Beide hängen eingebildeten Identitäten an: Hier die Dschihadisten-Identität, die sich eine Geschichte zusammenfantasiert, die bis zum Propheten und seinen Gefährten zurückreicht, da die christlich-europäischen Identitätsfreaks, die sich in die Türkenkriege zurückfantasieren; überhaupt die Vorstellung eindeutiger Identitäten; Antimodernismus und völlig geschlossene Weltbilder, die in einem regelrechten Tunnelblick enden. Sie sollten nicht gegeneinander demonstrieren, sondern miteinander.

Yep – wer hat sie denn schon nötig, diese Krücke der ‚Identität‘? Ich müsste rätseln, fragte mich jemand nach meinem ‚deutschen Wesen‘. Ich krieche in kein Backförmchen.

Robert Misik ist in meinen Augen einer jener Journalisten, die – wie alle guten unter ihnen – einst linksaußen begannen, ohne deshalb irgendwann unter dem Rock der Friede Springer zu landen. Er hielt Kurs, anders als viele andere im Gedenken an die näherrückende Altersvorsorge. Misik ist – mit einem Wort – das Gegenteil eines Renegaten. Natürlich wäre er seit Jahren ein Kandidat für den Ludwig-Börne-Preis, ein echter Tucholsky-Nachfolger, statt des kompromisslerischen Zwergwuchses, der ansonsten rituell mit den Medaillen der Publizistik behängt wird.