Stilstand

If your memory serves you well ...

Logik adé!

Die Denkbemühungen im deutschen Qualitätsjournalismus werden immer aberwitziger. Vermutlich hat der Verfasser selbigens sich hoffnungslos in den Wortbedeutungen verheddert, so dass er in seinem Dusel zwischen ‚Regulierung‘ und ‚Regel‘ einen klitzekleinen Unterschied sah, dort, wo faktisch keiner ist. In nur zwei Sätzen zauberte der Carsten Brönstrup uns erstaunten Lesern so eine rasante argumentative Kehrtwendung aus der duldsamen Tastatur:

„Die große Koalition reguliert zu stark. Und nicht der Neoliberalismus an sich produziert Krisen, sondern eine Politik, die nicht die nötigen Regeln setzt.“

Wir halten also fest, die GroKo reguliert zu stark, weil sie nicht genügend reguliert. Der Neoliberalismus ‚an sich‘, dieses arme Tier, das kann aber nichts dafür. Danke, ‚Tagesspiegel‘, das habe ich noch gar nicht gewusst. Bitte ein Aspirin … und vielleicht sollte der ideologietreue Herr aus den Untiefen des Wirtschaftsjournalismus künftig schreiben: ‚Der Neoliberalismus ist gut, schon deshalb, weil er nicht gut ist‘. Dann versteht es jeder – selbst ein Psychiater. Und der Bundespräsident freut sich auch …

2 Kommentare

  1. Wiewohl ich einräume, als Tagesspiegelleser über diese Konstruktion gestolpert zu sein meine ich, dass er vielleicht etwas anderes meint: Dass sie nämlich an den falschen Stellen reguliere oder regele, der Unterschied hält sich in der Tat in Grenzen.
    Das kann schon sein, aber geärgert habe ich mich vor allem über die journalismustypische Abwälzung der Sinngebungsarbeit auf den Leser. Meine Minimalanforderung an Autoren bleibt, zu prüfen ob sie das was sie haben sagen wollen auch wirklich gesagt haben.

  2. Wenn er’s anders meint, soll er’s anders schreiben. Ich habe keine Lust, mich auch noch mit der Frage: ‚Was hat er möglicherweise mal gemeint, bevor er’s vergurkte?‘ herumzuschlagen.

    😉

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