Stilstand

If your memory serves you well ...

Nanu?

Was treiben denn ‚russische Bürger‘ da auf ukrainischem Territorium? Als putin- und russlandgläubiger Mensch dachte ich bisher, da gäbe es gar keine:

„Wenn russische Bürger angegriffen werden, ist das ein Angriff auf die Russische Föderation“, sagte Lawrow am Mittwoch dem englischsprachigen Sender Russia Today.

Dass man seinen Landhunger stets ‚Verteidigung‘ nennt, ist übrigens der älteste PR-Stunt der Welt … jetzt fordert Lawrow auch noch den Abzug der Bundeswehr aus der Bundesrepublik. Ach nee, da habe ich mich verdaddelt: Er fordert den Abzug ukrainischer Truppen aus der Ukraine.

Apropos – noch so ein Hinweis auf die Dienstleistungen der russisch-orthodoxen Kirche dort. Das Moskauer Patriarchat und das Kiewer Patriarchat sind sich nämlich in Erzfeindschaft verbunden. Da gilt es wohl mal wieder ‚Seelen zu retten‘ und die Missionierung vorzubereiten:

„Prior to the operation, Ukrainian security officials had discovered the city’s monastery, the Svyatohirsk Assumption Lavra of the Moscow Patriarchate, served as a military base for the insurgents who have besieged the region.“

Und wo’s schon keine Wahlen geben darf, sind vielleicht Befragungen des ukrainischen Volks ganz nützlich für die Argumentation – die wollen nämlich ganz und gar nicht zu Väterchen Vladimir. Nein, das ist keine CIA-Studie, das ist eine Menschenrechtsgruppe in Charkiw:

„The results coincide with the findings of a survey carried out by Civic Watch; the Democratic Initiatives Foundation; and the EU-Ukraine Bridge in all regions, including the Crimea from March 16 to 30. An absolute majority (89%) consider Ukraine to be their motherland. Only 8% support the idea of regions breaking away from Ukraine and joining another country. Even in Donbas [Donetsk and Luhansk regions] only 18% were in favour (against 0.5% in the West of Ukraine). 9.5% in southern Ukraine support the idea of south-eastern regions joining Russia; 11% in the east; and 27% in Donbas. Only 6% of the population would like their oblast to secede from Ukraine and create its own independent state (the largest number were in Donbas – 17%; the least in the West – 2%).“

21 Kommentare

  1. Hallo Klaus, kann es sein, dass du dich gerade todesmutig dem Zeit-Kommentariat entgegenstellst? Traurig finde ich die vielen „Chamberlains“, die bereit sind, nach und nach Teile der Ukraine Putin zu überlassen, in der Hoffnung, dann sei sein Hunger gestillt. Dabei wird nicht nur die Souveränität der Ukraine ignoriert, sondern auch die weitreichenden Konsequenzen dieses Vorgehens. Ich habe Angst.

  2. Yep – wir stehen in meinen Augen an der Schwelle eines Krieges. Erst gab’s als Appetithappen das ‚Rheinland‘, auch Krim genannt. Jetzt ist das Sudetenland dran, auch “Noworossija‘ genannt. Wer weiß, was dann kommt. Und ‚München‘ heißt heute ‚Genf‘.

    Den entscheidenden Fehler hat, glaube ich, Merkel früh gemacht, als sie gleich anfangs verkündete, dass ‚militärische Mittel selbstverständlich für den Westen nie in Frage kommen‘. Die wird sich noch wundern.

    Seither spielt Putin ganz beruhigt mit dem Westen wie die Katze mit der Maus, ein wenig Kralle hier, ein wenig Desinformation dort … und er macht das völlig zu recht. Es sind ja auch Mäuseriche, die in der Schule gefehlt haben, als ‚Geschichte‘ dran war. Unsere vernagelten Linken und Rechten juchzen händchenhaltend und im Chor dazu, weil für sie der Feind immerdar im Westen und an der Wallstreet steht …

    Ich könnte kotzen.

