Stilstand

If your memory serves you well ...

Naturkunde à la Guttenberg

Der aufklärungsbegierigen Menschheit verkündet unser allwissender Studienrat jetzt vom Katheder herab: „Taliban machen keinen Winterschlaf.“. Mal abgesehen von dem kranken Verb ‚machen‘ – Pinguine, Manager, CSU-Mitglieder, Roma oder Fernsehmoderatoren versinken zum Beispiel auch nie in Winterschlaf … nur werden solche blanken Selbstverständlichkeiten nicht auch noch gedruckt und so zur ‚Politikerweisheit‘ aufgeblasen. Da kaufe ich mir doch lieber ’ne richtige Sülzwurst …

7 Kommentare

  1. Allerdings wurden [und werden in manchen Kulturen] Pinguine oder Roma ähnlich wie Taliban behandelt.

  2. ‚Pinguine‘ nannten wir in meiner Schulzeit die katholischen Ordensschwestern, die sich in unser protestantisches Milieu verirrt hatten. Vielleicht war das ja auch schon ‚Verfolgung‘?

    Unser Ober-Armani mit seiner Fähigkeit, trotz zumeist wohlgestelzter Worte wenig bis nichts zu sagen, der geht mir jedenfalls zunehmend auf den Senkel …

  3. Pardon, sehe ich etwas anders: Dis ist einer der vernünftigsten Sätze, den der Gute je gebracht hat (imho).
    Das „machen“ geht in Ordnung; es ist seiner Zuhörerschaft geschuldet. Wie traurig würde es denn für den deutschen Landser klingen, falls er das Wort „versinken“ verwendet hätte? Versinken drückt Passivität aus, Hilflosigkeit und Ohnmacht aus; zeichnet nachgerade ein dystopisches Bild des Untergangs. „Machen“ hingegen steht für Kraft und (Selbst-) Bewußtsein und einen eisernen Willen („Pause machen“).
    „Der Taliban“ an sich wird somit zu einem ernsthaften und ehrenvollen Gegner. Wenn wir gegen so einen Feind, der niiieee Winterschlaf macht, vielleicht sogar seine die Ejakulation um Stunden hinauszögern kann, verlieren, so ist das wahrlich keine Schande. Im Gegenteil: „Der Taliban“ ist überall und wir in der Minderzahl. Assaoziationen an Sparta lassen grüßen; der Taliban? ein Perser sowieso! Wir sind nicht Sparta! Wir sind wachsam („Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein“).
    Auf der anderen Seite, drückt Gutti noch etwas anderes aus: Unseren tiefgehegten Wunsch endlich einen Winterschlaf (Frieden!) halten zu drüfen, wenn man uns nur ließe.
    Jeder, der uns daran hindert ist somit ein Taliban, jeder der den inneren Schweinhund überwindet, ein braver, siegreicher und friedfertiger dt. Landser. Von hier zur Kritik an den Fianzmarktakteueren ist es nicht mehr weit.

    Das ist das was die (kämpfende) Truppe / Heimatfront hören will!

    Auf Wiedersehen auf dem Boulevard!

    p.s. war doch die Rubrik Dummwatz, oda? Mir war danach…

  4. Ach – wenn’s doch bei unserem Gutti statt heißer Luft auch mal eine veritable Verbal-Ejakulation gäbe … wie befruchtend für die Truppe wäre das denn?

    Nehmen wir nur Friedrich den Großen. Wie sprach dieses beispielhafte militärische Vorbild in kernigstem Soldatendeutsch sein Kanonenfutter an: „Ihr verfluchten Racker, wollt ihr denn ewig leben?“

    😉

  5. Es fällt schon schwer unserem Kriegsminister etwas Vernünftiges in den Mund zu legen. D’accord.
    Friedrich der Große? Zu groß, zu ehrlich. Ach Herrje; wie wär’s mit einem Filmzitat aus Steiner: „Und Ich zeige ihnen, wo die Eisernen Kreuze wachsen!“

    Bin jetzt stille

  6. In dem Interview steht, dass er froh ist, „…dass wir nicht mehr mit Euphemismen arbeiten müssen.“
    Müssen wir? Und wer ist „wir“? Aber dass er zugibt, dass zuvor nur Lüge war, doch doch, schon erstaunlich. Aber merkt das einer in der der Welt-Kundschaft? Will das überhaupt einer bemerken?

    Ich sagte meinem Sohn heute: Wie wäre uns wohl zumute, wenn plötzlich schwerbewaffnete afghanische Soldaten in Castrup-Rauxel oder Berlin patrouillierten? Kurz: Was haben deutsche Soldaten da unten zu suchen? (Natürlich wissen wir’s. Und es ist nicht „Euphemismus“, die Wahrheit nicht auszusprechen, sondern, äh, nunja, … schmutzige Politik).

  7. @ jeeves: Beim Adel ist dieses „wir“ nur grammatisch zu verstehen, als ‚Plural majestatis‘. Er meint also ‚ich‘, wo er ‚wir‘ sagt …

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