Stilstand

If your memory serves you well ...

Lady Jennifer Gaga

Wer noch Zweifel hegte, dass Journalismus nur wenig mit Fakten, aber viel mit Erfindung zu tun haben kann, der muss nur mal Jennifer Nathalie Pyka lesen, um letzte Gewissheit zu gewinnen. In ihrem Neuesten schrub uns das journalistische PI-Gewächs im hochseriösen ‚European‘:

„Nach dem 11. September 2001 ist Osama bin Laden insgeheim zu einer Ikone avanciert in Deutschland.“

Warum – außer Frau Pyka – hat das bloß niemand bemerkt? Ja, verdammt noch mal, das steht doch da: Das alles ist ‚insgeheim‘ geschehen! So macht man das im ‚modernen Qualitätsjournalismus‘, wenn man Widerreden im Keim ersticken will. Man erfindet eine versteckte Monstranz, die angeblich jeder erblickte und niemand sah, und instrumentiert hilfsweise einige Füllwörter, die als ‚Bierdeckel‘ dem wackligen Tisch dieser Argumentation untergeschoben werden. Genauso wie gleich danach ein unauffälliges „zweifellos“ jedes Löcken gegen die folgende haltlose Feiertagsbehauptung unterdrücken soll:

„Zu den Feiertagen, die trotz fehlender gesetzlicher Verankerung von immenser Bedeutung sind, gehört zweifellos der 11. September.“

Ah – ja? Es war ja damals auch gaaanz, gaaanz schlimm bei uns in der Bundesrepublik, wo eine indoktrinierte Bevölkerung aus lauter irregeleiteten Gutmenschen geschlossen den Attentätern applaudierte, statt endlich mal den Israelis zur Atombombe zu gratulieren:

„Hierzulande [rieb man sich] mit einem „Geschieht den Amis recht!“ auf den Lippen schadenfroh die Hände“.

So rappelt das weiter – völlig intelligenz- und faktenbefreit („Völkerrecht ist keine spannende Angelegenheit und interessiert hierzulande höchstens dann, wenn die Israelis es brechen“), bis das Publikum, sofern noch nicht geflüchtet, es schließlich resigniert aufgibt, in diesem Buchstabenhäufchen noch nach Vernunft zu suchen. Es ist eben ‚Jenny’s Welt‘,  ein wild zusammengeleimtes Traumland ohne Kohärenz und Korrespondenz, bei dessen Anblick der Leser sich fragt, wie solch ein Tanja-Anja-Kram in ein Medium gelangen kann, das sich doch so gern mit ‚Seriösität‘ schmücken würde …

Kein Text ist übrigens zu blöd, um nicht irgendwem in den Kommentaren damit eine Freude zu bereiten:

„Als Liberaler freut man sich ob der Meinungsbildung, zumal der Kommentarbereich als unfreiwillig repräsentativer Querschnitt der Verneiner, der von Frl. Pyka gekonnt als Fehdehandschuh in die Runde geworfenen Thesen und Analysen (und Ihrer Person) wirkt.“

Da redest du wohl Kninden von der Farbe, du Knödel …

4 Kommentare

  1. In einigen Leserbrief-Diskussionen über Jan Fleischhauer wurde bisweilen argumentiert, daß sich die Auseinandersetzung über den Kerl nicht lohnt, weil man es bei J.F. nicht mit politischen Statements, sondern mit dem Bedienen einer Marktlücke zu tun hätte. Es sei – so der Vorwurf – damit überflüssig, sich mit den „Argumenten“ dieser Mietfeder zu beschäftigen. Man gäbe Fleischhauers kruden Thesen damit ein Gewicht, daß sie nicht haben.
    Ich habe diese Argumentation immer bezweifelt. Nicht, weil es im Grundsatz falsch wäre – sondern weil damit die Größe besagter Marktlücke kleingeredet wird.
    Wenn jetzt über das selbsternannte Alphaweibchen Jennifer Nathalie Pyka gesprochen wird, wäre das für mich ein Anlass, einmal über die tatsächliche Größe diese Marktlücke nachzudenken, die von J.F., Pyka, H.M. Broder und anderen bedient wird. Egal, ob der Spiegel oder the European meint, sich solche Köter vor der Tür halten zu müssen, die den rechtsradikalen Beissreflex auslösen: Blätter, die zu solchen Mitteln greifen, verabschieden sich aus dem Kreis der ernstzunehmender Publikationen.
    Was die Schmierfeder Pyka anbetrifft, so scheint sie sich (folgt man den Leserbriefen: Zu Recht) darauf zu verlassen, daß der Welpengeruch eines jungen Weibchens den Mangel an Substanz aufwiegt.

