Stilstand

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Leiterfunktionen

Mit der Steigerung, oder der Klimax, lassen sich verblüffende rhetorische Wirkungen erzielen. Auch Witz und Paradox gedeihen an den steilen, meist dreistufigen Hängen dieser Stilfigur.

Ein Klassiker der Werbung lautet: „Gut. Besser. Paulaner„. Dieser Weißbier-Slogan ist das wohl bekannteste Beispiel für ‚die Leiter’, was die Übersetzung des griechischen Wortes ‚Klimax’ ist. Ein Begriff wird über seinen Komparativ gesteigert, weshalb der Leser als drittes Moment dann den Superlativ erwartet, eine Stelle, die an prominenter Position dann ein Produktname besetzt. Gewissermaßen ist dies das Schwarzbrot des Werbetexters. Und natürlich des Ironikers: „Gut. Besser. Pofalla„.

Wahrhaft durchschlagende Wirkungen erzeugt die Klimax, wenn sie auf diese Weise Erwartungen ‚enttäuscht’, wenn wir also die dritte Stufe mit einem an sich leiterfremden Begriff besetzen, der an dieser Stelle zunächst deplaziert erscheint: „Er war ein Idiot. Ein totales Schwein. Ein richtiger Alphajournalist„. So etwas sorgt in der Folge immer für Alarm beim Adressaten. Deswegen ist Vorsicht geboten, denn mit gut plazierten rhetorischen Stilfiguren kann man sich auch dauerhaft Feinde schaffen. Oder den Eingang in die Aphorismenkammer mit ihren Klassizismen erzwingen: „Es gibt Feinde, Todfeinde und Parteifreunde …„.

Die Klimax muss aber gar nicht schlicht über die drei Steigerungsformen geführt werden. Auch das Geschehen im Text kann sich zur Klimax steigern: „Die Wolken rissen auf. Die ersten schweren Tropfen fielen. Dann barst der Himmel und es goss wie aus Eimern. Eine Minute später war in einem Meer von Blitzen das Inferno da …

Mit der Klimax, so könnten wir sagen, führen wir den Text auf einen Gipfelpunkt, wo es dann aber auch richtig krachen muss. Und manchmal steigt der Text den Hang auch wieder herunter: „Er liebte sie vom ersten Tag an. Und mit jedem Tag mehr. Nach 14 Tagen hatte sie dann mit ihm geschlafen – und alles war vorbei„. Mit einem geschickten Spiel von Klimax und Antiklimax lässt sich viel Leben und Lesespannung zu jedem beliebigen Thema in einem Text erzeugen, und sei er noch so furztrocken: „Was ist das bloß für ein Programm? Ich klicke auf den ersten Menüpunkt – nichts passiert. Ich versuche es mit dem zweiten – und immerhin kommt jetzt ein Warnhinweis. Ich öffne, wie empfohlen, das Hilfemenü – und schon schmiert mir alles ab„.

Hier noch ein klimakterischer Klassiker: „Veni, vidi, vici“ – so soll Cäsar die Leiter zu den Iden des März hinauf gestiegen sein …

2 Kommentare

  1. „Ein Klassiker der Werbung lautet: “Gut. Besser. Paulaner“. Dieser Weißbier-Slogan ist das wohl bekannteste Beispiel…“

    Hm. Da bin ich nun so alt geworden und hab das angebliche „bekannteste“ (!) Beispiel, den angeblichen „Klassiker“ noch nie gesehen oder gehört. Und, wohlgemerkt: im Sommer bevorzuge ich von den Weißbieren natürlich Paulaner!

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