuhandeln … keine ganz blöde Idee. Bleiben zwei Fragen: Wie soll ein wirtschaftlich erschöpftes Russland eine solche zusätzliche Last überhaupt stemmen, und darf man diesem Onkel Vladi noch über den Weg trauen? Jeden politischen Kredit hat der doch verspielt …

Für die These eines Zurückruderns spricht auch das, was Putins Chef-Kolumnist Kolosnikov dort jetzt schreibt:

„If at some point it becomes evident that the insurgents had some connection to this [MH17], that would radically change [Putin’s] attitude toward them — even if it was a fatal mistake,“ Kolesnikov wrote. „Children who died for nothing, as well as adults and elderly people, this is a red line he will not cross. He will not cover up for those who did this if he knows they did it. He will not have this sin on his soul.“ Kolesnikov’s argument should by no means be taken at face value. Who really believes that Putin is suddenly shocked that the separatists he has been sponsoring could have shot down a civilian airliner? And does anybody really believe civilian deaths are a red line he will never cross? But Kolesnikov doesn’t write anything by accident. And it’s safe to assume he doesn’t write anything that is not Kremlin-approved. So with his July 29 column, he is clearly either floating a trial balloon or delivering a message from Putin to the elite that a change of policy is imminent.“

Die Trauer über die Kinder muss man bei einem eiskalten Zyniker wie Putin wohl nicht allzu ernst nehmen. Vor allem, wenn man sich erinnert, dass seine medialen Pudel ja schon immer im voraus wussten, dass es die bösen Ukrainer waren. Was sich aber äußert, ist fast die Hoffnung, dass die Briten jetzt herausfinden möchten, dass es die Rebellen gewesen seien. Darauf ließen sich jene rhetorische Figuren aufbauen, die es ihm gestatten könnten, einerseits seinen möglichen Sinneswandel den Babushkas im Land zu erklären, und andererseits zugleich allen ‚Blame‘ auf die Desperados zu wälzen, die sonst zu einer innenpolitischen Gefahr für sein System würden. Wie schreibt Kolosnikov:

„The policy of the relations with the fighters of the resistance will be reexamined forever. Yes, Vladimir Putin will refuse to work with them.“

Apropos – irgendwie nehmen die Einwohner von Donezk ihre Dalton-Bande wohl nicht so ganz ernst. Am besten gefällt mir der Kampfzwerg ‚Motorola‘ mit Räuberbraut … dem und den anderen geht’s aber wohl nicht so gut. Das ‚DPR-Military-Bulletin‘ dürfte sie kaum froh stimmen:

„During the night the enemy fully occupied Avdiivka with a force of 8 tanks and a „Right Sector“ battalion. The enemy is trying to surround Gorlovka with their armor. The settlement of Pavlogradskoe (West of Mospino) was attacked from the South-West by the „Azov“ battalion with tank and UA support. Up to 70 units of enemy armor are taking part in the assault. Ongoing fighting. Heavy Fighting continues between Shahtersk and Torez. In the course of the battle 1 enemy tank was destroyed and 2 BMPs captured, one of them is fully functional. In the same area an enemy supply column was destroyed with artillery fire. Three Ural trucks carrying munitions were destroyed. From the north another enemy column is approaching, 40 units of armor. In the area of Saur-Mogila heavy fighting is taking place. After a fight Stepanovka and Marinovka were left (by the rebels). From damage sustained in the retreat we were forced to blow up two tanks and one BMP. Enemy continues to develop the offensive in an attempt to unite with their Southern battleground.“

Auch Luhansk ist inzwischen komplett eingeschlossen. Es gibt aber einen humanitären Korridor, den jeder benutzen kann, der ohne Waffen ist und eine weiße Binde um den Arm trägt. Mal schauen, wie viele Desperados jetzt das Bettlaken als Waffe ihrer Wahl wählen werden … nebenbei bemerkt – diese ‚Selfies‘ sind auch zu und zu blöd:

„A goofy, selfie-loving Russian soldier might have supplied the best proof yet of Moscow’s direct support of Ukrainian rebels — and potential role in the downing of Malaysia Airlines Flight MH17.“

 