  2. Du meinst also, sie schriebe, statt mit dem Kopf, mit anderen Qualitäten?

    Zur ‚Soll-man-oder-nicht-Frage‘: Solche Figuren – ob Fleischhauer, Siems, Broder, Poschardt, Herre usw. – ziehen immer Horden von Jubelpersern hinter sich her, weil endlich einmal Texte auf deren Niveau verlegt wurden. Man versteht sich dort. Diese Helden mit der großen Schafskoppel im Wappen schreiben also das, was die meisten Blökos sich selbst aus weiser Kenntnis ihrer intellektuellen Grenzen nie in die Öffentlichkeit hinein zu meckern trauen würden. Das Verfahren einer publizistischen Stellvertretung der Dummheit gilt es immer wieder aufzudröseln – auch für solche Schreiber gilt der Grundsatz: Debededehakape. Hinzu kommt, dass hinter solchen Mietfedern, welche dem Affen Zucker geben, immer größere Interessen stehen, mindestens im INSM-Format …

  3. J.N. Pyka überschreibt ihren Blog mit „Ahnungslosigkeit trifft Größenwahn“. Ironie scheint es nicht zu sein; eher die unfreiwillige Komik einer Zweiundzwanzigjährigen, die sie sich in Sarkasmus versucht.
    Ob sie nun Jüdin, Muslim, praktizierende Zen-Buddhistin oder eine Zeugin Jehovas ist, interessiert mich nicht: Sie gefällt sich darin, auf der Schwelle zum Rechtsradikalismus zu balancieren. Es gibt ja immer wieder Glaubensgemeinschaften, die der Meinung sind, daß sie Aufgrund ihrer Religion das Recht haben, das zu tun. Bayrische Natives zum Beispiel. Frl. Pyka auch – in diesem Fall als Jüdin – , wobei das Beispiel Pyka besonders widerlich ist. Und ja: Sie schreibt mit anderen Körperteilen als der rechten Hand. Es erinnert mich etwas an meine Töchter… schnippisch, Argumente an den Haaren herbeikrakeelt, „ich meine ja nur…“. Billig.
    Egal.
    Ja, es gibt sicher Interessengruppen, die an solchen Nützlingen interessiert sind und sie nach Kräften fördern.
    Zur ‘Soll-man-oder-nicht-Frage’: Ja, man muß! Es ist zwar nur ein Nebenkriegsschauplatz, aber er existiert. Unter anderem dort wird das Feld bereitet. Und welch Art von Unrat das jetzt schon anlockt (Verzeih: Aber das Beispiel mit den Schafen ist mir zu harmlos) sieht man an der Gefolgschaft dieser… bleiben wir ruhig beim Wort „Mietfedern“.
    Diese Gefolgschaft will vor allem Eines: Sie wollen Blut fließen sehen. Egal wessen.

  4. Ja, das „Frollein Pyka“ – so jung, und schon so reaktionär. Die Frage stellt sich, doch, ob man sich über diesen nassforschen Naseweiß überhaupt aufregen sollte oder nicht doch besser einfach ignorieren. Anhand der Kommentare des „JNP-Fanclubs“, der zu 99% aus der Autorin selber und ihrer Mutter bestehen dürfte, outet sich hier doch niedrigstes Niveau, das ich nicht einmal „konservativ“ nennen möchte, da dies eine wirkliche Beleidigung für die rechte Mitte wäre.
    Unüberlesbar sin die Einflüsse vom rechten Rand, die eine geistige Skinderella offenbaren, nur eben etwas betuchter und daher nicht ganz so pimitiv wie ihr Pendant in Marzahn. Rechtsaußen bis unter die Fingernägel und zum Selbstschutz mit ein wenig Israelfreundlichkeit getarnt. Wem will sie denn damit gefallen?

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