So sehen die gefürchteten Snippets aus. Wir erfahren, dass Obama das letzte TV-Duell schon irgendwie gewonnen hat, dass aber ein aalglatter Romney ihm auch in keinem Punkt widersprach, und ansonsten nur prae-staatsmännisch das Hohelied vom ‚Frieden, Frieden, Frieden‘ tirilierte. Aber halt – letztere Details erfahren wir nur, wenn wir schon ein wenig weiter geklickt haben, hin zu den angeschlossenen Deutungshäusern, also in das Reich der Redaktionen. In den Snippets stand dagegen 1161-mal so ziemlich das gleiche – Obama hat irgendwie schon gewonnen. Punkt.

Ein solches Infofitti, eine solche Allerweltsfloskelei, die 1161-mal bei anderen ebenso steht, die sehen Deutschlands Verleger also als ‚the Great Bankrobbery‚, weshalb zur Prophylaxe jetzt ein Leistungsschutzgesetz her muss, eine Google-Steuer, und noch so allerlei. Denn der Leser würde doch schon gar nicht mehr weiterlesen, wenn ihn ein solches Snippet bereits gesättigt hat. Geht’s noch?

Ursächlich für den kritischen Mentalzustand in unseren Verlagshäusern ist in meinen Augen die Content-Krankheit: Sie denken dort traditionell, dass also die Information vor allem aus dem Wer und Was bestünde, weshalb es ja auch weitgehend egal sei, wer dort bei ihnen daheim am Newsdesk vor sich hin klimpere. Das ‚Wie‘ einer Information hingegen sei absolut zu vernachlässigen. Sie sehen einfach nicht, dass sie sich alle doch allenfalls noch durch dieses ominöse ‚Wie‘ unterscheiden.

Ein deutscher Verleger, contentgläubig wie er ist, könnte also bspw. meinen, dass sich der Inhalt des ‚Huckleberry Finn‘ erschöpfen ließe durch die google-gemäße Content-Sentenz: „Ein Junge und ein Neger fahren auf einem Floß den Mississippi hinab„. Schon müsste er – puuh! – den Mark Twain doch gar nicht mehr selber lesen.

Der wahre Kern der Information hingegen besteht immer aus dem, was auch jetzt im Falle Obamas über den Content hinausreicht. Das steht eben nicht mehr in irgendwelchen Snippets von Google. Dass also die Schlangenmenschen bei der ‚Welt‘ unter den üblichen neoliberal-klippschuldialektischen Verrenkungen jetzt schreiben, dass Romney irgendwie trotzdem schon eigentlich gegen Obama gewonnen hätte, weil er ja noch nicht verloren hat. Während der Spiegel hanussenmäßig und von einer Position weit in der Zukunft her höhnt, dass Obama dieser Sieg doch gar nichts mehr nützen wird, wie es alle wahrhaft weisen Experten längst wissen. Und darauf einen Mascolo! Wohingegen der ‚Stern‘ Siegesfanfaren für Obama bläst, ohne Wenn und Aber, absolut Partei und sans phrase.

Das also ist es, was die Information vom Content unterscheidet – und den einen Verlag vom anderen. Und diese Information ist von Google keineswegs bedroht, allenfalls der tausendfach abgeleierte Dutzend-Content – Google zeigt uns bloß die Bananenschale, aber nicht die nahrhafte Banane …