Wie schön, auch einmal ein Wort zu kennen, das bei Google noch nicht gelistet ist! Dieser Beitrag wird also der erste sein (gefunden habe ich es in Walther Kiaulehns Erinnerungen an Ernst Rowohlt: „Mein Freund der Verleger“). Gemeint ist jene publizististische Mode, seit dem Fin de Siècle alle großen Wochenmagazine an einem Montag erscheinen zu lassen, um so für die ganze Woche die Themen zu setzen. Diese Montags-Welle nahm ihren Ausgang von Paris, daher der Name.

Die „Welt am Montag“ ist vermutlich das bekannteste Berliner Blatt, das so verfuhr, aber auch ‚Der Spiegel‘ und ‚Focus‘ folgen heute noch dieser Tradition. Zu Beginn boten diese Montagsmagazine weit mehr als die üblichen Polit-Berichte und Börsenkurse, es entstand – abseits vom Tagesjournalismus – eine ganz neue Mischung aus Theaterkritik, Gesellschaftsreportagen, Literaturberichten usw., und ein ganz neuer journalistischer Stil wurde geboren, der vielspaltig Meinung und Bericht ganz ungeniert verquickte. Nahezu alle großen Journalisten von schriftstellerischem Rang hat dieser Lundiismus bekannt gemacht: Polgar, Kerr, Sieburg, Mühsam, Roth usw.

Der Montag war deshalb für die Leserschaft so interessant, weil er die ‚Events‘ des vergangenen Wochenendes zeitnah aufbereiten konnte: Uraufführungen, Debütantinnenbälle, Ausstellungs-eröffnungen. Auch Forscher, Ärzte, Ökonomen etc. hatten an diesen Tagen die Muße, sich mit ihren bahnbrechenden Erkenntnissen aufs journalistische Parkett zu begeben. Allen Schreibern blieb der lange, ruhige Sonntag, um ihre Riemen zu verfassen, am Abend begann dann die Rotation zu laufen. Zu seiner Zeit war der Lundiismus eine höchst sinnreiche Einrichtung …