Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Andrea Seibel (Seite 1 von 2)

Hallo, Herr Döpfner!

Laut Hausmitteilung ist der Matthias Matussek – selbstverfreilich ‚auf eigenen Wunsch‘ – aus der Spiegel-Redaktion ausgeschieden. Wäre das nicht ein echtes Schnäppchen, um den Stall bewährter Kräfte bei der ‚Welt‘ zu komplettieren? Ich meine: Matthias Matussek (jüngstkatholisch), Alan Posener (vormals KPD-AO), Thomas Schmid (vormals SDS), Andrea Seibel (vormals taz), Henryk M. Broder (vormals Sankt-Pauli-Nachrichten), wie übrigens auch Ihre jüngste Akquisition, der Stefan Aust – das passt doch. Das gäbe auch eine tolle Mannschaft, die ihre Geschmeidigkeit am eigenen Leibe schon zweifelsfrei bewiesen hat. Die würden in meinen Augen die anspruchsvollsten Wünsche einer exklusiven Kundschaft gedankenschwer bedienen …

Nachtrag: Inzwischen hat mit jemand gesteckt, dass der Matthes doch längst in Springers Hayek-Chor angekomen sei … tscha, man kann ja nicht alles wissen.

Jennifer, die Retro-Maid

Zu einem Artikel der Holzschnitt-Lady Jennifer Nathalie Pyka haben ich beim ‚European‘ einem gewissen ‚Markus‘ geantwortet. Da der Text zu schade ist, um in einer Foren-Ecke Patina anzusetzen, weil er auch Grundsätzliches verhandelt, stelle ich ihn auch hier nochmals ein:

„Eine Zeitlang konnte man im Journalismus tatsächlich etwas werden, wenn man aus der rechtspopulistischen Ecke kam. Siehe bspw. Dorothea Siems, Andrea Seibel, Ulf Poschardt, Henryk M. Broder usw. Das war so Anno 1990. Diese Leute sind allesamt längst im publizistischen Museum bei der ‘Welt’ gestrandet.

In den Blogs beim ‘European’ spielt die JNP heute die Rolle der Provokateuse aus diesem leicht modrig duftenden, hayek-infizierten Bereich, mit einem dicken Klacks Netanjahu-Anhimmeln obendrauf – so wie’s in der ‘Achse des Guten’ eben auch geschah. Sie darf – soweit ich das überblicken kann – ja nur ‘Blog-Texte’ schreiben, um so (mittels ihrer angestrengten Effekthascherei) verlegerisch erwünschte Klicks zu generieren. Weil selbst eher schlichte Leute sich über diese schlichte Thesenbastelei schlicht aufregen.

Mir dient JNP eher zur Bestätigung dessen, was ich über solche Egomanen eh schon denke, die da glauben, ihre unermessliche Weisheit wäre mindestens schon seit Anno Aristoteles unerhört (s. auch Schirrmachers Buch). Auf eine wirklich exponierte Ebene aber hat sie’s meines Wissens nie geschafft.

Derartige Texte klingen um so dissonanter, je mehr deren Zeit vorbei scheint … s. z.B. Zustand der FPÖ in Österreich, die Wilders-Bewegung in NL usw. Diese ganze akklamatorische, im Kern aber unpolitische Ebene ist auf breiter Front heute wieder nach links geschwenkt, selbst die Angela Merkel schwenkt zusehends mit – derzeit liegt die Zukunft jedes Populismus eher auf der Beppe-Grillo-Linie – er muss also direktdemokratisch gegen ‘das System’ und damit gegen ‚die Eliten‘ gerichtet sein, will er Erfolg haben. Weil unsere Führungsschichten erheblich abgewirtschaftet haben.  Von diesem gesellschaftlichen Grundbeben spürt JNP nicht einen Hauch, sie sitzt auf ihrem Maulwurfshügel und verklugfidelt uns die Schönheit einer alten Welt, die gerade hinter dem Horizont verschwindet.