Neuer Spitzname

In den sozialen Netzwerken, vor allem im osteuropäischen und baltischen Raum, hat sich für Angela Merkel der Spitzname ‚Frau von Ribbentrop‘ eingebürgert, in Anspielung auf Hitlers Außenminister, der damals den Hitler-Stalin-Pakt einfädelte:

„As reported by our media, German Chancellor Angela Merkel is more often referred to as “Frau [von] Ribbentrop” in social networks because of her rather strange position on Russia’s aggression against Ukraine and unhealthy sympathy for Putin. … Our western neighbors remember how in 1939, Berlin and Moscow took long-suffering Poland to pieces. In 2014, history repeats itself in the case of Ukraine.“

Jaja, bloß keine Sanktionen wagen, das schadet doch der deutschen Wirtschaft … und wenn sogar ‚Forbes‘ das jetzt sagt:

„Merkel regrettably has taken to serving as Putin’s useful fool with her incessant demands for a peace settlement with separatist leaders before Ukraine, supposedly, lunges out of control. Putin has lobbied hard to stop Ukraine’s Anti-Terrorist Operation. He seems to have found an ally in Merkel.“

Das amerikanische Außenministerium hat übrigens weitaus weniger Hemmungen, die Dinge beim Namen zu nennen, insbesondere den tiefen ‚Gap‘ zwischen Worten und Taten. Sie hätten auch schreiben können, Putin lüge, dass sich die Balken biegen, aber das wäre wohl nicht sehr diplomatisch gewesen:

„While Russia says it seeks peace, its actions do not match its rhetoric. We have no evidence that Russia’s support for the separatists has ceased. In fact, we assess that Russia continues to provide them with heavy weapons, other military equipment and financing, and continues to allow militants to enter Ukraine freely. Russia denies this, just as it denied its forces were involved in Crimea — until after the fact. Russia has refused to call for the separatists to lay down their arms, and continues to mass its troops along the Ukrainian border. Many self-proclaimed “leaders” of the separatists hail from Russia and have ties to the Russian government.“

Und dann folgt die ‚list of evidence‘ … die Dinge stehen nach meiner Einschätzung derzeit Spitz auf Knopf: Hält sich Russland zurück, dann ist es mit der Rebellenherrlichkeit binnen Tagen vorbei, für die Bandidos gibt’s aktuell nur noch Aua an allen Fronten, während die Bevölkerung den ‚Befreiern‘ längst auf die Stiefel rotzt, da mag ‚Russia Today‘ noch so sehr mit Tartarenmeldungen von gekreuzigten kleinen Jungs um sich schleudern wie einst der ‚Stürmer’*. Marschiert Russland offen ein, dann bekämen wir hingegen den absoluten ‚Mayhem‘.

‚Mögest du in interessanten Zeiten leben‘, lautet ein alter chinesischer Fluch … und machmal denke ich, ‚Russia Today‘ ist nur eine verkappte psychiatrische Anstalt:
https://www.youtube. com/watch?v=C6UyBrMoSBA#t=59
(Leerstelle zwischen Punkt und com entfernen, weil ich den Scheiß nicht im Bild auf diesem Blog haben will …)

* Näheres hier

Das traf den Richtigen …

Philipp Mißfelder sitzt im CDU-Präsidium, er fördert die Völkerverständigung mit Turkmenistan und berät einen Glamour-Verlag. Neulich besuchte er Schröders Geburtstagsparty in St. Petersburg. Als wir mehr erfahren wollen, wird er fuchsteufelswild.

Der Herr mit dem eingebauten Opportunitäts-Turbo hat schon lange publizistische Hiebe verdient … wie aber die Merkel dieses russophile PR-Männchen ausgerechnet zum USA-Öchsperten ihrer Fraktion machen konnte, das bleibt mir unerfindlich.

Vor Kraft kaum schreiben …

Hannelore Kraft gilt als die starke Frau der SPD“, schrub dem darob nicht sonderlich überraschten Leser der Dschang in seinem Neuesten. Am kleinen Wörtchen ‚gilt‘ erkannte er nämlich gleich: Für den Jan Fleischhauer ist sie’s nicht, denn er sieht, was niemand je sah. Tscha, Überraschung! Aber warum ‚ist‘ sie’s bloß nicht? Hält unser Spiegelmännchen die Andrea Nahles wirklich für stärker?