  3. So viel kann ich gar nicht fressen…

    Das Schlimme ist ja, dass wir friedliebenden Menschen hier uns gar nicht vorstellen können (und wollen), dass solche Aussagen in Russland als Schwäche interpretiert werden.
    Ich muss ja zugeben, dass ich bis vor kurzem Putin ja ähnlich wie hardy (als „Krokodil“) gesehen habe, als unsympathischen Autokraten, aber irgendwie „vernünftig“. Zwei Jahre lang habe ich alle Versuche abgewehrt, mich von der Gefährlichkeit der Entwicklungen in Russland (Machtvertikale, Nationalismus, Ausschalten der politischen Opposition, „der große vaterländische Krieg“ als nationales Symbol, Verklärung des Stalinismus (ohne Kommunismus, natürlich), die Träume von einem russischen Imperium, etc.) überzeugen zu lassen. Das waren ja keine Dinge des 21. Jahrhunderts, wichtiger erschienen mir Themen wie Neoliberalismus, NSA, Europapolitik. Die Ereignisse der letzten Monate haben mich in eine Zeit geworfen, die ich für längst vergangen hielt, und mein Weltbild erschüttert. Und, für die wir auch komplett unvorbereitet sind.
    Doch, was tun? Ich weiß es nicht, am liebsten wäre mir wohl eine Blauhelm-Mission, aber Putin wird das nicht zulassen.

  4. tcha,

    das kommt dabei raus, wenn man sich das wort „sowjetmensch“ erst mal im eigenen kopf in „russische bürger“ übersetzen muss.

    ansonsten, macht mal halblang ihr zwei, wir sind nicht in den 30ern, putin ist nicht adolf reloaded und die geschichte läßt sich hier nur im sinne der „schlafwandler“ bemühen. ich habe also weniger angst vor einem „plan“ als vor „planlosigkeit“.

    darf ich euch das gestrige dossier von marc thörner im dlf empfehlen? neue waffen neue kriege. thörner ist einer der leute im dlf, von denen ich mich immer gut über das, was du bundeswehr so in afghansistan treibt informiert fürhle und wenn ich das recht erinnere, war er auch an der begutachtung des ersten wikileaks videos beteiligt.

    ansonsten: ich habe mir gerade drei ganze stunden „hitler’s tod“ in zdfInfo verabreicht und frage mich, ob wirklich jemand so blöd ist, etwas anzufangen, dessen ende doch abzusehen ist. der russische waldi denkt, er tanzt noch auf dem seil, ich denke, er ist schon beim 12. stock abwärts und glaubt immer noch, er kann fliegen.

  5. @saiz

    das wird dir auch nicht gefallen: umstrukturiereung beim „russischen facebook“

  6. Leicht OT: Jens Berger kommentiert heute auf den NDS einen Artikel aus der „Zeit“:
    „Putins abgeschwächter Staatskapitalismus hat jedoch auch dazu geführt, dass die es den normalen Menschen deutlich besser geht und das eine echte Mittelschicht entstehen konnte. Wer will den Russen da verdenken, dass sie nicht viel von wirtschaftsliberalen Reformen halten? Überzeugte Transatlantiker wie Joffe werden wohl nie verstehen, dass die Menschen im Zweifel lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach haben wollen und die neoliberalen Märchen vom allgemeinen Wohlstand längst durchschaut haben. Und nach den nackten Zahlen sind „autoritäre“ Staaten wie Russland oder China nun einmal die Systeme, in denen die Menschen im letzten Jahrzehnt am meisten am wirtschaftlichen Aufschwung partizipiert haben.“ (Auszug)
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=21513#h02

    Ich bin dann mal auf sein neues Buch gespannt…

  7. Die ‚Nachdenkseiten‘ haben sich inzwischen aus jedem ernsthaften Diskurs verabschiedet. Wie kann er dort von ‚Lebensqualität‘ tirilieren, wo Millionen Menschen wegen lächerlichster Vorwürfe in Gefängnissen und Straflagern sitzen? Wo politische Morde Alltagsgeschäft sind? Wo die Zensur alles und jeden erfasst? Auch deshalb wollen die Ukrainer mehrheitlich – und auch im Osten – keineswegs an Putins Rentenfleischtöpfe (s. die zitierte Studie oben im Text).