Der von Ihnen erwähnte ‘Cicero’ trat einst an, um sozusagen die ‘Transatlantic’ des dritten Jahrtausends zu werden. Zusehends aber hat er sich unter Michael Naumann in die Langweiler-Ecke des Mainstreams manövriert und der politische wie der Kulturbegriff richten sich in etwa am Horizont der Zahnwaltsgattin aus (Feministinnen, verzeiht mir!), die sich deshalb schon ‚elitär‘ dünkt, weil ihr Mann ihr eine teure Perlenkette schenkte. Dahin passt JNP wiederum ganz gut. Das neoliberale Töchterchen erklärt der Eislaufmutti das Weltgeschehen. Intellektuell gesehen bleibt’s aber ein Ponyhof – oder Kaffeeklatsch …

Generell haben manche Schreiber noch immer nicht kapiert, dass ‘liberal’ und ‘neoliberal’ heute eher Gegensätze sind. Freiheit im liberalen Sinn heißt ja eben nicht ‘Egoismus’ und ‘pfeif auf die Gesetze’ und auf jedwede ‘Regulierung’ und hinterziehe weiter brav deine Steuern – der Liberalismus sprach vom ‚größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl‘. Lesen Sie mal Friedrich Naumann! Davon weiß der Neoliberalismus nichts – er setzt seine Ideologie mit dem Egoismus – oder ‚dem Markt‘ – schlicht gleich. Sollte allerdings jemand das Konto solch egomaner Leute plündern, wären die allemal die ersten, die nach mehr ‘Regulierung’ schreien. Auf ein solches retardiertes Publikum sind diese Holzschnitt-Texte berechnet. Der Rest zielt mit einem abgelatschten Stiefel auf die Hühneraugen anderer Leute …

Wenn Sie JNP gern lesen – ja, Herrgott, was sollte ich denn da machen? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Blogkrise?

Es kommt darauf an, wie man es betrachtet. Wer Alexa anwirft und Google Analytics bemüht, der mag zu diesem Schluss kommen. So wie dieser SEO-Mann hier:

„Schaut man sich die Traffic-Zahlen der, äh, “guten, alten” Blogs an, steht es gar nicht gut um das Medium “Blog”.

Und tatsächlich, die Klickraten sinken, auf die alle Marketing-Menschen starren wie die Feldmaus auf die Schlange. Anders sieht es aus, wenn ein Blog etwas betreibt, was sich vage als ‚Mission‘ oder ‚Aufgabe‘ beschreiben lässt. Ich will es an meinem Beispiel illustrieren. Mir bspw. liegen – Leser dieses Blogs wissen es – die aktuelle Schwundstufe des deutschen Journalismus und dessen dafür verantwortliche Protagonisten am Herzen. Damit ich mit meiner Kritik vielleicht zu einem besseren Journalismus beitragen kann. Zu diesem Zweck argumentiert dieses Blog durchaus auch mal ‚ad hominem‘, wie es sich wiederum bei Google zeigt.

Zu ‚Dorothea Siems‘, der neoliberalen Sozialexpertin der ‚Welt‘, weist Google jedem arglosen Besucher – möchte er sich über die Dame informieren – bspw. mit einem ersten Platz den Weg zu einer kommentierten Werkausgabe im ‚Stilstand‘:

Auch Andrea Seibel, die stellvertretende Chefredakteurin der ‚Welt‘, habe ich mit meinem unverantwortlichen Geschreibsel auf einen beachtlichen zweiten Platz im Suchmaschinen-Index gehievt:

Der Malte Lehming hingegen, Meinungschef vom ‚Tagesspiegel‘, schaffte es leider nur auf einen dritten Platz bei Google – aber er übt noch, heißt es:

Mit dem Ulf Poschardt unterm Arm stehe ich derzeit auf dem sechsten Platz, der Jan Fleischhauer wird auf Platz Zwei derangiert – und für Uli Dönch dann, Wirtschaftschef beim ‚Focus‘, reichte schon ein einziger Treffer aus den Rohren der HMS Stilstand, um ihn auf dem fünften Platz prominent zu platzieren:

