Stilstand

If your memory serves you well ...

Pykareskes

Unerhört ist das: Da schreibt Frau mal den einen oder anderen israelunkritischen Text für die berüchtigte ‚Achse des Guten‘, wo bekanntlich der Inhalt nur selten hält, was der Name verspricht, und prompt wird sie rechtsextremer Verbindungen verdächtigt! Und das nur, weil sie im redaktionellen Umfeld der von sich selbst – also von allerhöchster Stelle – erleuchteten Muslimophoben schreibt. Sogar von Rupert Polenz, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, gab’s dessenthalben schon was auf die Glocke, woraufhin die Verteidiger der Schnuckelmaus ihr wiederum die moralischen Schaumteppiche ausrollten:

Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn potentielle Personalchefs die junge Dame googlen und dabei auf derartige „Berichte“ stoßen? Noch dazu, wo nun ein namhafter Politiker wie Sie solch haarsträubende Behauptungen mit dem „CDU-Gütesiegel“ versehen hat?

Naja, wie ich deutsche Personalchefs kenne, hindert es Karrieren nicht, wenn man gelegentlich mal auf der ‚Achse des Guten‘ durchs Leben gerollt ist. Wie aber kam es zu diesem Konflikt unter Jüdinnen? Nun – die eine Jüdin unterstützt aus Gründen der Aussöhnung einen israelisch-arabischen Waldorf-Kindergarten namens Ein Bustan dort unten im Unheiligen Land. Dort also, wo derzeit der Netanjahu regiert, gestützt auf rabbizophrene Talmud-Rechtsausleger, die von einem Groß-Israel träumen. Die andere Jüdin, also unsere Pykadora hier, die regte sich mitsamt ihrer Mutti* über einen solchen Kindergarten in Israel maßlos auf und betrieb in sozialen Netzwerken das, worüber sie jetzt im ‚European‘ zetert. Für Sympathisanten der ‚Achse des Guten‘ wiederum ist diese Opfer-Täter-Doppelrolle kein ganz atypisches Verhalten – ‚bin ich nicht Jekyll, dann bin ich der Hyde‘.

„Wenn man sich für „Ein Bustan“ einsetzt ist man nicht nur als Nichtjude schnell ein Antisemit, sondern, wenn man das Pech hat israelischer Jude zu sein, ja dann ist man sogar ein Staatsfeind und jüdischer Antisemit zugleich und wenn man ein ganz gewöhnlicher nichtjüdischer Deutscher ist, ja dann ist man ein antisemitischer propalästinenscher Nazi.“ [Ich bitte, auch die Giddel-Kommentare unter diesem Text zu beachten]

Das, worüber unsere tippselnde Ballerina sich hier gekonnt zu echauffieren versteht, das muss natürlich gleich die ganze Antifa sein – unter dem tut sie es nicht. Ein paar Hanseln wären ihrem Anspruch nicht genug. Erst die imaginierte Größe des Gegners hebt einen Kampf mit Windmühlen ins Mythologische:

„Die Antifa ist irgendwie auch nicht mehr das, was sie mal war. … Heute … sitzt sie mit dem Mac auf dem Sofa und fantasiert sich liebevoll einen imaginären Feind herbei, der sich in der Regel nicht durch das Tragen von Glatzen und Springerstiefeln, sondern lediglich durch eine nicht Antifa-konforme Meinung auszeichnet.“

Warum bloß könnte ich jetzt schwören, dass die Schreiberin noch nie einen Antifa-Aktivisten aus der Nähe sah? Egal – mancher würde sogar sagen, dass die Frau Pyka sich hier eine Antifa herbeideliriert. Weshalb aber der ‚European‘ der wirren Deern seine Spalten freiräumt, das interessiert mich dann doch. Möge sie doch ins heutige Jerusalem reisen, um dort im Bus bei den anderen Weibern ganz großisraelisch und züchtig verhüllt auf der Hinterbank zu sitzen …

* dies ist die Mutti mit dem übermäßigen Mitteilungsdrang, die beim WDR als ‚Frau Maltzahn‘ anrief – in Töchterchens eigenen Worten: „Ankündigungen zufolge [wurden] sogar eigens Musikanten des WDR-Sinfonieorchesters engagiert, wovon der zuständige Intendant allerdings nichts wusste – zumindest teilte er dies meiner Mutter mit, als diese sich dort erkundigte.“ Kurzum – wäre da nicht der Kindergarten, müsste man diesen intellektuellen Kindergarten gar nicht ernst nehmen …

9 Kommentare

  1. Ich hab mir das hier oben durchgelesen (bin allerdings noch keinem Link gefolgt; die „Achse“ besuche ich aber auf keinen Fall, das ist womöglich ansteckend, zumindest eklig) …und verstehe leider nur Bahnhof, resp. steh‘ im Regen.

