Früh am Morgen wurden meine müden Augen schon folgendermaßen in welterläuternder Absicht traktiert:

„Die Art des Mediums bestimmt die Art der Botschaft, diese These hat der Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan schon 1967 aufgestellt – das gilt auch für den Terrorismus im Internetzeitalter.“

Schön wär’s, wenn’s so wär, dann stimmten sogar die Folgerungen, die man zieht. Marshall McLuhan hat aber nun mal gesagt: „Das Medium ist die Botschaft„, was schon einen gewissen Unterschied macht. Denn wäre das ‚Medium Internet‘ irgendwie für die Breivik-Taten verantwortlich zu machen, dann wäre das ‚Medium Buchdruck‘ dank Luthers Hasstraktaten auch für die Bauernmetzeleien in der Reformationszeit verantwortlich zu machen, oder im Falle eines Bernard von Clairvaux das ‚Medium Volkspredigt‘ für die Judenschlächtereien im Vorfeld der Kreuzzüge.

Kurzum: Das Medium ist ein Medium ist ein Medium, es vermittelt immer nur irgendwas. Letzteres ist zunehmend egal. Dass damit die Botschaft entwertet wird, dass das Blinkyblinky wichtiger wird, als das Winkewinke weiser Hinweise unserer Mandarine – das hat McLuhan im Kern gesagt. Fasslicher ausgedrückt: Das ‚Medium iPad‘ ist deshalb cool, weil es ein iPad ist. Die Botschaften, die sich coole Besitzer darauf ‚messagen‘, die sind in der Regel doch nur alter Käse, der neuerdings besonders weithin duftet. So gesehen, bleiben dann auch Leute wie Herre, Fjordman, Wilders & Co. als geistige Miturheber ‚mitverantwortlich‘ für die Taten dort in Norwegen. Schuld ist eben nicht ‚das Internet‘. Ebenso wie auch Luther – und nicht der Buchdruck – für die Grausamkeit der Bauernkriege seinen Teil Verantwortung trägt …