So könnte ich mit meiner Sammlung von meinungsstarken Hobbyphilosophen noch einige Zeit fortfahren. Worauf ich hinaus will: Irrelevant mögen Blogs ja sein, sofern jemand gebannt und bloß ‚quantitativ gepolt‘ auf ominöse Klickzahlen starrt. Zieht man das Ranking der ‚Treffer‘, ihre Verlinkungen und ihr Gesuchtwerden, bei der Google-Recherche heran (die mir sehr viel wichtiger scheinen, weil sie erste Antworten auf konkrete Suchvorgänge geben) dann sind Blogs alles, nur eben nicht zunehmend irrelevant. Man sollte es allerdings können, ein fruchtbarer Acker muss auch gepflügt werden. Google ist eine Maschine zum Suchen und Finden, die prominente Platzierung entscheidet letzlich, nicht das Hypahypahypa, die Buzz- und Keywords von SEO-Strategen und ihr Herumschrauben am ‚Backend‘. Vorne spielt die Musik..

Lustig ist übrigens die Metapher, die der von mir ansonsten hochgeschätzte Heribert Prantl zur Illustration der Krise bemühte:

„Kenner des Internets sagen, auch Blogs und Blogger hätten ihre beste Zeit schon hinter sich, weil sie sich in einer „Sandwich-Position“ zwischen Facebook und Google plus einerseits und Twitter andererseits befänden.“

Was er übersieht – in jedem Sandwich findet sich das Beste tatsächlich ZWISCHEN den beiden trockenen Weißbrotschreiben. Nun ja – bei ‚Carta‘ trug ihm das prompt einiges an Spott ein

Nachtrag – Vielleicht hilft es ja einigen, die sich von dieser gemeinen Blogwelt jetzt zu Unrecht auf vordere Plätze emporgeadelt fühlen: Je mehr man selbst bloggt, desto unangreifbarer beim Google-Ranking wird man auch. Das Eröffnen eines eigenen Blogs wäre damit die beste Gegenstrategie gegen unverschämte Blogger, und unversehens ist man dann selber einer – also ein vormaliger Kritiker der Elche. Den Henryk M. Broder bspw. – für mich einer der schlimmsten Auswüchse deutscher Publizistik – den fingerzeige ich mit meinen Mitteln einfach nicht. Dazu bloggt der Herr selbst zu viel … und trotz meiner ‚Schandschnauze‘ findet sich auch zu meiner Person der erste aversive Beitrag erst ganz weit hinten, tief im ‚Daten-Nirvana‘.

Darwin, ein Sozialdarwinist?

Ja, ich halte mich für vernunftbegabt und bin daher ein Anhänger der Evolutionstheorie, die eigentlich längst schon keine Theorie mehr ist. Zu üppig sind die Befunde, die für sie sprechen. Der theoretische Vorbehalt wird ja zumeist aus gesellschaftlicher Rücksicht eingeführt, um gewisse Kreationisten nicht zu vergrellen, die da meinen, ein höheres Wesen hätte den ganzen Weltzirkus binnen sieben Tagen aus dem Boden gestampft – einschließlich des Bodens.

Trotzdem – nehme ich das Wort „Darwinismus“ in den Mund, dann kommen mir selbst beste Freunde mit seltsam dummen Einwänden daher. Ob ich denn nicht auch meine, dass es gelte, die Schwächeren gegen die Stärkeren zu schützen, Nischen für Lebensformen zu erhalten usw. Kurzum – diese Freunde haben keine Ahnung vom Darwinismus. Das beginnt schon mal damit, dass Charles Darwin weder den Begriff „Evolution“ noch das „Überleben des Passendsten“ (’survival of the fittest‘) prägte. Diese Ausdrücke stammen von Herbert Spencer, der beides schon verwendete, lange bevor Darwin seine Hauptwerke veröffentlichte.

