Stilstand

If your memory serves you well ...

Sie heißt Weidenfeld …

Wer sagt, dass würdige Arbeit erst da anfängt, wo sie ihren Mann oder ihre Frau ernährt, verkennt ein paar Dinge. Erstens übersieht er den Wert von Arbeit. Arbeit ist an sich würdig. Wer arbeitet, füllt sein Leben mit Sinn. Er arbeitet in gesellschaftlichen Bezügen, steht für die Arbeit regelmäßig auf, trifft Kollegen und Vorgesetzte. Arbeit ist für die meisten Erwachsenen im Land ein zentraler Ort des Austauschs, des Miteinanders, der Teilhabe.”

Mit anderen Worten: Die Ursula Weidenfeld bittet doch tatsächlich den ‚Tagesspiegel‘ im schönsten Pastoralton, auf ihr Honorar künftig ganz zu verzichten. Denn das Arbeitendürfen sei ihr schon Bezahlung genug. Abends geht es dann vermutlich in die kirchliche Suppenküche, diesen ‚Ort der Besinnung und der Teilhabe‘ – Arm in Arm mit der Andrea Seibel und der Dorothea Siems.

Dieses Stückchen bringt mich prompt auf meine alte Frage zurück: Wo lernt man in Deutschland eigentlich ‚Wirtschaftsjournalismus‘? Am Tresen vielleicht? Das kann aber auch nicht sein, denn der Volksmund sieht das Thema bekanntlich etwas anders: ‚Solange der Arsch in die Hose passt, wird keine Arbeit angefasst.

3 Kommentare

  1. Wow! Als Sonntagspredigt zum Thema „Ehrenamtliches Engagement“ bestens geeignet, ansonsten eher angewandter Zynismus. Da möchte man doch direkt mit Harry Rowohlt und Flann O’Brien um die Häuser ziehen und auf dem Nachhauseweg ganz laut „Fook the fooking fookers, fook the fooking fookers…“ krähen!

  2. Beachtlich wie antiliberal die Aussagen Weidenfelds sind. für die Gründer liberaler Wirtschafts- und Gesellschaftsideen kam es eben genau darauf an, dass die Menschen nicht nur genug zum Überleben, sondern zum Leben hatten. Sie sollten frei jeden Drucks durch vermögende [Land]Besitzer handeln und wählen können.

    Während also Weidenfeld das Recht zu Leben mit dem Recht zu Arbeiten gleichsetzt, lässt sich z.B. Adam Smith locker zur Verteidigung eines bedingungslosen Grundeinkommens heranziehen. So weit ist der Liberalismus gekommen, dass er sich in sein Gegenteil verkehrt.

  3. Tscha – dieser Liberalismus! Es hat, glaube ich, keinen Zweck, immer auf einen historischen Liberalismus zu rekurrieren, um dann den Heutigen ihre Abweichung von der reinen Lehre unter die Nase zu reiben. Der Liberalismus ist immer das, als was ihn die ‚Liberalen‘ aktuell ausschreien. Genau deshalb mag ich ihn auf dieser Schwundstufe auch nicht mehr. Er ist zu einem ideologischen Analphabetismus mutiert …

    Mich wundert übrigens am meisten, mit welcher Chuzpe solche Schreiberleins sich immer selbst von ihren tiefschürfenden ‚Erkenntnissen‘ ausnehmen …

    😉

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