Stilstand

If your memory serves you well ...

Nanu?

Die niegelnagelneuen Volksrepubliken bezahlen uns keine Pensionen mehr? Oha, das hat uns niemand gesagt. Aber, naja – Pensionen sind ja eh nur ein Relikt bourgeoiser Verhältnisse unter einem faschistischem EUSA-Regime … außerdem ist der Rubel ja eh nichts mehr wert.

Das Tatsachenverdrehen geht derweil munter weiter. Das russische Staatsfernsehen: „Ukrainian soldiers despite Minsk agreements yesterday attempted breakthrough to the Donetsk airport.“ Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Der Flughafen von Donezk ist seit Beginn des Minsker Abkommens fest in der Hand ukrainischer Truppen. Wenn also irgendwer dort derzeit ‚durchzubrechen‘ versucht, dann sind es die anderen, beste Propagandatröten.

Frage an einen Ober-Schimpansen der Rebellentruppe aus der befehlsgemäß angetretenen Menge dort in Pervomaisk: „Warum schießt ihr aus unseren Wohnvierteln heraus?“ Bölk-Antwort (grob übersetzt): „Who has said that? Step forward! Who was smart enough to say that? Ask Poroshenko why he is shelling central quarters. If it will be required we will fire from any apartment of any city. That’s a dumb-ass and a provocateur who has said that. We should shot him so others won’t ask questions like that.“ Es scheint mir, sie gewinnen dort zunehmend die volle Unterstützung des Volkes …

9 Kommentare

  1. …und in der Duma toben sich die Trolle aus:

    Während der Sommerpause des Parlaments haben Abgeordnete neue Initiativen erdacht. Sie fordern:

    * eine Rückbenennung des Inlandsgeheimdienstes FSB in KGB,
    * das Verbot von nichtrussischen Wörtern in der Werbung,
    * einen Neuanstrich des Kremls mit weißer Farbe als Sinnbild „der Vorherrschaft der Moralnormen und der Sittlichkeit im täglichen Leben der Bürger und Regierenden“,
    * das Verbot westlichen, gesundheitsgefährdenden Schuhwerks wie Stöckelschuhe oder Mokassins,
    * eine Verfassungsänderung, die Russland von der Vorherrschaft des Internationalen Rechts befreit,
    * das Verbot des Staatsdienstes für Bürger, die Verwandte im Ausland haben,
    * die Einführung eines nationalen Feiertags am Geburtstag von Wladimir Putin,
    * ein neues Design des 100-Rubel-Scheines, da auf dem jetzigen Schein die Geschlechtsteile der Apollo-Statue auf dem Gebäude des Bolschoj-Theaters sichtbar sind,
    * und die Einführung von „Politinformationsstunden“ und „militär-patriotischer Erziehung“ in den Schulen.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-09/russland-putin-meldungen/komplettansicht

  2. Wovon damit abgelenkt werden soll, ist offensichtlich – davon, daß die Streitkräfte auf Kosten des Bildungs- und Gesundheitswesens und der Lebensmittelversorgung gemästet werden:

    According to experts surveyed by Novyye Izvestiya concerning changing budgetary priorities of the Russian government, “2015 promises to be the last year of relative stability” in Russia before belt-tightening and stagnation of the kind that recalls the period which led to “the collapse of the Soviet empire.”

    In the September 25 issue of that Moscow paper, Sergey Putilov writes that because of its isolation from the West, Moscow is being forced to find its own funds to pay for increases in defense and “projects of the century” by cutting money that had been going to health, education, and food for the population.

    http://www.interpretermag.com/putin-war-budget-gives-less-to-health-education-agriculture-and-even-crimea/

  3. Wirklich ein Knaller – trotz der Traurigkeit solch dümmlich menschhaften Verhaltens mußte ich lachen.

    Berichte hierüber werden gewiß zum Russland-Bashing umgemünzt.

  4. Nach der Regel, wonach Staatsbedienstete keine Verwandten im Ausland haben dürfen, wäre Putin als erster sein Amt los. Solche Forderungen sind also höchst subversiv.

