Stilstand

If your memory serves you well ...

Süsswoll!

Nun holt sich der Onkel Putin wohl sein Happi-Happi. Weil 11.000 Mann ukrainischer Truppen an der russischen Grenze aufmarschiert seien, sagt das staatstreue Radio Eriwan. Na, das wird dann ja wohl ein Gemetzel geben wie einst in Stalingrad. Aber wo kommen die bloß alle her, bei dem desolaten Zustand dieser ukrainischen Armee? Fahren die etwa klammheimlich auf Panje-Wagen an die Front oder saßen die etwa alle auf diesen sieben ukrainischen Panzerfahrzeugen? Faschisten ist bekanntlich alles zuzutrauen …

„Russland sei wegen der „ukrainischen Militärmaschinerie“ und der Nato-Manöver in Osteuropa gezwungen, so zu reagieren, zitiert die Nachrichtenagentur Interfax den Minister.“

Wer mich noch einmal einen Alarmisten nennt, der kriegt hier Hausverbot. Wo sind eigentlich all die Experten abgeblieben, die noch vor Tagen selbstgewiss verkündeten, dass der Putin nie nüch in die Ukraine einrücken würde, weil ihm die Krim doch noch so schwer im Magen liege?

„Die Ukraine wird weder Mitglied der NATO und der EU werden, noch die Ostukraine Teil Russlands.“

Tscha, Herr Lübberding – wat nu? Unsere AWACS-Aufklärung scheint mir übrigens auch im Tiefschlaf befindlich zu sein:

Bereits am Mittwoch haben zwei russische Bomber vom Typ TU-95 die Luftabwehr der Niederlande und Großbritanniens in Alarmbereitschaft versetzt.“

Test, Test, Test – glaube doch keiner unserer Schafsköppe, das alles ereigne sich bloß ‚fern in der Ukraine‘ …

Mein Tipp des Tages: In den nächsten Tagen werden Finnland und Schweden die Aufnahme in die Nato beantragen … und im Regierungspalast in Minsk soll es streng nach vollen Hosen duften. In Weissrussland leben immerhin auch acht Prozent ethnischer Russen. Die wissen es zwar noch nicht, aber auch die wollen bestimmt heim ins Reich.

Hier das Ganze live und untermalt von martialischer Musik – wahrscheinlich sind auch das nur ‚grüne Männchen‘, solch einen Panzer bekommt man dort ja an jeder Straßenecke:

Ach so, diese gen Westen rollenden Kolonnen wurden in Novoshakhtinsk gefilmt, zehn Kilometer vor der ukrainischen Grenze. Aber das hat sicherlich rein gar nichts zu bedeuten. Und was schreibt derweil das werte Zeit-Kommentariat:

„Ich denke immer mehr, wir Deutschen sollten gemeinsam mit den Russen und den Franzosen mal gegen das eigene deutsche Kriegstreiber-Pack vorgehen. Auch unsere Presse sollte eigentlich sich ihrer Verantwortung bewusst sein, förderlich dem europäischen Friedensprozess hinzuwirken, d.h. friedensbejahende Artikel zu schreiben. Ihr Schreiberlinge: nehmt mal Eure besondere Verantwortung ernst! Ihr seht ja, wie einige Foristen hier schon gegen Russland kriegstreiberisch hetzen.“

Hä – die Franzosen? Und Deutsche gegen Deutsche? Mutti Merkel ein Kriegstreiber-Pack? Diagnose: Morbus pacificiensis im Endstadium … und um gleich auch mal das unerträgliche Gebrabbel wegen der Nato-Osterweiterung endlich etwas leiser zu stellen: Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde vereinbart, dass keine ausländischen Truppen und Atomwaffen „in dieser Region“ stationiert werden sollten. Gemeint damit war allein das Gebiet der ehemaligen DDR, etwas anderes war auch gar nicht möglich zu vereinbaren, weil die heutigen ‚östlichen Anrainerstaaten‘ damals noch zum dahinbröckelnden Warschauer Pakt gehörten. Als dann diese Staaten sich unabhängig erklärten, war bei deren Nato-Beitritt von solchen Klauseln keinerlei Rede mehr. Und auf dem Gebiet von Neufünfland stehen bis heute keine ausländischen Truppen – und es sind auch keine Atomwaffen dort zu finden.