„In jeder Firma gibt es jemanden, der im Namen der Mitarbeiter auf die sogenannte Hauskultur achtet“, so bemüht unser Canalleto des Journalismus jetzt einen Vergleich, der ausnahmsweise recht zutreffend ist. Denn in jedem größeren Unternehmen gibt es tatsächlich einen ‚Corporate-Governance-Beauftragten‘, der dafür zu sorgen hat, dass das Unternehmen nicht plötzlich dämlich in der Landschaft herumsteht, wie bspw. zuletzt Daimler in Sachen ausufernder Werkverträge. Solche Manager-Positionen sind im modernen Wirtschaftsgeschehen auch sehr weit oben, direkt auf der Führungsebene, angesiedelt.

Was aber macht der Dschang? Er macht aus einer großmächtigen Corporate-Governance-Beauftragten der SPD einen kleinen kläffenden Fiffi, eine bessere Hausmeisterin, die völlig überlebte Tugenden hochzuhalten hat, zum Beispiel also die sozialdemokratische Seele: „Weiterführende Ideen sollte man von diesem Typ des nörgelnden Wächters des Betriebsfriedens nicht erwarten, dazu ist seine Weltsicht zu eng.“ Tschaja, ‚weitsichtig‘ und ‚weiterführend‘ wäre natürlich eher ein Fleischhauersches Potpourri gewesen, unter kernigem Absingen von INSM-Hymnen, selbst wenn’s die SPD danach nicht mehr gäbe.

Dieser Mief aus Gewerkschaftsklitsche und Sozzen-Fahnen aber, der dort zwar nicht durch die Düsseldorfer Regierungsgänge, wohl aber weiter unten als Phantasieprodukt durch schwarze Kanäle weht, der trug die Frau unbestreitbar und immerhin an die Spitze des größten Bundeslandes. Oder war’s damals der ölige Charme des Herrn Röttgen, der ihr die Menschen in die Arme trieb? Egal …

Im Folgenden, bei der Conclusio, tritt dem Jan Fleischhauer dann ganz offensichtlich und für den Leser wirklich einmal überraschend die Angela Merkel vors innere Auge: „Es ist eine Sache, ob man ordentlich ein Bundesland regiert oder ob man sich anschickt, ins Kanzleramt einzuziehen. Da genügt es dann nicht mehr, dass man schöne Eröffnungsreden halten kann und immer so leutselig lächelt.“ Doch doch, Jan Fleischhauer – das genügt offensichtlich schon, und zwar schon im neunten Jahr …

Schwarzgelb ist am Ziel!

Die FDP ist schon nach vier Jahren verwegener Regierungskunst erfolgreich an den gewohnten Diäten vorbeigeschrammt. Nach einigen Jahrzehnten abonnierter Klientelpolitik und Kimmenschleckerei ist dies ein wahrhaft verdientes und überfälliges Los. Auch unsere Angie lispelt schier vor Glück. Den dicken Patrick Döring, wie er da bedeppert neben dem Rösler stand, den hätte ich jetzt gern als Starschnitt fürs heimische Klo. Vielleicht erbarmt sich ja eine seriöse Zeitung meiner – ein Qualitätsmedium wie die ‚Titanic‘ vielleicht.

Jetzt hoffe ich noch auf die Bestätigung der möglichen absoluten Mehrheit für Angie. Wenn sie mit irgendeiner Konstellation nicht gerechnet hat, dann damit. Es sei ihr aber gegönnt. Diesem Regierungsauftrag dürfte sie sich auch gar nicht verweigern – und schon stünde ihr die Opposition im eigenen Saftladen auf den Füßen. Jeden hinterbänkelnden Krakeelpott aus Pechschwarz-Hintertupfingen müsste sie mühsam mit dem Lasso des Do-ut-des erst wieder einfangen. Dazu dann kommt noch ein Bayern-Horschtl, der vor Kraft kaum laufen kann.

