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Postfaktisch – oder: à la mode schwätzen

Münchhausen / August von Wille, 1872

Münchhausen / August von Wille, 1872

Die ‚Gesellschaft für deutsche Sprache‘ kürt alljährlich ihr ‚Wort des Jahres‘. Im Jahr 2016 traf dieses allerdings höchst verdiente Schicksal das Wörtchen ‚postfaktisch‘.

Obwohl selbst der Praktikant beim Krähwinkler Himmelsboten ohne diese Krücke längst nicht mehr auskommt, beschreibt dies modische Unwort faktisch doch nur eine Unmöglichkeit, eine Realität, die gar nicht existiert – und die auch niemals existieren könnte. Niemand erhebt sich über die Fakten, und wer es dennoch versucht, der hat schlicht nur gelogen. Parallelwelten gibt es bis auf weiteres nicht.

Die Lüge ist also der Kern des Postfaktischen, entkleiden wir dieses Modewort mal seines verschleiernden Brimboriums und seines pseudo-wissenschaftlichen Dekors. Ganz einfach und natürlich stellen sich uns die Fakten dar, rücken wir dem überbordenden verbalen Talmi und all dem journalistischen Imponier-Klingeling ein wenig dichter auf den Pelz.

Wer bspw. lügt, dass der Klimawandel doch gar nicht existiere, den werden die Realität und die Fakten schon bald eines Besseren belehren. Da mag er noch so oft ‚postfaktisch‘ vor sich hin murmeln. Sein Mantra hilft ihm und seinem kleinen Gemüsegarten dann auch nicht mehr …

3 Kommentare

  1. Siewurdengelesen

    11. Dezember 2016 at 13:33

    Der Begriff postfaktisch ist seit seinem Erscheinen mein Kandidat für das Unwort des Jahres…

    • ich will nicht all zu neugierig erscheinen, aber … erklärst du mir, warum und was dich an dem wort stört?

      • Siewurdengelesen

        17. Dezember 2016 at 12:35

        „erklärst du mir, warum und was dich an dem wort stört?“

        – der Missbrauch im Übermaß seit dem Erscheinen
        – der Euphemismus dieses Begriffs, der aus nichtgeprüften Angaben viel Meinung und wenig Wissen produziert mit den ganzen hässlichen Folgen

        Wenn kaum ein Beitrag mehr ohne diese Floskel auskommt, ob sie denn passt oder nicht, kommt mir einfach nur noch das Kotzen.

        Seit dem Entfalten der Sozialen Medien ist es Usus, dass Tatsachen nicht mehr geprüft werden und daher jeder noch so unglaubwürdige Hirnfurz als gegeben hingenommen wird. Mittlerweile ist es wie zu erwarten so weit gediehen, dass gezielt Lügen verbreitet werden und sich eine zunehmend unkritische Masse gar nicht mehr die Mühe macht, diese auf ihren Tatsachengehalt zu prüfen.
        Stattdessen wird über die Lügenpresse dahergerotzt, die ausgerechnet bei deren ‚Kritikern‘ nun wieder nicht gern gesehen ist auf Veranstaltungen. Könnte ja sonst etwas Unerwünschtes nach außen dringen an Aussagen. Dieser ganze Schmodder wird dann ähnlich euphemistisch als Fake-News verharmlost.

        Wie der Filter so mancher Konsumenten funktioniert, wenn selbst offensichtliche Falschmeldungen in das Meinungsbild passen, muss ich schätzungsweise nicht darlegen.

        So nebenbei dreht sich am Ende auch hier ein Hauptteil des Geschwafels um den Begriff ‚postfaktisch‘ selbst und nicht mehr darum, was so definiert an sinnlosen und falschen Informationen durch die Welt wabert – so wie üblich halt.

        Naja – solange der Hund nur seinen Knochen zum Nagen hat…

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