    Die russische Mindestrente liegt übrigens bei 60 Euro, nach den jüngsten Kursstürzen kaufkraftmäßig wohl noch tiefer … und der knallkapitalistische Multimilliardär Vladimir Putin schwört die Menschen ja schon auf ein Tal von Blut, Schweiß und Tränen ein, woran wieder mal nur die böse Wallstreet Schuld haben soll.

    Mit anderen Worten: Es wird noch schlimmer … doch fern aller Fakten lässt es sich aber am ungestörtesten jubilieren. Mich erinnert das alles fatal an jene Schriftsteller, die in der Zwischenkriegszeit zu Väterchen Stalin reisen durften und dann von den Wundern der Moskauer U-Bahn und dem ‚Easy Living‘ auf den Kolchosen schwärmten, während gleich nebenan der Holodomor Hunderttausende Ukrainer bis in den Kannibalismus trieb – mit der rühmlichen Ausnahme von Oskar Maria Graf und André Gide allerdings …

    Alles Propagandamärchen werden sie sagen – und sich so wieder mal selbstverschuldet blind machen. Potemkin war ja auch ein Russe …

  8. @Klaus Jarchow
    In den USA sitzen noch mehr Menschen (pro 1000 Einwohner) in Gefängnissen. Auf Basis ihrer Argumentation sind die Gründe dafür dann dort (in den Staaten) noch lächerlicher? Oder sind die Amis einfach krimineller? Oder haben wir ein bißchen zu viel US-Propaganda inhaliert?
    Kommen Sie zurück auf den Boden der Realität.

  9. @hardy
    keine Sorge, die Drohnenkriege der Amis werde ich ganz sicher nicht befürworten, der Feind meines Feindes ist noch lange nicht mein Freund. Und mit Großmächten habe ich es generell nicht so. Ich teile auch nicht die Meinung der USA bzgl. Russland/Ukraine, eher umgekehrt, sie teilen (in diesem Fall) meine 😉
    Ich habe übrigens 1991 Nord-Pakistan bereist – ein wunderschönes Land und tolle Menschen -, und ich war auch in Peshawar, damals ein riesiges Waffen-Shopping-Center…
    Von der Sache mit dem russischen Facebook vkontakte habe ich schon gehört. Dazu passt, dass Snowden seine Beteiligung an Putins Fragestunde damit erklärte, er wolle den Präsidenten zu einer Aussage bringen, die sich dann überprüfen und widerlegen lasse. Macht führt halt (in den allermeisten Fällen) irgendwann zu Machtmissbrauch.

  10. @Herr Karl und Klaus
    Ich habe die Wirtschaftsbeiträge von Jens Berger immer sehr geschätzt, hier würde ich aber unbedingt den kürzlich auf arte ausgestrahlten Dokumentarfilm „Enteignung auf russisch“ (ca. 90min) empfehlen. Die dort geschilderten Zustände treffen natürlich auch auf die Ukraine zu, damit lassen sich sowohl die Wut auf das Janukowitsch-Regime, als auch das Verhalten der Machthaber und Polizei im Donbass erklären:
    http://www.youtube.com/watch?v=vpHQVuNRUrU

