Stilstand

If your memory serves you well ...

Poschardt im Schützengraben

Er schreitet voran – zumindest metaphorisch. Jetzt sieht sich der Ulf Poschardt schon im Ersten Weltkrieg angekommen. Deutsche Ärzte und Mediziner bezeichneten damals den Krieg als ein ‚Stahlbad der Seele‘, das den Menschen des ’nervösen Zeitalters‘ reinigen, von seinen Ticks befreien und zu alter Willensstärke und Manneskraft führen würde. Ähnliches verheißt jetzt auch der Guru des Neoliberalismus seinen Ideologie-Patienten in diesen Zeiten der Wirrnis:

„Das Stahlbad der Krise stellt jeden auf die Probe.“

Der wortgeschichtliche Witz solcher Durchhalteparolen besteht jetzt darin, dass der Ulf, in der Meinung feurig und martialisch mit Mörsergranaten und Flammenwerfern ‚in Stahlgewittern‘ zu fuchteln, ein gestohlenes Wortbild verwendet, das eigentlich dem Kurbetrieb entstammt, also einem ‚Dolce far niente‚, ähnlich dem Mann’schen ‚Zauberberg‘. Ein ‚Stahlbad‘ ist schlicht ein mondäner Badeort mit eisenhaltigem Wasser. Mit seinem Satz will uns also der Ulf Poschardt in etwa Folgendes sagen: „Ein Kurkonzert erträgt auch nicht jeder …

2 Kommentare

  1. möglicherweise sind Sie ihm mit Ihrer Replik auf den Leim gegangen, haben so reagiert, wie er das provozieren wollte. Als Leser der Jüngerschen Stahlgewitter.

  2. Da ist kein Leim. Ich nehme an, dass er ein eher naives Verhältnis zu Metaphern pflegt: Er nimmt sie so, wie sie ihm erscheinen …

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