Stilstand

If your memory serves you well ...

Mach mir die Parodie!

Alles Lernen beginnt mit der Nachahmung. Da aber dieses Imitieren eine sehr trockene Tätigkeit sein kann, zieht ein Schreiber – des Amüsemängs wegen – am besten sein Vorbild am Schopf von dessen Manierismen durch den Kakao. Fertig ist die Parodie …

* ‚Dies weiteste Feld auf kleinem Raum, fürwahr ein Lebensspeicher, bewahrend alles Biographische für diesen Moment wie auch für die Ewigkeit, sich um Qualität nie scherend, sondern türmend alles in Ordnern ohne Zahl, so wie es dem Demiurgen an der Tastatur gefällt, meine Festplatte also, sie surrte frühmorgens schon leise vor sich hin, als ich meine hohe Kunst des Ordnens begann’
[Sätze voller Genitive und Partizipien, höchstpersönlich hantelgestemmt von eines Meisters Hirn, gelegentlich schwimmt eine preziöse Antike vorbei, eine Welt, wo jedes Ding so Stücker zwanzig Worte macht – ganz klar, das ist Thomas Mann].

* ‚Vom stillen Weimar kommend schritt ich durch die breiten Gassen der wohlgefügten Handelsstadt. Alles war hier Leben und Treiben, auch in diesem kühlen, wiewohl glasumsäumten Kaufhaus mit dem markanten Zeichen über der Tür, das ich betrat, um endlich einen USB-Stick zu erstehen, so wie ihn Lotte sich wünschte.’
[Ein leichter Hauch von ministerialem Bürokratiestaub umschwebt diese stille Welt, die keinerlei Effekthascherei oder Manierismen kennt, sieht man einmal davon ab, dass ein göttergleicher Weimaraner nie ‚ginge’, sondern immer nur ‚schreitet’ – das kann nur Goethe sein] .

* ‚Diese Abmahnungen enthielten zum Teil Andeutungen über den Zweck meiner Bloggerei. Wovon der Herr Julius Cäsar nichts wissen konnte. Ich schrieb ihm, dass er sich aufs Sachliche beschränken möchte. Was ihn nur zu neuen Angriffen reizte.
[Eine Tonality wie ein Geschäftsbrief, ‚neue Sachlichkeit’ halt, geschrieben wie gesprochen, allerdings ohne Slang, es sei denn dort, wo er die Gangstersprache selbst zu parodieren trachtet, was er nicht kann – richtig geraten, das soll Brecht sein].

* ‚Eine ideale Lesart für mein Blog gibt es nicht. Ich glaube, man kann da einfach so drin rumblättern und über die Welt staunen. Man kann es natürlich aber auch von vorne bis hinten durchlesen, wenn man möchte. Die Texte sind vom Prinzip her eher einlullend, da kriegt man dann die vielen lustigen Einzelschicksale gar nicht mehr mit.
[Viel unfokussiertes Schwabbeldidu-Schwibbeldischwapp – und dann ein großes ‚Patati und Patata’ … alles ‚vom Prinzip her’ ‚eher einlullend’. Ach so – das ist übrigens gar keine Parodie, sondern ein Original, wo ich einmal ‚Blog’ statt ‚Buch’ zu setzen wagte – es ist der Benjamin von Stuckrad-Barré].

* Der Prinzessin farbloser Kopf bekam einen rosa Hauch: Denn der Don Alphonso wie auch Dogfood erinnerten einander in ihren Blogs mit männlich zurückgedrängter Wehmut an gewisse Dotcom-Tod-Lokale, die sie beide noch kannten, und an die ihnen beiden vertrauten Alkoven gewisser Damen.
[Klar, das ist Heinrich Mann in seiner Renaissance- und Nietzsche-Periode, also etwa ‚Die Göttinnen‘, ‚Pippo Spano‘ etc.].

* Es schlummern orphische Zellen / In den Birnen des Marketing, / Bits und Bytes und Stellen / An denen einst Hirnmasse hing …`
[Seele und Syphilis, Liebe und Lues, Be-Bop und Banales – so etwas parodiert den frühen Benn]

1 Kommentar

  1. Hach, dies ist genau die Geschichte, die mich, so kurz vor Mitternacht, nun doch noch mit dem vergangenen Tag versöhnt!
    Herzlichen Dank dafür.

    Ganz sicher werde ich bald wieder in Ihren „Aufzeichnungen „blättern“.

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