Herbert Spencer war gewissermaßen der Alfred Rosenberg des Manchesterkapitalismus, ein elitärer Chef-Ideologe während der Regierungszeit von Königin Viktoria, ein Erich Däniken der Ökonomie, ein Bestseller-Autor im Wissenschaftsgewand, der das erfand, was heutzutage ‚Sozialdarwinismus‘ genannt wird. Was wir aber besser ‚Sozialspencerismus‘ nennen würden, weil es mit Charles Darwin rein gar nichts zu tun hat. Was Herbert Spencer schrieb, klingt vielmehr oft so, als hätte man Andrea Seibel mit Ulf Poschardt gekreuzt:

„Die Freunde der Armen sind blind gegenüber der Tatsache, dass die Gesellschaft nach der natürlichen Ordnung der Dinge ständig ihre ungesunden, unfähigen, langsamen, unzuverlässigen Mitglieder ausscheidet, und deshalb befürworten diese zwar wohlmeinenden, aber gedankenlosen Menschen einen störenden Eingriff, der nicht nur den Reinigungsprozess zum Stillstand bringt, sondern den Niedergang sogar verstärkt – weil sie die Vermehrung der Unfähigen begünstigen, indem sie ihnen unerschöpfliche Versorgung bieten.“

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Empathie, wo keine ist …

Zwang führt auf Dauer zu Entsolidarisierung“, daran glaubt felsenfest Andrea Seibel, gerade wenn es um Steuern und um soziale Fürsorge geht. Die Frau von ‚Welt‘ mit dem IQ einer Hardcore-Ideologin denkt dabei wohl an die solidarische Fürsorge britischer Bergwerks- und Textilunternehmer im 19. Jahrhundert à la Ebenezer Scrooge; sie hat die fronenden Leibeigenen am Rande der Taiga vor Augen, als dort der russische Adel noch ganz unbelastet von Abgaben wohltätig sein durfte; ihr fallen die reichen holländischen Sklavenjäger ein, die ganz freiwillig an die westafrikanische Fieberküste fuhren, um dort die ‚Kaffern‘ Gottesfurcht zu lehren; oder sie erinnert sich vielleicht an die liebevollen Sozialmethoden amerikanischer Unternehmer zur Sacco-und-Vancetti-Zeit, von denen man bei John Steinbeck so manches liest, weil nämlich dort im ‚Land of the Free‘ schon einmal die Soziallasten jenes Mini-Format hatten wie jetzt erst wieder seit Schorsch Dabbeljuh – sein Name sei gesegnet! Und schon singen wir alle mit Andrea Seibel den schönen Sloterdijk-Choral: ‚Freiwillig gibt, was recht und billig!‘ Nur dann wird nämlich dem Braven und Angepassten gelegentlich ein Krümelchen in den Napf gebrockt – und der Freche und Vorlaute soll sehen, wo er bleibt …

Tscha, wer hätte das gedacht!

Geringe Denkleistungen, die den Dingen nicht auf den Grund gehen, sondern an der Oberfläche stehen bleiben, [produzieren] Konservativismus, der sich u.a. durch persönliche anstelle systemischer oder gesellschaftlicher Verantwortung, durch Akzeptanz von Hierarchien und durch die Vorliebe für den Status quo auszeichnet. Das bedeutet, dass Anhänger von konservativen Parteien eher zur Denkfaulheit neigen, aber auch, dass die konservative Politik entsprechend intellektuell bescheiden formuliert wird.“

Wer kennt sie denn nicht, die konservativen Leserforen einschlägiger Verlagserzeugnisse? Aber auch bspw. die Andrea Seibel oder den Ulf Poschardt, die den Äffchen zuvor den Zucker gaben. Also mal wieder nichts Neues unter der Sonne … Klugheit und Konservatismus stehen unverändert in Opposition. Und wenn der Konservative mal was ‚Revolutionäres‘ fordert, dann läuft es meist auf Steuersenkungen hinaus. Anders ausgedrückt: Selbst da, wo er sich fortschrittlich dünkt, stapft er nur durch alten Käse. Und der Jan Fleischhauer ist sein Prophet, hoch oben an dem ihm maximal überschaubaren Denkmaßstab im blauen Ungefähr …

Klarstellung: Ich bin nicht links, ich bin nur nicht doof.