Die russischen Medien spielen übrigens jetzt die antisemitische Karte. Wie sie das mit den ‚Faschisten‘ unter einen Hut bekommen wollen, die doch derzeit in Kiew regieren sollen, bleibt wohl ihr Geheimnis:

„The documentary’s line was picked up instantaneously in a pro-Russian separatist demonstration in Lugansk, Eastern Ukraine. An unidentified speaker went straight for the jugular: “The Maidanists say we’ve had a revolution of national liberation. And I ask: ‘which nation?’ Let’s see how many Ukrainians have come to power. Yatseniuk?” The speaker paused, and the crowd called out, “He’s a Jew!” The speaker continued to list major Ukrainian politicians, adding their alleged Jewish names to prove their true origin: “What about Klitchko-Ettinson, or Yulia Kapitelman?” Someone from the audience yelled “She’s a zhid!” “Or the great fighter for the purity of the nation Tyahnybok-Srokman? Is this the bright light of the Ukrainian nation? This is a coup, a coup perpetrated by Zionists.” The crowd burst into applause.“

Tscha, die schöne Zarenzeit mitsamt den ‚Protokollen der Weisen von Zion‘ kehrt zurück …

18 Kommentare

  1. In Baden Baden lebt inzwischen auch eine erhebliche Anzahl – wohlhabender – Russen. Weht bald die russische Fahne über dem Steigenberger – Hotel…? 🙂

  2. Die gründen wohl eher die ‚Unabhängige Republik Oligarchistan‘ …

  3. Guter Artikel über Putin-Versteher, Freunde des Iran, Elsässer, Rechtaussen der SVP, Weltfrieden, Alles Schall und Rauch – die ganze Sosse halt…
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Warum-die-Schweizer-Rechten-den-Iran-moegen/story/22351264

  4. klaus,

    for the records: ich glaube immer noch nicht dran, daß putin den rubicon überschreiten wird und ich glaube immer noch nicht an einen plan.

    eher an aktion+reaktion und improvisation, wobei ich das zunehmende verschwinden von optionen, sich noch groß umentscheiden zu können, beobachte. die telefonieren miteinander und treten dann, höre ich im radio, „deprimiert“ vor die mikros und steigern sich anschliessend weiter rein.

    _alle_ positionen sind irgendwie unhaltbar, da sind zu viele tunnelrealitäten im spiel und es gibt keine wirklichen „übersetzer“. im grunde knallen die sich doch bloß noch ihre eckpunkte um die ohren. ich warte bloß noch auf „ulitmaten“

    das macht mir mehr zu schaffen als lachhafte drohgesten hinter den eigenen grenzen. das spiel, das gespielt wird, heisst nicht gewalt (okay, in dosen) sondern „verunsicherung“. es geht mehr darum, den anderen zu etwas zu bringen, als selbst aktiv zu werden.

    wie gesagt, for the records, den teil sehe ich nicht.

    mit dem rest haben du und der her karl recht: ich kann ja schon keine telepolis-kommentare mehr lesen, ohne daß mir die galle überkocht.

    astroturfing at it’s best, aber das ist wahrsheinlich überall so, weshalb ich mir den rest der leidmedien eigentlich komplett erspare und lieber zeit mit dem abarbeiten der todoliste verbringe …

    aber danke, daß du mir die arbeit abnimmst 😉

    ich kümmere mich weiter um das „rundherum“

    @herr karl

    ich finde schon, daß man den putin zu verstehen suchen sollte, wir haben aber leider nur „küchenpsychologisches“ anzubieten, weil wir nich mal nicht wissen, was in solchen telefonaten so an dingen ausgetauscht wird.

    danke für den artikel. wenn dich das thema schweiz interessiert, hätte ich hier einen kleinen pod mit stimmen von den leuten selbst. ist ja vielleicht interessanter zu hören, als zu lesen, was jemand darüber dann am ende schreibt 😉

