Stilstand

If your memory serves you well ...

Medialer Mainstream 1.0

Auf den Begriff des ‚medialen Mainstreams‘ bin ich gestern ganz zufällig bei Hunter S. Thompson gestoßen (‚Die Rolling Stone Jahre‘). Damals meinte sein Widerstand gegen das Objektivitätsideal der bürgerlichen Zeitungen noch etwas anderes, als ebenso erwünschte wie blanke Lügen von glattgeschleckten Betthasen mittels ‚Russia Today‘ in pseudo-journalistischer Sprache verbreiten zu lassen – so wie heute. Hunter S. Thompson’s Kampf richtete sich gegen jenen „Haufen hirnverkrusteter Arschgeigen“, der bräsig und dienstleistungsbereit in den Redaktionen etablierter Zeitungen saß. Einige Beispiele:

Hauptstadt-Journalismus (HJ): „Dem Kandidaten Nixon werden gute Chancen eingeräumt, die kommenden Präsidentschaftwahlen zu gewinnen.“
Gonzo-Journalismus (GJ): „Und so blieb nur noch Nixon übrig; dieser aufgeblasene, künstliche kleine Furz, der demnächst unser Präsident sein würde“.

HJ: „Die Gegner des Sheriffs luden die Journalisten zu einer Pressekonferenz ein.“
GJ: „Zum Teufel, die einzige Weise, wie wir diese Hundesöhne dazu bekommen konnten, uns zuzuhören, ist, drüben in West Hollywood oder sonst an einem anderen scheiß Ort irgend ’ne schnieke Hotellobby zu mieten – wo die sich dann wohlfühlen können – und dort unsere Pressekonferenz abzuhalten. Mit gratis Kaffee und Häppchen für die Presse. Aber auch dann noch kommt die Hälfte der Arschgesichter nicht, weil wir ihnen keinen Schnaps umsonst kredenzen.“

HJ: „Der anerkannte Drogen-Experte Professor Bloomquist wies auf die Flashback-Problematik bei Konsumenten hin.“
GJ: „Dr. Bloomquists Buch ist ein Kompendium staatlich geprüfter Affenscheiße. Bloomquist schreibt wie jemand, der mal Tim Leary in der Uni-Mensa getroffen hat und für alle Drinks bezahlen durfte.“

Tscha, die beiden verfeindeten Gruppen verwendeten damals auch zwei unterschiedliche Sprachen. Das klang dann doch irgendwie anders als bspw. heutzutage Ken ‚As Catch Can‘ Jebsen, als der Alfkotte oder jemand von den anderen Media-Mainstream-Gegnern dieser vom ersten Tag an abgetakelten Generation, die, statt des Wortes als Waffe, die Lüge und das Verschweigen als Waffen zu nutzen gelernt haben – und das in exakt der gleichen Sprache wie ihr angeblicher Gegner. Was damals ein Klarstellen war, ist heute ein Übertölpeln: Man hüllt die dollsten Behauptungen in die Sprache eines vorgeblich ‚objektiven Journalismus‘.

8 Kommentare

  1. Moin Moin! Thompson ist genial … kannte den Macker gar nicht, bis mein Sohn beim letzten Besuch die „Gonzo-Papers“ hier vergessen hat … erst da ist mir klar geworden, dass nobody ein Gonzo ist 😎

  2. @ nobody: Der frühe Tom Wolfe lohnt sich in der Hinsicht auch. Kennst du H.L. Mencken? Dem fühle ich mich manchmal geistesverwandt …

  3. Can as catch ken jepsen.
    Hahaha
    Aber, auch wenn seine Anhängerschaft ihn gern mit p schreibt, wird er doch mit b geschrieben.

    Hatte bei Kommentaren der Anhängerschaft von ihm und anderen Bojen schon die Bezeichnung „msm“ KENnengelernt. Dachte, es ist ne Krankheit.

  4. „Wir waren irgendwo bei Barstow am Rande der Wüste, als die Drogen zu wirken begannen.“ ist für mich jedenfalls der schönste beginn, den ein roman so nehmen kann 😉

    thompson gehört mit ra wilson oder wiliam s. burroughs zu dem stoff, den man gelesen haben sollte …

    @nobody

    ich frage mich gerade, ob du wirklich in diesem auto sitzen könntest und wie du auf den druck auf’s gaspedal reagieren würdest 😉

    es ist, um dir den joke vorwegzunehmen, ein gut gefüllter äther bausch unter’m pedal und der kofferraum ist vollgestopft mit allen nur erdenklichen drogen.

  5. PS: Ich krönte einst einen gähnend abstinenten Tag mit der Sneak-Preview-Perle der Verfilmung dieses Stoffs. Und erlebte einen fantastischen Überraschungstrip, der dank psychedelischen Humankapital überzeugte.

  6. @nazienkel

    ich liebe den regisseur, ich liebe johnny depp, ich liebe das buch.

    aber ich kann nix mit dem film anfangen. das ist so wie die verfilmung des „der name der rose“.

    sakrileg 😉

  7. @ Nazienkel: Korrigiert. Vermutlich spukte mir das Verb ‚jappsen‘ im Hinterkopf herum …

  8. Ach, ich Korinthenkacker.
    Ja, der jappst wirklich herum. Ich verstehe auch nicht, was diese ganzen fehlgeleiteten an ihm finden (und viele Fans schreiben tatsächlich immer vom ‚Jepsen‘, daher hast Du das vielleicht, nach den Lesen überflüssiger Kommentare irgendwo z.B., übernommen?).

    Neulich habe ich mir so ne ‚Rede von ihm angehört, und er war doch nicht mal imstande ‚obsolet‘ fehlerfrei auszusprechen: Er fragte, ob dies oder jenes ‚obso-lett‘ sei.

    Da fragte ich mich, ob der einen Texter für seinen Sermon hat. ISt ja nur ne Kleinigkeit, aber er wird ja immer wieder mal in Artikeln zum guten Redner stilisiert, dabei spricht er einfach nur schnell. Und denkt wesentlich langsamer.

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