Stilstand

If your memory serves you well ...

Leitartikler lieben Eintopf

Verlass hingegen ist auf deutsche Kommentatoren. Beseelt von der Überzeugung, dass alle Macht vom Leitartikel ausgehe, reagieren sie persönlich beleidigt, weil mehr als die Hälfte der Italiener die Empfehlungen aus Deutschland ignorierend nicht für Programme zur Selbstverarmung (Monti) oder zur Selbstverarmung (Bersani) gestimmt hat, sondern für Grillo und Berlusconi, also für zwei „Klamauk-Künstler“ (FAZ) bzw. „Komiker“ (SZ) bzw. „Clowns“ (Steinbrück). Pressevielfalt ist, wenn alle, inklusive der eigenen politischen Klasse, dasselbe meinen, es aber anders sagen.“

Schöner Text. In den deutschen Medien merken die Verlagsgranden noch nicht einmal mehr, dass sie alle wie Nudelmaschinen das gleiche Programm abspulen, nur, weil sie an unterschiedlichen Stellen in den Wortschatz gegriffen haben. Ob aber ‚Komiker‘, ‚Klamauk-Künstler‘ oder ‚Clown‘ – darauf kommt es gar nicht an. Kurzum: Diese Presse hat zwar viele Falten, aber keine Vielfalt …

Nachtrag: Am nächsten Tag verurteilte die FAZ Steinbrücks Äußerung, der von „Clowns“ gesprochen hatte, als gaaanz furchtbar undiplomatische und unentschuldbare „Schmähung“; die „Klamauk-Künstler“ hingegen, von denen die Frankfurter selbst 24 Stunden zuvor gesprochen hatten, fielen da vermutlich schon unter die Rubrik hochdiplomatischer „Finesse“ im Ausdruck …

3 Kommentare

  1. „Nudelmaschinen“ spulen ein Programm ab?
    Die Maschinen, die ich kennen – und die man bei Gugel/Bilder zu Hauf zu sehen bekommt – tun das keineswegs.
    Man muss reichlich viel & immer wieder selbst drehen und vorher jedesmal die Dicke einstellen, und anschließend aufpassen, was mit dem herausquellenden dünnen Teig geschieht, etc.
    Das war mir schlicht zu viel an diffiziler Eigentätigkeit, so dass ich das Teil nicht mehr benutzte und später dann verschenkte. Meine Nudeln – übrigens: „De Lecco“ – kaufe ich nun wieder in dem kleinen Laden des freundlichen Italieners, d er auch Schinken und Käse aus Parma anbietet, und: Pinienkerne, die bei ihm nur halb so viel kosten wie im Supermarkt.

  2. Bei mir kamen ‚Bandnudeln‘ aus der Maschine. Ein wenig hatte ich aber auch den ‚Spaghetti-Code‘ früher Programmiersprachen vor Augen, wo man völlig modulbefreit und unbekümmert um Sprungadressen alles linear runtermöhrte.

  3. Dazu passend Georg Seeßlen im „Freitag: „(…) die deutsche Presse (…) findet nichts dabei, dass man nach einer Wahl nicht mehr nach den Menschen, sondern nach den Märkten fragt, und dass sich deshalb genau jene zu den Auswirkungen dieses Votums äußern, die das ökonomische Desaster angerichtet haben“… „Lasst doch die Finanzmärkte gleich direkt ihre idealen Regierungen wählen“…

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