  5. ah, der pod Wir schämen uns. interessant, was die leute so über ihr leben und ihre plötzlich auftauchenden gedanken erzählen.

    und @klaus

    ich denke gerade darüber nach, auch „die säulen der erde“ als opulentes hörspiel auf die liste zu setzen. gradeseläätz, wie der saarländer sagt.

    der mann versteht übrigens tatsächlich was von „spannungsbögen“ und unterscheidet sich, auch wenn du ihn nicht magst, wohltuend von den wirklichen fließbandarbeitern, die die kniffe, wie man einen richtigen bösewicht zeichnet, nicht wirklich beherrschen. follet hat das in seinen guten momenten tatsächlich drauf, auch wenn du keinen spaß an so was hast: das beispiel war schlecht gewählt. 😉

    das hörspiel ist wirklich „opulent“, wenn man spaß an so was hat. das erinnert mich dran, joachim ernst behrendt „nada brahma, das ohr ist der weg“ auch auf die liste zu setzen.

    definitiv besser als alles, was mir das kommentariat der leidmedien mitzuteilen hätte …

  6. @ hardy: Gerade die ‚Säulen der Erde‘ habe ich mir mal in einem Antiquariat vom Grabbeltisch mitgenommen (‚müsstest du ja auch mal lesen‘), ich bin aber keine 20 Seiten weit gekommen, sprachlich war mir da zu viel Klischee und nach all dem, was ich über das ausgehende Mittelalter weiß, haut das auch sachlich-fachlich vorne und hinten nicht hin, das sind Menschen unserer Zeit im Leinenkittel, drumherum ein bisschen Kolorit aus schwarzem Tod und Glockengebimmel. Ansonsten viel Fleißlektüre zum Thema ‚Kathedralenbau‘. Die Menschen sind sich aber nicht ‚immer gleich‘ – lies mal Huizingas ‚Herbst des Mittelalters‘. Das mit den Spannungsbögen mag ja sein, das konnte aber auch der Edgar Wallace oder die Enid Blyton. Nur bin ich über das Alter irgendwie raus …

    Themenwechsel: Glaubst du wirklich, dass das Kidnappen der OSZE-Beobachter ohne Plan und Ansage aus Moskau erfolgte? Ich nicht … und lange können die ihre Truppen auch nicht mehr einen Kilometer von der Grenze entfernt still halten. Da muss also etwas passieren. Eine mobilisierte Riesenarmee, die ohne einen Schuss nach Hause gehen soll, eine größere innenpolitische Niederlage wäre für Putin jetzt kaum noch denkbar. Derweil bezeichnet der Kommandeur der Fascho-Truppen dort in Sloviansk diese Beobachter als „Kriegsgefangene“, was nichts anderes heißt, als dass in seinen Augen dort auch längst „Krieg“ herrscht. Und sie sollen „Sabotage“ betrieben haben. Aber bitte, was meint dieser ‚Johann ohne Land‘ damit? Haben sie ihm das Klo mit Zeitungspapier verstopft?

    Der größte Stunt aber ist dann das – wo die russischen SA-Trupps in der Ostukraine so Stücker zwölf Journalisten als Geiseln halten, trompeten die so etwas Verlogenes heraus: „Russische Medien fordern Uno, Unesco und OSZE auf, für den Schutz von Journalisten in der Ukraine zu sorgen. „Die neuen ukrainischen Behörden haben wiederholt mit illegalen Maßnahmen unsere Mitarbeiter daran gehindert, aus der Ukraine zu berichten und ihre professionelle Arbeit auszuüben. Dabei haben sie die Menschenwürde unserer Mitarbeiter verletzt“, heißt es in einer Erklärung die von allen großen russischen TV-Sendern unterzeichnet wurde.“ Das geht immer nach dem Motto: ‚Wirf das, was du treibst, nur getrost den anderen vor‘. Schon stehe ich wieder kurz vorm Vomitieren … während das Vereinigte Kommentariat uns etwas von den ‚westlichen Mainstream-Medien‘ dazu tirilieren wird.