Ich fahnde gerade nach einer erschwinglichen Popcorn-Maschine, bevor andere auf die gleiche Idee kommen. Wer in Berlin jetzt lange Gesichter sehen will, dem empfehle ich übrigens das Borchardt. Jemand möge bitte auch dem Ulf Poschardt Trost spenden, nicht dass der sich noch aus einem Kellerfenster stürzt: Wochenlang tippt man sich die Finger wund …

Mangels sprachlicher Mittel

Liebe Schreiberlinge, was der Frau nicht gegeben ist, das kann sie logischerweise auch nicht getan haben. Ihr schreibt, da „distanziert sich Kanzlerin Merkel klar.“ Das ist Blödsinn, Klarheit ist ihr nun mal nicht gegeben, ihr Reich ist das Ungefähre und Diffuse. Der Effekt einer Merkel-Rede resultiert daher nie in Wegweisendem, es folgt vielmehr ein Luftschnappen im Publikum, das sich am Ende solch zerfasernder Satzperioden fragen darf: ‚Was hat sie möglicherweise mal gemeint, bevor sie versuchte, ihr dunstiges Denkeln in Worte zu fassen …?‘. Und so hört schließlich jeder genau das, was er meint, gehört zu haben …

Lady Future

Wir werden, wir werden, wir werden, wir werden“, strahlelächelt Frau Angela ‚Mantra‘ Merkel in ihrem Regierungsrückblick auf ‚vier gute Jahre‘ – und sie sieht dabei aus wie ein indischer Guru auf Schwarzem Afghan. Tscha, und wir werden unser Kreuz dann wohl woanders machen …

Nö, ach wat!

Deutschland ist kein Überwachungsstaat“, sagt Kanzlerin Merkel auf ihrer Sommer-Pressekonferenz.

Deutschland sei ein ‚Land der Froihoit‘. Auch wenn’s für alle anderen ganz anders aussieht, auch wenn alle Erkenntnisse gegen diese Wünsch-dir-was-Sicht sprechen. Im Kern hat sie gesagt: Ich weiß zwar von nix, aber gerade deshalb weiß ich, dass es kein Schnüffelstaat sein kann. Oder: Ich habe zwar keine Ahnung von Mathematik, aber gerade deshalb weiß ich, dass die Lösung 2,73 lauten muss. Kurzum: Dumme Fakten sollten wir in der Politik einfach nicht beachten. Schon ist die Welt – widdewiddewitt! – ganz so, wie sie uns nun mal gefällt.

Physikerin … pffft! Ich muss gerade an eine Dampfnudel denken, weiß auch nicht, wieso.

Fremde Lorbeeren

Es ist die beste SPD, die es je gab. Ich rede natürlich von der Union. Mit dem Verzicht auf ihre letzte ‚Kernkompetenz‘, die ja so recht nie eine war, räumen die Konservativen jetzt auch die einzige Bastion, die ihnen noch verblieben war, eine immer sanktionsbewehrtere und radikalere Innenpolitik:

„Mit dem Segen von Merkel und Seehofer vollzieht die Union den nächsten radikalen Kurswechsel: CDU und CSU verabschieden sich nach jahrelangem Kampf von der Vorratsdatenspeicherung.“

Gut, der Friedrich steht jetzt zwar blöd da, aber der war eh nie der Hellste, also passt das schon. Sofern diese nicht abreißende Kette von CDU-Abschieden aus alten Selbstgewissheiten uns eines beweist – Homo-Ehe, Mindestlohn, Atomausstieg usw. – dann nur eines: Dass ‚die Linken‘ eigentlich immer richtig liegen, und dass der Konservatismus mit der gebotenen Verspätung diese Wendungen irgendwann unter Windungen nachvollziehen wird, selbst wenn sie zunächst nur an den Worthülsen klempnern. Die ‚Linken‘ und die ‚Öko-Faschisten‘ von den Grünen wären also die eigentlichen gesellschaftspolitischen Schnellmerker – ihr Problem: Sie stehen zu früh auf.

Für ihr Hinterherhinken wird die Union im September jetzt gewählt – für eine im Kern immer linkere Politik, die dabei stets so verspätet kommt, wie bspw. auch der ICE in deutsche Hauptbahnhöfe einläuft. Was mag bloß als nächstes dran sein? Drogenfreigabe? Euro-Bonds? Vermögenssteuer?