    Bei NDS wird ja die Ukraine gerne als nächstes Griechenland dargestellt. Auch ich habe im Gespräch mit Ukrainern gerne auf die Gefahren des Neoliberalismus hingewiesen. Die Antwort war jedoch immer, alles sei besser als das herrschende kleptokratische Feudalsystem ohne irgendeine Rechtssicherheit. Erst wenn letztere gegeben sei, könne sich überhaupt eine Zivilgesellschaft und eine politische Kultur entwickeln. Diese „paternalistische“ Einstellung einiger Linken (mich eingeschlossen) hat der slowenische Philosoph Slavoj Zizek kritisiert. Sein Artikel trägt den fast schon provokanten Titel „What Europe can learn from Ukraine“ und bietet einen erfrischend anderen Blickwinkel auf die Maidan-Bewegung.
    http://inthesetimes.com/article/16526/what_europe_can_learn_from_ukraine
    Angesichts der konkreten militärischen Bedrohung wird die von ihm beschriebene Chance aber leider wohl Wunschdenken bleiben…

  11. Das dualistische Denken all dieser Putin-Jubler ist das Kernproblem: Wenn sie die einen schwarz anmalen, dann müssen die anderen natürlicherweise weiß gebauchpinselt werden. Sie sind Manichäer – allesamt. Dass beide Seiten ziemlich giddelig sein könnten, kommt ihnen nicht in den Sinn, obwohl es ein klarer Denkfortschritt wäre. Sie kennen keine Grauwerte und finden sich in einer Welt ohne ‚Gute‘ nicht zurecht. Arme Hascherln sind’s … Beute jeder Propaganda.

  12. @ QuestionMark: In den USA sitzen allerdings sehr viele Menschen in den Gefängnissen. Zumindest aber hatten sie eine Gerichtsverhandlung auf gesetzlicher Grundlage. Das ist der Unterschied. Tscha, und die Ausstattung der Gefängnisse ist dort auch ein wenig besser …

    Dass das amerikanische Geschworenensystem (das ‚Volk‘ als Richter) aufgrund seines latenten Rassismus dabei Schwarze sehr viel härter bestraft als Weiße ist mir auch klar. Hinzu kommt der fatale ‚War on Drugs‘ und ein Anwaltssystem, dass Chancen fast nur noch Wohlhabenden einräumt.

    Zumindest aber wird in den USA eine breite Debatte darüber geführt, die allerdings solange fruchtlos bleiben wird, wie die Tea Party über eine unangemessene Medienmacht verfügt. Man stelle sich vor, hierzulande dürfte der ‚Mann von der Straße‘ über die ‚Verbrechen der Roma‘ urteilen … das Ergebnis wäre auch hier vorhersehbar. Wegsperren ist immer die Lösung der Armen im Geiste. Wovon ich Putin jetzt mal ausdrücklich ausnehme …

    Ansonsten gilt das, was ich soeben über Grauwerte gesagt habe: Die mangelhafte amerikanische Justiz macht das Putin’sche System nicht besser.

  13. @Saiz
    „Ich habe die Wirtschaftsbeiträge von Jens Berger immer sehr geschätzt“
    Ich auch, bisher.

  14. @ Saiz: ‚arte‘ ist doch nur so ‚ein westlicher Propagandasender‘. 😉

    Doch im Ernst: Mich erinnert das Ganze fatal an die Entstehungszeit des westlichen Kapitalismus, der ja auch aus Piraterie und Sklavenhandel emporwuchs. Konkret in diesem Fall an die englischen ‚Enclosures‘, wo das gesamte Bauerntum ohne weitere Rechtsgrundlage von seinem Land vertrieben wurde, das danach ersatzlos an die Gentry fiel. Das war das Ende des ‚freeborn englishman‘.

    Der Historiker Edward P. Thompson hat darüber ganz aufschlussreiche Bücher geschrieben. Ganz England wurde danach auf einmal von obdachlosen Menschen überschwemmt, ‚poor laws‘ mussten prompt her, um Gefängnisse, Soldatenpressen und KZs, die sogenannten ‚Armenhäuser‘, zu schaffen, nur weil eine kleine skrupellose Schicht den Sozialvertrag gekündigt hatte und lieber Wildwest spielte. So entstand dann die ‚City of London‘. Tobias Smollets ‚Roderick Random‘ gibt eine ganz plastische und überaus lesenswerte Schilderung jener Zeit.