    Dass das Kommentariat in deinen ‚Leidmedien‘ die Schwelle zur intellektuellen Subterranität weit unterschreitet, da gehen wir dann wieder völlig d’accord. Dass wiederum so viele so blöd sein sollen, das haut mich schlicht um, das kollidiert mit meinen restsozialistischen Überzeugungen, ich hielt bisher mehr von der Masse …

  7. @hardy
    Die Schweiz interessiert mich schon auch; ich bin Schweizer.

  8. @klaus

    ich bin über die ersten 20 seiten hinausgekommen und kenne eigentlich so gut wie alles von follett. muss man nicht mögen, kann man gerne als „U“ verwerfen, weil man auf „E“ bestehen will, ich bin da permissiv. man kann aber im grunde nur gleich mit gleich vergleichen und da gehört er zu denen, die ihr handwerk beherrschen. die „jahrhundert“trilogie andererseits ist ihm komplett misslungen, wahrscheinlich weil er versucht „E“ zu sein.

    über die durchgeknallten landsknechte brauchen wir nicht lange zu streiten, ortsfremde, die in einen ort einrücken, putsch spielen (hier ist das wort ja angebracht) und so tun, als seien sie jetzt könig der welt. wir können uns drauf einigen, daß die geld und unterstützung aus moskau bekommen, aber ein „masterplan“?

    ich denke eher, die sind nicht mal von putin noch zu steuern. geister die er rief und nun nicht mehr los wird. wie er dei ganze sache losgetreten hat, weil er dachte, er käme noch rechtzeitig aus der nummer raus und sich jetzt in seine halbgaren pläne verstrickt hat. du siehst ein 10 gänge menü – ich sehe eher, daß er sich und seine möglichkeiten komplett überschätzt hat. aber, was es ist oder war sehen wir erst jenseits des rubicon.

    bitte mal (historisch) zuende denken: am ende von der ganzen nummer kann er beim jetzigen stand nicht mehr „gewinnen“. er kann eine menge schaden anrichten, aber er hat sich selbst in eine ecke manövriert.

    übr die rezeption hier brauchn wir nicht zu streiten, 1:1, ich habe mir gestern den spaß gemacht, das kommentariat der DWN zum artikel über die OSZE-gruppe zu lesen, mehr wahnsinn geht eigentlich kaum noch. was mich in meiner einschätzung bestätigt, daß vieles von dem, was wir seit jahren an neonationalistischem bullshit beobachten, tatsächlich von russen finanziert wurde und sich in solchen diskussionen tatächlich fremde dienste (astroturfing) beteiligen.

    schon klar, daß die honks per se kein deutsch beherrschen, aber manchmal blitzt eben durch, daß die autoren normlerweise eine andere sprache sprechen und englisch ist da sicher nicht.

    den gedanken, mit dem ich vorher hauieren ging, fand ich dann lustigerweise in diesem artikel wieder, der ja eher deine these vom großen plan stützt

    http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/ukraine-putins-projekt-12893812.html

    @herrkarl

    ich weiss. ich habe auch gerade für eine chinesin aus shanghai die letzten 6 jahre podcasts von ruth kirchner, der dlf korrespondentin in china, zusammengestellt, um von ihr ein feedback zu bekommen, wie sie die darstellung ihres landes hier einschätzt.

    ich hoffe mal, du hast es trotzdem gehört. ich fand diesen gedanken, der einen beschleicht, wenn man im bus sitzt und sich die leute anguckt und fragt: „50% der leute hier haben gegen meine arbeit hier gestimmt“ schon interessant. der bericht wertet ja nicht, er erzählt nur.

  9. Zum angeblich ‚fehlenden Plan‘: Lies mal diese Quelle, die mir der SaiZ hierher verlinkt hat. Diese Jungs sitzen übrigens auch in der Duma, das ist keine durchgeknallte Sekte: „Heimat! Freiheit! Putin!“ Hochinteressant, wie ich finde, da entwickelt sich als Widerpart eines allzu selbstzufriedenen und sich am Ziel wähnenden Neoliberalismus (‚Ende der Geschichte‘) eine neue Großideologie in nuce … allerdings keine sympathische, aber wir waren dabei.