Aus der Altherrenmannschaft

Als Chefkorrespondent der ‚Welt‘ spielt Michael Stürmer in der Springer’schen Altherren-Mannschaft auf rechtsaußen; seinen Namen trägt er dabei völlig zurecht. Auch im jüngsten Fall, wo es um den unerhörten Vorschlag geht, reiche Menschen in der Bundesrepublik mit einer Zwangsanleihe zu beglücken, während zugleich eine CD mit den Finanzdaten von Steuerverbrechern aufgekauft werden konnte. Für diese Klientel betrogener Betrüger wirft sich der Herr Professor in die Bresche.

Als Historiker sollte der ehemalige Kohl-Berater eigentlich wissen, dass ‚Enteignungspläne‘ immer jene Parteien im Wahlkampf Stimmen kosten, die so etwas öffentlich verkünden. Trotzdem meint er, in Steuerverfolgung und ‚Zwangsenteignung‘ einen besonders perfiden Plan einer vage umrissenen ‚Linken‘ zu erblicken, die um des Stimmengewinns willen auf die niedersten Instinkte des Wahlpöbels spekuliert:

„Es ist massenwirksames Mittel, um bis zur Bundestagswahl im nächsten Jahr und darüber hinaus die Kräfte des Neides, des Klassenkampfes und der Denunziation zu orchestrieren.“

Jawollja, schon geht’s nicht mehr um die hinterzogene Soore, es geht um den Wahlkampf! Auch waren diese dämonischen Kräfte in der Bundesrepublik historisch schon immer sensationell erfolgreich! Sobald der Deutsche das Wort ‚Kommunismus‘ hört, strahlt er wie ein Kind beim Anblick des Eisbechers – oder wie, oder was? Das dürfte auch exakt der Grund sein, weshalb die SPD in diesem Orchester bisher gar nicht zu hören ist. Weil diese Partei weiß, dass ‚die Vermögenden‘ sich immer und ewig auf die Solidarität ihrer Spießbürger verlassen dürfen.

Mit zwei missglückten rhetorischen Fragen im Mund stürmt unser Stürmer derweil weiter die Außenlinie entlang:

„Wenn es Zufall ist, dass gleichzeitig aus dem der Marktwirtschaft wenig zugeneigten Berliner Deutschen Institut für Wirtschaft für Vorschläge zur Teilenteignung auch kleiner Leute kommen? Wer will schon gegen Gerechtigkeit sein, sofern nur andere bezahlen?“

War’s nun eine Frage, war’s eine Bedingung, war’s ein Zufall, war’s bloßer Schwurbel, war’s ein Professorenrülpser – niemand weiß dies ganz genau. Im Kern möchte er uns wohl andeuten, dass Steuerhinterziehung eine Folge übermäßiger Zuneigung zur Marktwirtschaft sei. Ganz genau aber will unser Herr Professor wissen, dass es oft und gerade die ‚kleinen Leute‘ sind, die dort an der Limmat ihr klitzeklöterkleines Schwarzgeldkonto unterhalten, damit sie sich im Alter doch noch ein bisschen Kalbsleberwurst zur frugalen Pumpernickelscheibe gönnen können:

„Der moralisch aufgeladene Begriff Steuersünder ist für die zumeist mittelständischen Existenzen reserviert, die gegen Altersarmut und andere Sorgen, vom Schicksal des Euro nicht zu reden, etwas auf die Seite bringen – was sie nicht tun sollten, aber tun.“

