Stilstand

If your memory serves you well ...

Lehrstück ‚Qualitätsjournalismus‘

Hätte ich in der Ausbildung künftiger Journalisten etwas zu sagen, dann müssten meine Schüler diese unterhaltsame Lehrstunde in angewandtem Qualitätsjournalismus ausgiebig analysieren. Denn fast schon regelhaft ist der deutsche Qualitätsjournalismus nicht dort zu finden, wo er sich selbst zum ‚Qualitätsjournalismus‘ zu adeln pflegt. Immerhin: Schaden soll diese ‚rosarote Brille für die Haut‘ wohl nicht …

3 Kommentare

  1. Interessant fand ich bereits beim Ansehen des TV-Beitrages, wie nebulös er gehalten war. So wurde zwar immer wieder angedeutet, die „bösen“ Pharmariesen würden die Zubereitung nicht haben wollen, aber eine echte Begründung oder tatsächliche Verdachtsmomente für den – unausgesprochenen – Vorwurf, deren eigene Entwicklungen sollten gestärkt werden, blieben aus. Das ist besonders bemerkenswert, da auch die Rosa-Creme keine Heilung verspricht, sondern nur eine nebenwirkungsarme Symptomlinderung; ebenso wie andere Produkte muss der Hautkranke das Zeug sein ganzes Leben schmieren.

    Relativ früh im Bericht wird der sehr hohe Preis des roten Pulvers [B12] erwähnt, danach aber nie gesagt inwieweit die fertige Creme billiger, teurer oder genauso teuer wäre wie andere Produkte. Mir wurde auch nicht klar, weshalb die Patentinhaber das Zeug nicht einfach als Hautpflegemittel statt als Medikament vermarkten wollten. Immerhin wäre das Mittel von, sagen wir, Beiersdorf über Drogerieketten vertrieben ein Renner.

    Eine ganz andere Schiene, die allerdings wohl nur noch höchst selten benutzt wird, wäre die Herstellung durch den Apotheker vor Ort statt einer Großproduktion. Unsere Apos sehen sich ja als Berater und wichtiges Qualitätskriterium bei der Gesundheitsversorgung. Lassen wir Ihnen doch den Spaß, bieten Nutzungsrechte für das Patent den Apothekerverbänden an. Die besorgen die Bestandteile und rühren im Labor hinten [muss es in jeder Apo geben] die Salbe an.

    Möglicherweise ist an der Salbe was dran, möglicherweise sind tatsächlich einige Dinge in den letzten Jahren ein wenig seltsam abgelaufen … der Bericht selbst war allerdings tatsächlich nur ein Stück übler Propaganda. Da wird das eingepackte Kind sehr viel länger als nötig gezeigt, um Emotionen wachzurufen, es wird dem ursprünglichen Erfinder ein ‚Schicksalsschlag‘ rund um die Creme angedichtet, ohne das gesagt wird, worin der Schlag besteht.* Egal welcher Gesprächspartner, sie alle hatten nach anfänglicher Skepsis – die ‚Hühnerkacke‘ war ei so blödes und offensichtliches Element der Propaganda – nur höchst lobende Worte.

    Nur Analyse und Aufklärung gab es keine.

    Hat die ARD eigentlich noch Probleme mit nicht existierenden Drehbuchautoren, Schleichwerbung, Korruption?

    *Nein, die langsame Zermürbung, die womöglich aus dem wirtschaftlichen Kampf um die Salbe folgt, ist kein Schlag.

  2. Eben – Public Relations lassen sich eben auch aus der Nische des kleinen, ignorierten Menschheitserretters heraus betreiben. Das Himbeertonitum ist eine Allzweckwaffe …

  3. Naja, heute sendete WDR 5 den ganzen Tag in den Nachrichten die Einführung von Windows 7 samt einer Aufzählung seiner Vorzüge… Das wird auch nicht sofort abgestellt, nein, da dürfte kräftig gezahlt worden sein, auch fürs nicht-kontrollieren der eigenen Sendungen.

    Die Öffentlich-Rechtlichen sind mittlerweile so richtig Sch… geworden.

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