    Wenn dir der O-Ton dieser Figuren nicht gefällt. hier gibt’s eher Analytisches:
    http://jungle-world.com/artikel/2002/44/22994.html
    http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.com.tr/2014/04/jochen-scholz-friedensreferent.html

  10. @hardy
    Ja, ich habe es mir angehört, danke für den Link. DLF ist der Sender, den ich am meisten höre.
    Zur Abstimmung in der Schweiz: Der Braten wird nicht so heiss gegessen wie er gekocht wird (oder so ähnlich).

  11. klaus,

    [..] Zum angeblich ‘fehlenden Plan’

    was soll ich sagen?

    muss ich noch mal reklame für mein thule referat machen oder reicht es, wenn ich sage, daß ich ja nur zu genau weiss, daß es täglich 300 neue verschwörungen gibt?

    daß aus der einen oder anderen tatsächlich was wird – sie halt bloß nie so funktionieren, wie man sich das vorher vorgestellt hat. ein geist entweicht aus einer flasche und macht sich selbstständig. und am ende, das zeigt das beispiel der thule, frisst er seine eigenen schöpfer. ein japanischer general hängt einer okkulten sekte an und führt beseelt von einer komplett irren idee sein land in den zweiten weltkrieg. „wenn du diesen fluss überschreitest wird ein großes reich untergehen“ zu dumm, daß es am ende immer das der „oberschlauen“ ist.

    so viel sollte man doch aus der geschichte gelernt haben, statt ständig irgendwelche vergleiche zu bemühen, die vorne und hinten hinken.

    und ob das jetzt explizit dugin ist oder ob der auch nur eines von den hinweisschildern ist, die in der galerie hängen – klar wir sind _dabei_, aber wir _wissen_ es eben nicht.

    oder sind wir nicht bloß „zu nah dran“ sind, um zu es bemerken?

    ich „spiel’s“ mal – vereinfacht – durch: wir glauben dazu an einen plan, der darauf abzielt, die EU zu destabilisieren oder „den westen“ allgemein. in diesem plan werden die eukritischen und nationalistichen gruppen in der EU finanziert, gepäppelt, publizistische instrumente geschaffen, die öffentliche diskussion durch schläfer und halb aktive unterwandert und dann so etwas wie ein klima erzeugt, in dem die leute anfangen zu glauben, das system in dem sie leben, sei im grunde instabil, kurz vor dem zusammenbruch.

    die ganzen eu- und weisswasich-neurotischen als nützliche idioten und fünfte kolonne, im grunde „vaterlandslose gesellen“, wenn man die EU als „vaterland“ begreifen will oder auch nur den eigenen verstand. das was früher „die linke“ war, verstrickt in ein gewäsch von einer „einheitsfront“ mit nationalistischen vollhonks. und beides wiederum als vorwand, um mit dem finger drauf zu zeigen und zu sagen „bei euch gibt’s überall faschisten und wir fühlen uns bedroht“ …

    ich habe keine ahnung, ob das so ist oder ob das nur ein denkmansatz ist, um sich ein paar dinge zu erklären, die man halt so auf dem weg beobachtet.

    wenn es so ist, dann erleben wir gerade einen klassischen präkox (ich hoffe, du musst das wort nicht googeln ;-)) weil der geist zu früh aus der flasche gehoppst ist. ist es ja irgendwie im grunde ziemlich „doof“, wenn man es mal recht überlegt, die chancen derer, auf die man spekuliert, dadurch zu verringern, daß man die ängstlichen hühner auf dem hof zurück unter die glucke EU treibt. oder gar unter den schirm der NATO. oder ihnen erst gar nicht die chance gegeben hat, sich von da wegzubewegen.

    weil, halt mich für zu optimistisch, aber ich kann nicht erkennen – und du ja wohl auch nicht – daß diese gesellschaft schon „sturmreif“ wäre.

    warum dann jetzt der „sturm“?

    du verstehst, was mich zögern läßt?

