Stilstand

If your memory serves you well ...

Merkeln wie Frau Merkel:

Geben Sie zunächst einmal den größten Banalitäten immer den Anschein einer überlegenen zenhaften Weisheit: “Wir dürfen es nicht beim Krisenmanagement bewenden lassen”. Genau, und wie einfach alles plötzlich scheint! Und vergessen Sie diesen ewig leicht pampigen Tonfall dabei nicht. Das größte Hindernis für intelligente Menschen, so etwas auch mal zu wagen, ist eigentlich nur ihre falsche Scham. Denn faktisch, also auf der Ebene der Merkel’schen Sachausssage, wären wir ja schon froh, wenn wenigstens das Krisenmanagement klappen würde.

Hier ein paar rasch und ähnlich zusammengeklimperte Perlen hausfraulicher Universalphilosophie, eine Art politisches Allwetter-Taft: „Gas geben kann nicht alles sein, das wissen wir aus dem Straßenverkehr„; „Mit einem Fuß in der Tür konnten wir nicht stehenbleiben“ usw. usf. Der letzte Satz wäre für Frau Merkels Verhältnisse übrigens fast schon zu witzig …

Möglichst oft sollten Sie in einem Plural vielerlei Diffuses zusammenfassen, das Sie dann mittels einer einzigen Conclusio und im strikten Singular zu lösen versprechen. Es geht dabei zu wie beim Huskie-Rennen, wo auf ganz viele Schlittenhunde auch nur ein Schlitten hinterhergeschleudert kommt: “Die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft sind sehr einfach, aber auch sehr eindeutig. Der Staat ist der Hüter der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung”. Haben Sie’s gemerkt: Der Mehrwert, das Profitdenken, die Kreditklemme, die Globalisierung, alle Details des Marktwirtschaftlichen lösen sich wie Sahne im Ostfriesentee zu wolkigen ‚Prinzipien‘ auf, die zwar pluralistisch sind – aber dann kommt das Reelle, der Staat, der Erlöser aus allem Ungemach hinterhergewackelt, der einfach nur ist. Als großer Simplifikator – ‚im Grunde ist doch alles ganz einfach‘ – bügelt er wie einst Mutti alles wieder glatt – und er nimmt sich auch diese störenden Prinzipien endlich mal zur Brust.

Habe ich schon gesagt, dass grobe Vereinfachungen komplexer Gemengelagen die Probleme vervielfachen?

Egal – Hauptsache es geht zu Herzen und klingt gut. Das überhaupt sei für Polit-Eleven die generelle Merkregel: Jeder Kerngehalt an Wahrheit ist vernachlässigenswert. “Unser Schatz in Deutschland sind gut ausgebildete Facharbeiter”. Genau – und deshalb will die Union ja auch ganz viele davon jetzt bei Opel entlassen lassen und möglichst viel von dem Schatz beiseite packen für bessere Zeiten …

Und geben Sie sich zuletzt immer unbedingt einen Claim, einen ‚Markenkern‘, auf den Sie in jeder Rede ‚einzahlen‘, wie Marketing-Leute dies nennen: “Ich bin in der früheren DDR aufgewachsen und heute Bundeskanzlerin des wiedervereinten Deutschlands. Dies alles zeigt mir: Nichts ist unmöglich”. So wird Angela, die Einzige zu unserer obersten Mutmacherin. Man kann sogar aus der DDR kommen – boah ej! …

Alle Merkeleien dankenswerterweise via: weissgarnix / staph.aureus

2 Kommentare

  1. Das mit der Singular-Antwort auf Plural-Probleme ist zumindest in diesem Fall nicht korrekt. Merkel hat nämlich zwei Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft im Köcher:
    1. Der Staat ist der Hüter der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung.
    2. Der Wettbewerb braucht Augenmaß und soziale Verantwortung.
    Ob in der Neujahrsansprache oder in der Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, immer nennt Merkel diese beiden Prinzipien: Wer schon nach dem ersten Prinzip das Zitat abschneidet, ist selber schuld.

  2. Ich sehe auch beim verlängerten Zitat metaphorisch nur einen einzigen Schäfer (‚Hüter‘) vor mir, das ist der Staat … der wiederum über den Wettbewerb innerhalb seiner Schäfchen, dieser Unternehmerherde wacht. Das ‚mit dem Augenmaß‘ und der ’sozialen Verantwortung‘, das wären – um in der Idyllik des Merkel’schen Bildes zu bleiben – sozusagen erwünschte Rasseeigenschaften dieser Herde, Eigenschaften, die der Schäfer durch weises gesetzgeberisches Einkreuzen und kluge Zuchtwahl herstellen muss. Es ist eine sehr maternalistische Bildwelt, die Frau Merkel hier von oben herab und in segnendem Gestus verwendet, Tür an Tür zum Stamokap gebaut, eine Bildwelt, die vermutlich nur im Wahlkampf der stimmenfängerischen Verblödung dient – und die hoffentlich nicht ihrer privaten Sicht der Dinge entspricht …

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