Nachdem ich mir die Tränen des sozialen Mitleids wieder abgewischt habe, wollen wir demgegenüber doch mal festhalten, dass es sich – dem On-dit zufolge – bei der CD, die derzeit in NRW ausgewertet wird, um solche Privatbankkonten handelt, auf denen durchweg Summen von einigen Millionen Euro durch Stürmers ‚kleine Sünderlein‘ gebunkert wurden, bis hin zu mehr als hundert solcher Millionen auf nur einem Konto. Da kam dem Rechtsaußen bei seiner ‚Argumentation‘ wohl der neoliberale Gassenhauer unserer Wall-Street-Boygroup in den Sinn: „Mit einer Milliarde fängt Mittelstand erst an, mit einer Milliarde sind wir am Wohlstand dran …

All das Krokodilstränengefasel aber, das nicht nur der Herr Stürmer wider besseres Wissen in der ‚Welt‘ veranstalten darf, wo er als Tor den Torschrei bis zur Artikelform würgt, etwas, das aber alle drei Tage auch eine Manchester-Lady wie die Andrea Seibel dort ins Redaktionssystem zu tippseln pflegt, diese meinungsfrohe Faktenferne wird zunehmend grenzwertig und überschreitet für mich längst die rote Linie, wo nicht zur blanken Lüge, so doch zur Propaganda, wenn nicht gar zum ‚objektiven Qualitätsjournalismus‘.

Apropos: Schlecht verhandelt haben die Tricksies auch – vielleicht waren es ja ‚Finanzberater‘: „Auch wenn das Abkommen mit der Schweiz in Kraft getreten ist, können die Finanzminister weiter Steuer-CDs kaufen.“ Und sogar der ‚Cicero‘ ist längst weiter als ‚Die Welt: „Steuerhinterzieher verhalten sich asozial. Deshalb haben sie kein Mitleid verdient und keine mildernde Umstände, sondern harte Strafen.“

Käseablagerungen

Mit ihrem Schlichtgestrickten hat das Cover-Girl von Welt Online  wieder einmal komplexere Formen der Aufklärung ersatzlos abgeräumt. Sie zürnt, weil jüngst einige Ökonomen von der ‚Enteignung‘ der Profiteure dieser Finanzkrise geredet haben sollen. Was jene zwar nicht taten – aber sei’s drum. Andrea Seibel schrub ihrem darob erstaunten Publikum jetzt:

„Europas Staaten sind daher alle in einer Staatsschuldenkrise, denn die globalisierte Welt erfordert mehr Dynamik und Esprit als einen Umverteilungsstaat.“

Wie man’s auch liest – diese Lady schreibt nur einen Satz, und schon steckt der gesamte Besinnungsaufsatz gleich voller Fehler: Erstens befinden sich gar nicht „alle“ Staaten Europas in einer Krise, das steht da wohl nur, damit der alarmistische Bullshit aus dem Hause Seibel den gewünschten Eindruck einer Gesetzmäßigkeit gewinnt. Zweitens erfordert die Globalisierung für die dicken Dinos der Weltökonomie keineswegs ‚mehr Dynamik und Esprit‘, im Gegenteil, haben sie Mist gebaut, so werden ihre ‚Unternehmensschulden‘ mit ‚Staatsschulden‘ beglichen, von wegen „too big to fail“. Drittens spricht der Satz der Dame ganz nebenbei auch der geschundenen Grammatik Hohn. Und viertens erleben wir keine „Staatsschuldenkrise“, wir stehen vor einer „Bankenkrise“, wo sich ‚durch die Bank‘ alle Institute verzockt haben, weshalb sie das, was jetzt vom ‚deutschen Michel aller Länder‘ in ihre Tresore fließen muss, unverfrorenerweise als ‚Griechenlandhilfe‘ usw. bezeichnen: Spanien hat zum Beispiel absolut und prozentual wesentlich geringere Staatsschulden als die vergleichsweise potent aufgestellte Bundesrepublik, und trotzdem muss das ganze Land unter den ‚Rettungsschirm‘, nur, weil seine Banken durch eigenhändig errichtete Bauruinen wanken. Und wenn man sich fünftens fragt, wer denn da gerettet wird, wenn permanent Banken gerettet werden müssen, dann landet man sehr schnell bei den Besitzern von Banken, also bei ‚den Vermögenden‘, denen jetzt einige Ökonomen einen Kredit auf Zeit als ‚Lastenausgleich‘ für den Staat abknöpfen wollen. Was wiederum von jeder Enteignung weit entfernt ist …