Einige altkonservative Dinosaurier löcken zwar noch wider den Stachel, mehr als ein im Kern religiöses Vokabular ist aber auch ihnen nicht geblieben. So mosert der Professor Biedenkopf, längst mehr FDP als CDU, heute im ‚Handelsblatt-Newsletter‘:

„Die Politik erliegt der Versuchung, ihre Wahlchancen durch Manipulation des Verhältnisses von Leistung und Gegenleistung zu verbessern.“

Dröseln wir uns diesen rhetorischen Galimathias mal auf, dessen Qualität wohl kaum die Anschaulichkeit ist: ‚Die Politik‘ – das wäre natürlich Bundeskanzlerin Merkel samt ihrer Entourage. Die anderen können ja nicht gemeint sein, weil diese notorischen Frühaufsteher zurecht ‚bloß Opposition‘ sind. Diese Kanzlerin betreibe ferner eine waschechte ‚Manipulation‘, also ein Hütchenspiel, nur um an der Macht zu bleiben. Mit anderen Worten: Sie macht doch tatsächlich eine mehrheitsfähige Politik. Mit dem ‚Verhältnis von Leistung und Gegenleistung‘ meint Biedenkopf dann vermutlich jene unaufhörlichen Milliardengeschenke an Banken und Großanleger – – – obwohl, hmmmhmmm, vielleicht zielt er ja auch auf all das unnütze ‚Sozialgedöns‘ für den vernachlässigenswerten Plebs, also auf jene absolut entbehrlichen ‚Geschenke‘, die einem echten Liberalen schon immer deshalb ein Graus waren, weil sie in die falsche Richtung fließen.

Die große ‚Versuchung‘, der unsere notgeile Politik dann ‚erliegt‘, das wäre schließlich eine durch und durch religiöse Kategorie: Satan, der große ‚Versucher‘, naht sich mit sardonischem Lächeln unseren politischen ‚Leistungsträgern‘, um durch sein teuflisches Spiel uns alle in die ewige Verdammnis zu führen, weil das verfügbare Geld nun mal zum höheren Ruhm Gottes im sakralen Bereich stets nach oben zu fallen hat. Eine solche Sicht widerspricht zwar den Naturgesetzen, aber konnte unser Herr Jesus nicht auch übers Wasser wandeln? So ähnlich jedenfalls habe ich mir das Gebrabbel des alten Herrn übersetzt – ganz schlau bin ich daraus leider nicht geworden.

Nachtrag: Weil’s in den Kommentaren als bloß ‚rhetorische Wende‘ glossiert wurde, es soll wohl doch mehr werden: „Unter dem Eindruck der amerikanischen Internetspionage erwägt die CSU jetzt offenbar eine bemerkenswerte Kehrtwende. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE drängt Parteichef Horst Seehofer (CSU) auf eine Abkehr von der bisherigen Position zur Vorratsdatenspeicherung.“

Selbsttäuschung

Ich habe aber auch deutlich gemacht, dass bei aller Notwendigkeit das Thema der Verhältnismäßigkeit ein wichtiges Thema ist.“

So etwas sagte unsere Bundeskanzlerin beim Besuch von Barack Obama. Schon dieser Satz in seiner teflonartig-schwurbeligen Struktur (‚aber auch‘, ‚dass bei aller‘, ‚das Thema … ein wichtiges Thema‘, ‚Notwendigkeit … wovon?‘) widerspricht fundamental dem darin möglichst vage Angekündigten. Das ist der typische Merkel-Sprech – die Frau ist nämlich ganz und gar unfähig, überhaupt irgendetwas ‚deutlich‘ zu sagen: „Auch beim Abwaschen bin ich im Rahmen meiner Möglichkeiten bestrebt, natürlich sofern solche absoluten Ansprüche überhaupt erfüllbar sind, das Ziel größtmöglicher Hygiene nicht aus den Augen zu verlieren, bei aller unverzichtbaren Relevanz und Aufmerksamkeit für andere Themen, die unsere Welt sonst noch so bewegen.

Rhetorisch gesehen ist diese Frau die ‚Fettlinse‘ der deutschen Politik: Aus ihrem Mund wirkt alles verschwommen, weichgezeichnet und maximal verschwiemelt …

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