  2. Ich versuch’s mal:

    Eine Dame jüdischen Glaubens findet es eine gute Idee, Versöhnung anzustreben, am besten über die nächste Generation, die sich in einer Kita kennenlernen kann. Ein anderes Wesen jüdischen Glaubens findet erst einmal alles antiisraelisch, antizionistisch, antijüdisch und überhaupt ‚Nazi!‘.

    Die letztgenannte Megäre faselt sich nun einen darüber ab, warum sie und die rechtesten der Rechten in Israel das auserwählte Volk sind und alle anderen doof. Hätte sie Eier in der Hose, würde sie auch noch einwerfen, dass die alle vernichtet gehören.

    So weit verstehe ich das, aber ich kann mich irren.

  3. @ Klaus / Dierk: Man könnte auch sagen: Einem weitverbreiteten antisemitischen Stereotyp zufolge, wonach Menschen jüdischen Glaubens unweigerlich schlau und gerissen zu sein hätten, führt Frau Pyka den Beweis dafür, dass es sich auch hierbei um ein bloßes Vorurteil handelt.

    Apropos – die Links oben führen nirgendwo direkt auf Broders Textdeponie.

  4. …bin in der Sache auch noch nicht ganz durchgestiegen. Ich verfüge nicht über einen Fratzenbuch-account. Daher verstehe ich überhaupt nicht, was los ist. Ob die Fakten stimmen, die sich die Parteien gegenseitig an den Kopf werfen, weiß ich nicht.

    …könnte verstehen, daß Israelis und Juden es nicht so dicke mit Rudolf Steiner, Anthroposophie und Waldorf-Pädagogik haben. Mein Verhältnis zu diesem Esoteriker und Sektenguru ist gespannt. Ausgerechnet in Israel einen Kindergarten zu gründen, der einer wirren Lehre eines antisemitischen Mystikers folgt, stufe ich als Provokation ein. Von unüberlegter Parteinahme für Frau Wachendorf sehe ich daher ab.

    Diese zionistischen Gegner sind aber eben nicht besser. Und die von ihnen bedrängten muslimischen Bürger stellen an Kräfte, die vorgeben, ihre Interessen zu vertreten, nur geringe Ansprüche.

    …ist halt schwierig.

  5. Naja, Georgi, aus der einschlägigen Ecke etwas rational und verständlich aufdröseln zu wollen, das gleicht dem Versuch, aus einem Eimer Jauche jeden Tropfen dem jeweiligen Erzeuger zuordnen zu wollen.

    Nimm einfach mal an, dass unsere Bild-Zeitungs-Volontärin dort eine waschechte Rupert-Polenz-Allergie entwickelt hat, dem sie unentwegt von den Taliban über das Atomprogramm der Mullahs oder den Islamisten-Terror so allerlei ans Bein zu tüddeln sucht (s. die Links in ihrem ‚Artikel‘) – immer nach dem Motto: „Ich will ja nicht hetzen – aber kss, kss!“. Im Grunde beharken sich in diesem Dramolett die militant-radikale Netanjahu-Fraktion (‚jüdische Mullahs‘) und die pazifistische Anti-Netanjahu-Fraktion (‚jüdische Aufklärer‘), und zwar auf einem Stellvertreter-Schauplatz, der passenderweise ein Kindergarten ist.

    Dass ein arabisch-jüdischer Kindergarten neuerdings in einem Land Sensation machen kann, wo Araber UND Juden formal gleichermaßen zu den israelischen Staatsbürgern zählen, sagt viel über die derzeitige Situation dort aus. Israel nähert sich in meinen Augen mit Riesenschritten seinem ideologischen Erzfeind an – hie iranische Mullah-Rauschebärte, da jüdisch-orthodoxe Schläfenlöckchen, im Schädel beiderseits der gleiche Hass. Die Welt, könnte man manchmal meinen, wäre ohne Religionen ein besserer Ort …

  6. BTW: was ist „Giddel“?

  7. Giddel ist ein norddeutsch-mundartlicher Ausdruck. ‚Giddelig‘ ist etwas Trübes, was man gar nicht anfassen mag, ein Giddel ist eine Person, die auf andere so wirkt …

  8. Vielen Dank für die Erläuterung!

  9. Tutnichtszursache

    14. November 2012 at 7:09

    Die Seriöstät der „hervorragenden“ Recherche der Frau Pyka zweifele ich aus folgendem Grund an:

    Es ist anzunehmen, daß sich gerade jüdische Gemeinden an die geltenden Datenschutzgesetze halten und nicht per E-mail oder telefonisch frank und frei Daten ihrer Mitglieder oder Nichtmitglieder oder der Abonnenten ihres Gemeindebriefes preisgeben.

    Noch mehr ist anzunehmen, daß die israelische Armee keine Daten – schon gleich gar nicht telefonisch – preisgibt.

    Ein Telefonat mit einer hochgradig dementen und pflegebedürftigen Mutter ist des Weiteren auch anzuzweifeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