    ich kann mir das alles zur not vorstellen, ich kann es auch bis zu einem gewissen grad plausibel finden, aber … es ist mir irgendwie nicht „kohärent“ genug. ich kann viele sachen nicht recht einsortieren, wie diesen moment des stillstands und zögerns or etwas mehr als einer woche, der der „vorwärtsbewegung“ vorher in wirklichkeit den schwung genommen hat. das was danach als drohung interpretiert wurde, ist für mich jedenfalls seitdem eine drohgeste, und wenn es eine „bewegung“ war, dann ist „spieltaktisch“ dieser vorteil jetzt futsch.

    deshalb glaube ich nicht an einen „plan“ putins und das ganze gekläff gerade ist das sich auf die brust klopfen vor dem abzug. aber – das ist halt nur das, was ich mir so vorstelle und ich habe in wirklichkeit keine ahnung 😉

    das blöde ist: wir sind auf einer linie von ereignissen an einem bestimmten punkt und haben von den kommenden keine ahnung. meistens haben wir sogar von den dingen, die gerade passiert sind und deren bedeutung uns bloß nicht klar ist, keinen schimmer.

    noch blöder: im grunde haben wir auch keine reelle chance, darauf einzuwirken. das ist ja ganz nett, wenn sich 2000 leute irgendwo mit schildern versammeln und konstantin wecker briefe an die „führenden persönlichkeiten der friedensbwegung“ schreibt oder dieser dandy mit linksrechtsphantasieen seinen platz in der geschichte erobern will, indem er reden schwingt und alle irgendwie wichtig _tun_. für mich ist es / sind sie das nicht sondern sich selbst überschätzende würstchen.

    das alles ist ein mückenschiss und ein zwergenaufstand gegen das drama, das sich gerade die antun, die jetzt so von staatsmann zu staatsmann telefonieren müssen und in der verwirrenden situation, dem anderen mal lieber zu misstrauen, stecken. wir wissen ja im nachhinein zum ausbruch von wk 1, wem dabei die nerven durchgingen – bis hin zum französischen ministerpräsidenten in st petersburg ein paar tage bevor der mist losging, der da noch pazifistischen hoffnungen anhing und dem vor ort klar wurde, was die stunde geschlagen hat.

    mich würde also schon mehr interessieren, was _da_ so läuft und was nur die historiker wissen und erzählen werden, wenn wir längst asche sind.

    wir _spekulieren_. wir _wissen_ nicht.

    das ist eine situation, in der man lieber unbeteiligt und ohne urteil durch die strassen schlendern, sich die show angucken und versuchen sollte, sie soweit zu verstehen, wie das halt geht. ein bißchen mehr die haltung eines restif de bretonne, ein bißchen weniger danton oder robbespierre …

    im moment finden „da draussen“ die gespräche ja wohl alle eher in selbsternannten jakobinerclubs statt, die revolution bricht aus und all das, „die da unten“ erheben sich gegen „die da oben“, die „systempresse“ … das ist alles sooooo süüüüß, aber ich kanns keinen moment wirklich ernst nehmen, dazu gucke ich mir die show einfach schon zu lange an, konzentriere mich lieber auf das sieb und beobachte, wer sich alles so selbst aussiebt. da knallen gerade eine menge leute durch, aber das sollte man in erster linie als ungehemmte panikattacken verstehen. virtuelle nervenzusammenbrüche in der (jeweiligen) filterbubble der blogosphäre oder den echokammern der gleichgesinnten, die sich bloß so richtig reinsteigern.

    nicht, daß sie nicht allen grund dazu hätten, in panik auszubrechen. aber sie sind halt so panisch, daß sie es nicht mitkriegen, wie kindisch das alles ist 😉

    über „pläne“, klaus, reden wir noch mal, wenn wir taten gesehen haben, okay?

  12. Klaus Jarchow

    2. Mai 2014 at 9:37

    Die ‚Taten‘ laufen und schon länger, und die ukrainische Seite reagiert jetzt wie ‚vorgesehen‘ … leider.

  13. klaus,

    ich höre ja auch gerade nachrichten …

    und höre worte, worte, worte.

    wie „vorgesehen“? hey, die reagieren _richtig_, der fehler wäre eher gewesen, sich weiter einschüchtern zu lassen.

    waldi (der russe) muss jetzt die hose herunterlassen.