Mit einem Wort: ‚Sechs, setzen!‘. Dieses harsche Urteil mache man aber einer selbstgewissen Chef-Ideologin des Neoliberalismus begreiflich. Die klarsten Gedanken finden in einem festgefügten Intellektualparkhaus keinen Platz, dort, wo die Parklücken nur für Tretroller und für die Dutzendweisheiten schwäbischer Hausfrauen gebaut sind. Also kann es sich – so lautet vermutlich ihr messerscharfer Umkehrschluss – doch gar nicht um Gedanken handeln. Weil’s nämlich nicht in ihre Lücken passt …

Nachtrag: Und weil dieser verfluchte Umverteilungsstaat und vor allem die bösen Sozis ‚immer mehr‘ wollen, deswegen wurde unter Gerhard Schröder der Spitzensteuersatz ganz erheblich gesenkt – oder so oder wie oder was? So faktenfrei jedenfalls funktioniert Andrea Seibels bunte Welt der Pappkameradschaften: „Unser Sozialstaat ist ein Steuerstaat. Je mehr er umverteilen will, desto mehr Einnahmen braucht er, und die holt er sich bei seinen Bürgern. Er „braucht“, und er „holt“. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Und bei denen, von denen er mehr holt, will er immer noch mehr holen.“ Jaja, unsere armen Reichen, ich sehe sie förmlich vor mir, wie sie, seit Jahren geplündert vom nimmersatten Sozialstaat, an ihrem fadenscheinigen Hungertuch nagen müssen, während zu ihrem frugalen Mahl ihnen die Andrea Seibel etwas auf der Arschgeige improvisiert …

Anmerkung: Selbstverfreilich bezieht sich die Headline ausschließlich auf Textabsonderungen meinerseits. Mann ist ja Kavalier …

Reden, Sabbeln, Seibeln

Von einer Welt-Führungskraft hätte ich erwartet, dass ihre Texte besonders sorgfältig redigiert würden. Weit gefehlt! Wo Andrea Seibel hintippt, windet sich die Grammatik, der Satzbau wird zum Labyrinth und der Leser versteht eigentlich nur noch, dass die Frau gar kein Mitleid kennt, weder mit der Sprache, noch mit dem Pöbel:

„Denn mit diesen Geldausschüttungen in Milliardenhöhe, und so versteht sich die Politiker offenbar einzig, als Geldausschütter, kann man keinen Haushalt konsolidieren, keine Schulden abbauen und schon gar nicht jene Stimmung erwecken, die zukunftstaugliche Strategien in einem Land, das den demografischen Ernst seiner Lage noch immer nicht verstanden hat, erst ermöglicht.“

Allenfalls mit dem Buschmesser wäre ein solcher Satz zu redigieren – und aus welcher Kneipe dieser ‚demographische Ernst‘ mitsamt seiner lüttjen Lage dort herausgestolpert kam, habe ich auch nicht ganz verstanden. Aber das ist ja gerade Andrea Seibels Stil, das Popanzschwenken im Satzverhau – oder: möglichst viele neoliberal induzierte Reizwörter in eine grammatische Maulsperre zu pferchen. Also ‚Stimmung erwecken‘, dafür, dass ‚Konsolidierung‘ ‚in Milliardenhöhe‘ nur ‚zukunftstauglich‘ sein kann, wenn wahrhafte ‚Strategien‘ jene ‚Schulden abbauen‘, die natürlich ‚harte Einschnitte‘ von all jenen verlangen, die sie nicht gemacht haben – aber nü nüch von unseren Happy Few. So brabbelt der innere ideologisch aufgebrezelte Schreibautomat munter vor sich hin, tut dabei so, als besäße er Vernunft, und kriegt dabei nicht ein einziges Bildchen oder eine Metapher heil aufs Papier:

„Als „Friedensangebot“ wird dies parteiintern präsentiert und man erkennt im Rauch der Pfeife, die verschiedene wichtigtuerische Interessengruppen nun schon länger rauchen, nur schemenhaft noch das, was Politik eigentlich auszeichnen sollte, nämlich begründete Entscheidung, Augenmaß, Plausibilität, Sparsamkeit.“

‚Verschiedene Interessengruppen‘ nuckeln dort alle an einer ‚Pfeife‘ – und zwar ’schon länger‘? Und trotz des Rauchverbots in öffentlichen Räumen? Das erzeugt begreiflicherweise in meiner Vorstellung so viel Qualm, dass ich gar nicht mehr weiß, worauf die Andrea Seibel eigentlich mit mir, dem Leser, hinaus will. Ich weiß nur, dass ich das alles auf gar keinen Fall wollen sollen sollte, was die Andrea Seibel dort als angesengtes Selbstzeugnis schwenkt …

Frauenlos in Manchester

Andrea Seibel hat wieder zugeschlagen. Tief über die Spuren Margaret Thatcher’s gebeugt, gewinnt sie aus ihrer eingeschränkten Perspektive Eindrücke, die wir seit Charles Dickens endgültig stigmatisiert wähnten – die zudem jeder wissenschaftlichen Erfahrung mit menschlichem Verhalten widersprechen. Selbst in der Hundedressur hat der Behaviourismus noch nie funktioniert. Dementsprechend weiß die mitleidlose taz-Renegatin, heute ein Welt-Führungskräftchen, auch keine einzige Quelle für ihre kühne Behauptung anzuführen, außer den lustvollen Phantasien in ihrem Kopf.

Denn wer sanktioniert, schlägt und niederknüppelt, der schafft ewig nur Falschheit, Verlogenheit, Unberechenbarkeit und sonstwie Zerbrochenes – aber mit Sicherheit nie etwas Erwünschtes. Das in etwa ist der Stand der Wissenschaft. Eigentlich fehlt mir bei unserem sozialen Flintenweib nur die Forderung nach Wiedereinführung der Prügelstrafe – ein Gedanke, wo’s mich höchst irrational in den Fingern zu jucken beginnt. Doch mein Verstand sagt mir dann, dass sie selbst das nicht grundlegend empathisieren würde:

„Dass die Behörden nun vermehrt zu Abschreckung und Sanktionsmaßnahmen greifen, ist nur recht und billig. Denn das besagt jede Erfahrung: Einzig empfindliche Strafen wie Leistungskürzungen bewirken Verhaltensveränderungen. Wer bedingungslos gibt, dem wird nur genommen. Mitleid allein reicht nicht. … Dies ist Paternalismus pur und Ausdruck von tiefer Unfreiheit.“

Merke: Freiheit ist, wenn’s was auf die Glocke gibt …

Nachtrag: Die Zahlen, auf die sich das haltlose Seibel’sche Gekläffe stützt, hat dankenswerterweise das BildBlog richtig gestellt. Im Netz, das zeigt sich daran erneut, darf niemand mehr so daherschmaddern, wie’s die irregeleiteten Hormone wollen … Andrea Seibel ist übrigens eine Rückfalltäterin mit – ‚Widdewiddewitt!‘ – Pippi-Langstrumpf-Allüren. Allemal wird die Welt so zurechtgebogen, wie die Dame sie gern hätte. Siehe zum Beleg auch diesen schönen Text: „Langsam stellt sich die Frage, ob bei Welt-Online überhaupt noch irgendjemand einen blassen Schimmer davon hat, worüber er schreibt.“ Gute Frage, bis aufs ‚langsam‘ … meine Antwort: Fakten behindern ja bekanntlich nur die Schreibautomatismen – und ‚Gedankenwelten‘ oder auch nur ‚Denkräume‘ hat im rechten Milieu kein kühner Forscher je geortet.

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