    Der Unterschied ist, dass wir unsere Gangster – euphemistisch auch ‚Kapitalisten‘ genannt – in jahrhundertelangen sozialen Auseinandersetzungen halbwegs gezähmt haben, obwohl ihre Absichten dieselben sind. In Russland laufen sie aber noch im Naturzustand durch die Gegend. Kein schöner Anblick …

    Dem Albrecht Müller ist, glaube ich, sein Buch über Medienmacht nicht bekommen. Seither sieht er überall nur noch ein ‚Medienkomplott‘. Und aus der Kommentatoren-Meute macht er gleich mal ‚das Volk‘, obwohl die deutsche Meinungslandschaft ganz anders aussieht, als der gespielte Entrüstungssturm dieser paar Hanseln, die dort mit den ewiggleichen Argumenten herumwedeln.

  15. Ich vertraue ja auch lieber den objektiven russischen Medien als der westlichen Propaganda 😉
    Da findet man nämlich so interessante Meldungen wie über den Anti-Terror-Einsatz in Dagestan vor drei Wochen…

    http://de.ria.ru/politics/20140402/268189552.html

  16. Es ist höchste Zeit, dass auch in Dagestan ein Kadyrow inthronisiert wird, der dort auf bewährte Weise für Ruhe und Ordnung sorgt.

    Aber ach, man sollte in solchen Fällen vielleicht nicht aus Hilflosigkeit ironisch werden …

  17. @Klaus
    Doch, Humor ist auch eine Waffe.

    Ich war heute Abend auf einer Podiumsdiskussion mit Andreas Umland, dem Ukraine-Experten von der Mohyla Universität Kiew. Nicht gerade beruhigend, dennoch hat es gutgetan. Interessant fand ich seine klare Aussage, der Rechte Sektor habe gerade durch die russische Medienberichterstattung Zulauf bekommen. Er fing auch meine Frage nach dem Einfluss russischer Nationalisten im Osten sofort auf und bestätigte unsere Vermutungen. Die zweite Rednerin, eine ukrainische Menschenrechtsaktivistin, die über die ukrainische Linke referierte, sprach mich daraufhin noch auf die Montagsdemos an und versprach, mich auf dem Laufenden zu halten.
    Ach so, Hans Modrow (ja, der) war auch da, und stellte eine unverständliche, dafür umso längere Frage, irgendwas mit Nato…
    Herr Umland erwartet (im Gegensatz zu den anwesenden Ukrainern) übrigens keinen Einmarsch. Krieg ich jetzt auch Hausverbot?

  18. Nee – du sicher nicht. Aber spieltheoretisch gesehen, steht die Ukraine vor einer Patt-Situation. Versucht sie militärisch die Herrschaft über ihr souveränes Territorium zu bewahren, marschiert die russische Armee wegen der anhaltenden Bedrohung ‚russischer Staatsbürger‘ ein. Hält sie sich zurück, kommt es zu irgendeinem inszenierten ‚Vorfall‘, die Hooligans in den Rathäusern rufen prompt wie angestochen um Hilfe – und die russische Armee marschiert auch ein. Etwas Drittes sehe ich nicht …

    Ich mag mich irren, aber so pessimistisch bin ich inzwischen nun mal gestimmt. Trotzdem wäre es schön, wenn ich mich irre … jedenfalls Putin nur als beleidigte Leberwurst zu sehen, wie diese Diskutanten bei Maischberger gerade, scheint mir auch etwas zu ‚küchenpsychologisch‘ gedacht. Ein psychisch schwer verletzter Mann – und dahinter gar kein Plan? Das ist eine Unterschätzung Putins. 40.000 Mann in Marsch zu setzen für nichts und wieder nichts, das ist als bloßer Bluff wohl etwas zu kostspielig, jeder Tag einer mobilisierten Armee kostet -zig Millionen. …

    Der Umland hat meines Wissens den Dugin wie kein anderer seziert, wie kommt er bloß jetzt auf so etwas? Worüber wollte dich die Lady auf dem Laufenden halten?

