Im ‚European‘ rastet Malte Lehming aus: Die beispiellose ‚Medienkampagne‘ gegen unseren Bundespräsidenten lässt ihn moralisch überschäumen, obwohl doch ‚El Presidente‘ mit seinem laxen Kreditverhalten und kommunikativen ‚Auslassungen‘ hochgemut selbst in jene Grütze ritt, in der er jetzt zu versinken droht. Vor allem die Journalisten stehen im Kreuzfeuer Lehming’scher Empörung. Der Meinungschef des ‚Tagespiegel‘ nimmt sich seine eigene Kaste geradezu grobianisch zur Brust:

„Weil der eigentliche Anlass zu banal ist, wird die inszenierte Empörung über die Banalität als Grund für einen Rücktritt instrumentalisiert. Und weil die Diskussion, die man selbst krampfhaft am Leben hält, nicht abebben will, muss sich der Präsident gefälligst fragen lassen, ob er das Amt durch seine Sturheit, in demselben bleiben zu wollen, nicht beschädigt. Perfider geht’s kaum.“

Da mag ja etwas dran sein – auch wenn sich der niedersächsische Aufsteigertypus allzu gern im Glanz und Glamour des Geldes gesonnt hat, um überzeugend die Unschuld vom Lande zu mimen. Wenn aber ein Kommentator, der seit 2005 die Meinungsseite beim Tagesspiegel leitet, im ‚European‘ gegen eine journalistische Praxis wütet, obwohl seine Leute beim ‚Tagesspiegel‘ höchstselbst einen Teil dieses Rudels bilden, dann riecht für mich die ganze Empörung doch stark nach Rechte-Tasche-linke-Tasche, nach Hochgequirltem und nach Pseudo-Moralismus:

„Wie sich nun zeigt, war selbst diese, mit der Bemerkung des Bedauerns dargereichte Erklärung nur scheinbar exakt. Ein falscher Eindruck konnte nicht nur entstehen, nein: er sollte es ganz offensichtlich – und das ist ein gravierender, für Wulff gefährlicher Unterschied.“

Fehlt eigentlich bloß noch die Rücktrittsforderung vom zweiten Dreibein herab, dort in Malte Lehmings ‚Tagesspiegel‘, wo der Herr auf der zweiten Hochzeit tanzt …