  14. Im Falle eines Falles wünsche ich ihm viel Glück mit der Ostukraine und der maroden und ausgeplünderten Industrie dort. Und eine Verdoppelung der Renten erwarten die Leute vom Onkel Vladi dort auch noch – so propagandistisch zuversichtlich. Hat er ja versprochen. Wat dat wedder kost!

    Weißt du eigentlich, warum ausgerechnet eine kleine ‚Kurstadt‘ wie Slowansk so wichtig ist? Gleich nebenan liegt eines der größten Waffendepots der Ukraine mit allein geschätzten 1,5 Mio. Stück Kalaschnikows …

  15. der russische waldi hat sich, da sind wir vollkommen d’accord, schon jetzt übernommen. wäre er der, den du in ihm siehst, hätte er sich vor anderthalb wochen den rest der beute mit gewalt geschnappt, sch### auf die konsequenzen.

    „dummerweise“ ist ihm da aber die luft ausgegangen und ich kann im moment nur sehen, wie sie weiter aus seinem ballon entweicht.

    [..] Gleich nebenan liegt eines der größten Waffendepots
    [..] der Ukraine mit allein geschätzten 1,5 Mio. Stück
    [..] Kalaschnikows

    wenn ich die 1.5 millionen menschen sehe, die sich die dinger schnappen und einsetzen wollen, _dann_ hänge ich meine „jetztdürftihralleinpanikverfallen“-flagge raus 😉

    im moment sehe ich da eher durchgeknallte und sich selbst überschätzende marodeure, deutlicher gesagt: gesetzlose. ein polizeiproblem. und eines für den waldi, der muss jetzt die hose herunterlassen … wir werden sehen: ganz ganz kleiner schniepel.

    ich bin jetzt übrigens auch auf der liste der vom pantöffelchen als kriegstreiber geouteten WK1-fans, die sich schon mal freiwillig zur front melden, um montags die gefangenen quälen zu dürfen: hardy, die angepisste kanllcharge.

    eins muss man ihm lassen: er hat phantasie.

    vielleicht ein klitzekleines bißchen zu überbordend 😉

  16. ach – nicht um zu sagen „guck ich habe recht, die sagen auch …“ sondern als info:

    http://www.srf.ch/news/international/loecher-in-russlands-drohkulisse

    wie gesagt, war zwei wochen hätte waldi die nummer durchziehen können, weil alle überrascht und unvorbereitet waren und noch wie die gackernden hühner über den hof liefen.

  17. Süsswoll, du olen Krawallhannes, so schnell geit dat midde Kriegstreiberei … es ist trotzdem ein wenig schade um den pantoufle. So wie sich jetzt neue unerwartete Konstellationen bilden, so schnell lösen sich alte auf. Das ist aber kein Sieb, das hat etwas mit ‚Kopf-oben-behalten‘ zu tun, mit dem Bauch oder Mors lässt sich nun mal schlecht argumentieren … Gefühl ohne Fakten ist wie ein Auto ohne Räder.

    ‚Marodeure‘ sind das zumindest an den Schaltstellen nicht gerade, es ist wohl eher so, dass Mafiosi und Oligarchen einen drohenden Rechtsstaat mehr scheuen wie die sprichwörtlichen Teufel das Weihwasser …

    Dein Waldi steckt längst bis über beide Ohren im Strudel der Ereignisse. Er könnte von dem, was er jetzt tun muss, genauso überrascht sein wie die westliche Koalition der Ahnungslosen. Das Geschehen bittet jetzt zum Diktat …

  18. [..] Das Geschehen bittet jetzt zum Diktat

    aah, übereinstimmung 😉

    auch wenn er nicht „mein“ waldi ist …

    und ja, bei pantoufle hat mich das auch gewundert, weil ich den ja durchaus für einen von den „guten“, also zu einem oder mehreren gedanken fähigen, hielt.

    mich hat halt irritiert, daß er hier mal schon mal jemanden labeln musste, bevor der sich selbst unbeliebt machen konnte – was er ja bis jetzt nicht getan hat – war ich schon ein bißchen irritiert.

    du weißt ja, der saarländer … graadseläätz. wenn mir jemand sagt „hör nicht hin“, kriege ich immer extra große ohren.

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