Stilstand

If your memory serves you well ...

Moderation im Sündenpfuhl

Ich frage mich, was der Alexander Kissler, das Stahlgewitter vom ‚Cicero‘, bei so viel Einigkeit da überhaupt noch ‚moderieren‘ musste?

„Die acht Teilnehmenden beziehen zumeist alle die gleichen Positionen, eine Debatte findet nicht statt. So werden eben jene Themen angesprochen, die die Rechte bewegen. Die angeblich drohende Auflösung der Familie durch das Recht auf Abtreibung. Homosexualität, Transgender, Gender-Mainstream, Selbstbefriedigung und selbstbestimmte Sexualität werden als Sünde deklariert, während eifrig dagegen gehetzt wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fabulieren dazu ein „Naturgesetz“ herbei, das die Familie (Mann, Frau und Kind) darstellen soll. Der „moderne Zeitgeist“ in Deutschland wolle hingegen die „natürliche“ Familie zerstören. Wie in neurechten Debatten üblich werden die 68er-Bewegung und der Feminismus an den Pranger gestellt.“

5 Kommentare

  1. klaus,

    was die burschen in WKI betrifft, tue ich mir immer ein bißchen schwer, sie so in bausch und bogen zu verurteilen. leute wie jünger sind kinder ihrer zeit, so wie wir welche sind. uns fällt es leicht, den stab über sie zu brechen, wir leben halt in einer anderen welt. ih werde mir also jünger, wenn mir ein exemplar in die hand fällt, sicher hören und fand diesen beitrag im br

    ich fand zb. diesen beitrag von bruce chatwin über jünger

    http://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-bG/_-9S/5-4f_A4d/47303f46-e4dc-47be-a068-9d6facb42a18_2.mp3

    oder die rede von jünger selbst, die teil einer br texte sendung war (blöderweise ist sie online verschwunden), lag mal hier

    http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiotexte-am-dienstag/ernst-juenger-krieg-100.html

    nicht so schlimm, daß ich alles, was er sagt, in bausch und bogen verwerfen würde – eher eben in zeit und raum verordnen muss.

    das gilt übrigens auch für deinen großvater 😉

    für uns ist es leicht, sie zu verurteilen und – wenn sie sich selbst mit den augen von heute betrachten könnten und distanz zu sich selbst bekommen könnten, würden sie es ja vielleicht auch selbst tun.

    aber sie sind halt mit anderen ideen aufgewachsen als wir und vieles von dem, was für sie „romantisch“ war, verlor seinen reiz wohl in verdun (wo jünger, soweit ich weiss, nie war)

    ich finde heidegger viel übler …

  2. Naja – dieser Ernstl, der fand den Adoof zurecht ziemlich doof, so dass er auch nie allzu tief ins Braune getunkt werden konnte. Dem pöbelhaften NS-Gejodel fühlte sich der uneheliche Chemikersohn und Ex-Wandervogel hochnäsig stets überlegen. Was nicht heißt, dass er etwa politisch links von denen stand. Zum ‚Fronterlebnis‘, zur ‚Stoßtrupp-Mentalität‘, zum ‚Führerprinzip‘ und zur ‚konservativen Revolution‘ hat dieser Stahlhelm-Dandy, umwabert vom Pour-le-Mérite-Mythos, nach 1918 auch vieles beigetragen. In meinen Augen war er zudem gar kein doller Schreiber, schon sein Bruder Friedrich-Georg war da wesentlich avancierter … so weit, so gut. Er wurde ja auch mehr als ‚Philosoph‘ gelesen, wie ‚Tagore‘, wie Hermann Graf Keyserling, wie ‚Rathenau‘ und andere aus der Zeit …

    Darum geht’s mir hier aber gar nicht, sondern erstens um die Tendenz zur neurechten Klüngelbildung in allen vormaligen Gar-nicht-erst-ernstnehmen-Milieus mitsamt dem dazu passenden Rent-a-Journalist – wie eben dort auf dem Katholikentag, und darum, dass dieser neujournalistische Anführer aller Altkatholiken in Deutschland plötzlich auch entlang von Jüngers Spuren stapft, der ja nun weiß Gott alles war, aber bestimmt kein Christ. Doppelmoral? Oder erschließt sich da jemand ein zweites Absatzgebiet? – das frage ich mich da eben.

  3. [..] Darum geht’s mir hier aber gar nicht

    das hatte ich schon bemerkt, aber du hast halt artikel verlinkt und brav wie ich bin (und leidensfähig …) habe ich sie natürlich beide gelesen, mein assoziatives hirn sprang zu deinem großvater und schon war ich wieder OT, aber so was von 😉

    für die beschäftigung mit jünger hat kiessler einen einfachen grund: der br hat eben jüngst in der reihe, die ich oben ansprach, jünger einlesen lassen, es lag sozusagen auf dem stapel aktuell abzuarbeitender dinge, mehr deute ich da nicht rein

    was nun diese „neurechten“ angeht: auch hier „scheinriesen“. ich sehe die wendung „der“ jugend in diese richtung nicht wirklich. die waren schon immer da und schon immer auf verlorenem posten. sie basteln sich ein heimeliges nest, spenden sich gegenseitig wärme, machen auf wichtig … aber in wirklichkeit sind sie vom zug der zeit längst abgehängt.

    ich finde sie eher „putzig“ und gestehe ihnen halt das recht zu, so zu denken wie sie halt denken. aber „rückhalt“? gar gesellschaftlichen? eine partei?

    na gut, die haben in der storch sozusagen ihr fähnchen bei der afd … aber, du hast ja mitbekommen, wie die kanzleröse auf die ersten versuche eines frühlings mit denen reagiert hat: „SCHNAUZE!“, die wollen sich ja nicht mal in tv-shows neben die setzen.

    wenn da jetzt in der CDU jubel ausbrechen würde, würde ich anders reagieren, aber das kann ich einfach nicht erkennen, die _muss_ in die andere richtung sonst geht sie unter. guck dir an, wie der wähler auf die CSU und auch auf den versuch der kanzleröse einen auf AFD zu machen reagiert hat: die würden das original kaufen.

    da mache ich mir keine sorgen – bin aber froh, daß ich dich habe, damit du dir den schweinkram antust und ich dann sozusagen die zusammenfassung lesen darf 😉

  4. Dabei hätte es an kontroversen Themen nicht gemangelt. Christa Meves‘ These, Harry Potter sei ein „Zeichen unserer gottlosen Zeit“, hätte selbst in diesem Mutantenstadl Verstörung stiften können.

  5. Klaus Jarchow

    4. Juni 2014 at 9:05

    In meiner Kindheit waren es noch die gottlosen „Blasenhefte“, also Micky Maus, Fix & Foxy, etc. 😉

    Die Hysterikerin tauschte später auch noch auf: „Auf dem Podium saß unter anderem der Star der katholischen Rechten: Christa Meves.“ Andere versuchten dann, sie zu toppen … wenn sie unter sich sind, reden sie sich gern mal in einen heiligen Rausch.

    Es ist bezeichnend für die Situation in der katholischen Kirche, dass man lange darüber stritt, ob ‚Donum Vitae‘, also die Schwangerenberatung, auf dem Katholikentag überhaupt auftreten dürfe, über die Berechtigung dieser krausen ‚Lebensschützer‘ aber sprach kein Mensch.

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