  19. Hier der Artikel von Umland zum Genfer Abkommen:
    http://ukraine-nachrichten.de/wie-putin-schaffte-dass-westen-annexion-krim-billigte_3988_meinungen-analysen

    Nun ja, kein Einmarsch bedeutet ja nicht, dass Putin aufgibt. Er kann die Spannung aufrechterhalten und damit die Regierung zu Konzessionen zwingen, d.h. die Föderalisierung erzwingen, ihm genehme Gouverneure einsetzen, ein russisches Protektorat schaffen. Erst aber einmal die Wahlen verhindern. So etwas nennt sich dann Verhandlungen.
    Umland ist bestimmt kein Verharmloser. Er bezeichnet sich selbst als (echten!) Putinversteher.
    Ich denke, Putin lässt sich beide Optionen offen. Also Pest oder Cholera.
    Die Dame beobachtet die Querfront mit großer Sorge und da ich ihre Sorge teile, wollte sie mir Informationen zukommen lassen.

    Und hier noch der Artikel von Umland zum Genfer Abkommen:

  20. Er hat aber nicht nur die hilflose Ukraine zum Filetieren vor sich, sondern eine russische Bevölkerung und auch etliche Mitmächtige hinter sich, die von einem tatkräftig röhrenden Zaren erwarten, dass es vorangeht. Er steckt jetzt in einem Film fest, der nicht langweilig werden darf, er muss auf seinem Hometurf gleichfalls die Spannung aufrechterhalten, sonst werden ihm die alten Probleme des Landes schon bald wieder unter die Nase gerieben. So ganz ‚losgelöst‘ ist unser Autokrat dann also auch wieder nicht … sicher bin ich mir derzeit nur, dass die russische Seite wirklich freie Wahlen um jeden Preis verhindern wird. Die erwähnten Diskutanten gestern mit ihrer Bratwurst-Diplomatie gingen mir jedenfalls erheblich auf den Keks.

    Nun ja, wir werden sehen. Genf war eine Art ‚München‘ – das sieht Umland ganz richtig. An den Infos der Dame wäre ich auch interessiert.

  21. @saiz

    [..] keine Sorge, die Drohnenkriege der Amis werde
    [..] ich ganz sicher nicht befürworten

    für mich sieht’s so aus: die grateful dead haben mal wahlkampf für obama gemacht … heute halte ich den mann für einen verbrecher, eben wegen dieser drohnen sache. wie auch immer, er ist dafür als angeblicher chef seines landes _verantwortlich_, da beisst die maus keinen faden ab. selbst, wenn ich ihn nicht für einen verbrecher halten würde, für einen totalausfall müsste ich ihn trotzdem verbuchen.

    [..] vkontakt

    mir drängt sich immer mehr das bild vom überschreiten des rubicons auf: man kann ja das, was er da gerade militärisch veranstaltet für den teil eines „tanzes“ halten, mich beunruhigt das mit vkontakte mehr.

    das hat so was von „die maske fallen lassen“.

    @klaus

    dummerweise sind ja alle, die kein fixfertig urteil in der tasche haben, auf „küchenpsychologie“ angewiesen. du hast es da einfach, du glaubst an einen plan – ich mehr an ein „fahren auf sicht“, bei dem ein bißchen der kurs verloren gegangen ist.

    ist aber egal, weil am ende ja eh sich alle fragen nur von den historikern zu klären sein werden. wir können nur rätseln, weil wir ja nicht alles wissen, was wir wissen müssten. wir wissen zb. nicht, sind die russen nun in den nato luftraum eingedrungen oder nicht.

    wir können uns nur so unsere gedanken machen 😉

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