Hallo, Brüderchen,

dir aus der niedersächsischen Pampa einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

Vielleicht wunderst du dich ein wenig über das Buch, das ich dir schickte. Immerhin aber ist es das letzte Buch, das ich atemlos in einer einzigen Nacht durchlas. Und es enthält ein nahezu ausgestorbenes Genre: Kurzgeschichten.

Für mich steht dies Buch gleichrangig neben Hemingway, nur dass es beim Großmeister Hochseeangler, Elefantenmörder oder Stierkämpfer aus der ‚lost generation‘ sind, welche die Bühne bevölkern, bei Pollock ist es der ‚white trash‘, verlorene Gestalten aus der tiefen Provinz, die in ihren Trailer-Parks die Zeit totschlagen. Sherwood Anderson hat als letzter so etwas gewagt. Übrigens kam der gleichfalls aus Ohio. „Alle Amerikaner kommen aus Ohio, zumindest zeitweise“, hat ein kluger Mann gesagt.

Die Lapidarität und ‚Pointenlosigkeit‘ ist es, die mich in Knockemstiff so sehr an Hemingway erinnert. Vater und Sohn sitzen im Autokino, der Film ist Schrott, sogar für ihr Spatzenhirn, also steigen sie aus und prügeln sich mit den anderen Besuchern, sie steigen wieder ein und fahren nach Hause. Damit ist ihr Tag rund. Den ‚Plot‘ kannst du also vergessen, alle landen immer wieder dort, wo sie gestartet sind, auch die ‚Moral von der Geschicht‘ ist eine glatte Fehlanzeige – aber wie das erzählt ist, so etwas hat es lange nicht gegeben. Eine große, völlig vergessene Schicht taucht unversehens auf der literarischen Bühne auf, und siehe da, es sind Menschen. Kurzum – dein Bruder erteilt dir eine Art ‚Lesebefehl‘.

Dir jedenfalls alles Gute zum Geburtstag dort unten, in jenem putzigen Zwergstaat, wo ihr seltsame Einwanderungsinitiativen beschließen oder ablehnen dürft. Grüß mir bitte den Rest vom Schützenfest.

Alles Liebe