Stilstand

If your memory serves you well ...

Keinen Kopf machen

Die Sprache ist eine große Verräterin. Aus den Bildern, die sie verwendet, schält sich der Charakter immer klar heraus. Ein Beispiel: Ein junges Pärchen wird auf der Straße interviewt – ob sie denn jetzt auf Flugreisen verzichten würden, wegen der Klimaveränderung? Er, ein Kahlkopf mit messerscharfen Kuranyi-Koteletten und Flammen-Tattoos auf den Unterarmen, sie, ein schnuckelig-schmuckmäßig völlig überladenes Grinsepferdchen aus dem gesellschaftlichen Rennstall der Grenzdebilen, jener Typus, der von bösartigen Naturen auch ‚Disco-Schnepfe‘ getauft wird. Er als Mann fühlt sich primär angesprochen, schiebt seine Begleiterin zurück, und verkündet selbstgewiss ins Mikrofon: „Da mach ich mir keinen Kopf drum“. Und so ist es ja auch …

Während es in längst vergangenen, dunklen Zeiten als Lebensziel galt, den eigenen tumben Simplicius durch selbst geschaffene Gedanken in einen ‚guten Kopf‘ zu verwandeln, da ist heute dieser aufs Hirn gerichtete Anspruch in jener Szene längst erloschen. Einen Kopf will man sich gar nicht mehr machen, zwei Beine zum Abzappeln und intakte Fortpflanzungsorgane genügen völlig. Wollten solche Figuren sich ‚einen Kopf machen‘, dann würde es vermutlich weh tun, schon wegen der eingerosteten Denkapparatur dort oben, die auf solche Anstrengungen gar nicht ausgelegt ist. Am Ende ginge beim ‚Kopfmachen‘ noch etwas kaputt …

10 Kommentare

  1. Sollte man sich um solche Typen wirklich einen Kopf machen?

  2. Hat jemand erst einmal einen Kopf, kann er buchstäblich von jedem was lernen.

    😉

  3. War das nicht gestern in diesem fürchterlichen Mikich-Beitrag im fast unerträglich schlecht recherchierendem Monitor mit seinen abstrusen Argumentationsschienen?

    Na ja, Straßenumfragen und Zuschauertelefon – immer ein Garant für Grausamkeiten und die Frage: Wie kam nur jemand auf die Idee ’sapiens‘ als Artnamen hinter Homo zu setzen?

  4. Nicht alles über einen Kamm scheren: Den Beitrag über den Hype um die Schweinegrippe fand ich recht erhellend …

  5. …sapiens… neeee.

    Wir sind Pan narrans!

    (so ungefähr: der geschichtenerzählende Schimpanse).

  6. Pan? Ist das nicht der mit den Bocksbeinen, der mit seiner Flöte immer hinter den Weibern her war?

  7. Stimmt, der Schweinegrippebeitrag brachte zwar nichts Neues, war aber wenigstens ordentlich mit Fakten bestückt und wenig emotionalisiert. Im Gegensatz zu Mikichs alberner Panikmache*. Ich stelle ohnehin fest, dass die ÖR-Politmagazine immer einen guten Beitrag haben. Aber oft eben nicht mehr, selbst Frontal21, das [zusammen mit seinem Vorgänger] insgesamt recht konsistent ordentlich war, neigt inzwischen zunehmend zu unzulässigen Verkürzungen und zur Emotionalisierung. Bei Panorama scheint sich das Verhältnis wieder umgekehrt zu haben, 1 Urgh-Beitrag, der Rest ordentlich recherchiert und aufbereitet.

    Möglicherweise dauert es nicht mehr lang – hängt von der Entwicklung von Zapp, extra3 und heute Show ab – und es ist bei uns wie in den USA: Die satirischen Fake News sind die zuverlässigsten Informationsplattformen.

    *Hinweis Klar gibt es de.n Klimawandel und die Daten zeigen m.E. einen sehr deutlichen menschengemachten Effekt. Die Schlussfolgerungen daraus sind allerdings oft seltsam. Die Modelle für die Auswirkungen des Klimawandels zeigen, dass er eben nicht durchgängig schädlich sein wird.

  8. Naja, Zapp ist ja keine Satire-Sendung, sie wirken nur so, weil sie über Medien berichten. Ansonsten aber Zustimmung: ‚Neues aus der Anstalt‘ ist politisch oft erhellender als viele dieser ’seriösen Formate‘.

  9. Wolfgang Hömig-Groß

    21. November 2009 at 12:07

    Was mir angesichts des jüngst entwickelten „Konzepts“ im rbb-Inforadio anlässlich der dort jetzt waltenden Unsitte, in Interviews „O-Ton-Schnipsel“ einzuspielen noch einmal nachdrücklich klar wurde, ist, dass leider die Auswahl der gesendeten Schnipsel und Interviews nicht Teil der Nachricht ist. Denn ich denke mal, wenn man 100 Leute auf der Straße zu diesem oder irgendeinem anderen Thema befragt, bekommt man von Dada bis fundiertem Vortrag alles geliefert. Aber was wird gesendet? Nach welchen Kriterien wird ausgewählt? Was, meinen die Radio-/Fernsehmacher, „will“ der Zuschauer sehen?

  10. @ Wolfgang: Wenn du Deppenradio machen willst, musst du Deppen zu Wort kommen lassen. Wenn sie untergehen, haben sie Unrecht gehabt. Es ist eine Art Wette auf die Menschen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