    😉

  5. In Stachanow machen derweil die Volksvertreter ganz konkrete Vorschläge, wie die Bevölkerung an ihre Renten kommen soll. Die eigene Kasse sei zwar leer, aber die Betroffenen sollten doch einfach in ukrainisch kontrolliertes Gebiet fahren und sich ihre Renten dort auszahlen lassen (Video 1). Und was die requirierten Wohnungen und Autos angeht, nun ja, das geschehe für die gute Sache und treffe auch nicht die Falschen (Video 2). Oh wie schön ist Neurussland 😉
    Beide Filmchen hier, aber leider nur auf russisch:

    http://tribun.com.ua/21600

  6. @ Saiz: Nee, nee, nee, für den Wohlstand in ihrer famosen Republik müssen die Desperados jetzt schon ganz alleine sorgen. Sie sagen ja selbst, sie seien nun unabhängig. Vielleicht hilft ja der Onkel Vladimir mit einer Spende aus, ersatzweise könnten sie auch Janukowitschs ‚Assets‘ ein wenig beschlagnahmen, dem gehört schließlich halb Lugansk. Oder sie verkaufen einige von ihren Buks und Panzern an Interessenten in Tschetschenien …

    😉

  7. In Antrazyt (der Ort heißt wirklich so) gibt es jetzt eine weitere „Kosakenrepublik“. Babay ist wieder da.
    http://de.burkonews.info/antrazyt-soziale-proteste-und-interne-zusammenstoesse/
    http://timedotcom.files.wordpress.com/2014/04/cossack-slavyansk.jpg?w=280

    Die „Kosakenrpublik“ in Stachanow konsolidiert sich; nur noch drei Fraktionen übrig geblieben.

    http://de.burkonews.info/interner-gruppenkrieg-donezk/

    Der Schulbus könnte von Volksrepublik Petrow beschossen worden sein. Von der Ausrichtung des eingeschlagenen Projektils würde das passen. Der Petrowski Distrikt liegt südwestlich von Donezk. Und die obige Meldung ist von den Vortagen, so dass es sich in das Bild um Machtkämpfe innerhalb des prorussischen Haufens einfügen würde.

  8. Der strake Mann in Stachanow ist im übrigen der da:
    http://sovietoutpost.revdisk.org/?p=244

    Und wenn man sich diese Geschichte aus dem Jahr 2004 anschaut, hat er inzwischen eine erste Schülergeneration, die er zehn Jahre lang indokrtinieren konnte. Seit 2007 unterstützt Russland koskaische „Kadettenschulen“ in Waisenheimen auch offiziell. Ob man das ernst nehmen muss, weiß ich nicht. Aber wenn es mehr als Folklore ist, könnte es schön eine interessante Eigendynamik entwickeln.
    http://www.jta.org/2004/09/01/life-religion/features/a-cossack-revival-in-russia

    In dem Sinne, dass sich dort wieder feudale Khanate mit unklaren Grenzen entwickeln.

  9. @ someone: Ergreifend ist die ’soziale Fürsorge‘, die in diesen Republiken herrscht: „Es finden auch Massenproteste der Zivilbevölkerung statt, die mit der Forderung nach Auszahlung ihrer Löhne, Renten und sozialer Hilfeleistungen auf die Strasse herausgekommen sind. Die örtlichen Behörden, in der Person der russischen Kosaken, haben in einer äusserst harten Form auf die soziale Spannung reagiert und haben den Einwohnern mit Erschiessung gedroht.“ Motto: Was erlauben sich Pöbel, will an unser Geld!

    Ganz nebenbei: Wenn irgendwer das Gebiet ‚Novorossijas‘ aus geschichtlichen Gründen halbwegs begründbar für sich beanspruchen dürfte, dann sind es nicht die Russen, sondern die Kosaken. Sie waren gewissermaßen die ‚Apachen des Ostens‘, freie Reitergruppen, die sich als Antwort auf die Überfälle der Krimtartaren formierten. Entlang des Schwarzen und Kaspischen Meeres wurden sie in den entvölkerten Steppen zu ‚Ureinwohnern‘, ein überaus bunter Haufen. Lies mal Tolstois ‚Hadji Murat‘, worin er die grausame Ausrottung und Unterwerfung der ‚wilden Völker‘ beschreibt. Übrigens haben nicht die Russen, sondern die Kosaken ganz Sibirien ‚für den Zaren‘ erobert. Und noch ein ’nebenbei‘ für Alu-Hüte. Wenn irgendwer sich im 20. Jhdt. den Titel des ‚Faschisten‘ verdient hat, dann war das weniger Bandera, sondern es waren vor allem die Kosaken, die in ganzen Verbänden Seite an Seite mit der deutschen Wehrmacht kämpften.

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