Wenn der Joachim Gauck dem Thilo Sarrazin „Mut“ bescheinigt, dann verwechselt er auflagenfixierte Rampensau-Allüren und skandalgeiles Dieter-Bohlen-Gehabe mit lutherischer Überzeugungstreue und mit dem Willen zur Wahrhaftigkeit um jeden Preis. Mit dem gleichen Recht ließe sich einer Lady Gaga oder einem Marilyn Manson dann „Mut“ bescheinigen. Auf falschen Prämissen wiederum lässt sich kein solides Gedankengebäude errichten.

Disclaimer: Trotzdem halte ich weiterhin Joachim Gauck, verglichen mit dem niedersächsischen Langweiler und Zustandsverwalter, für den besseren Präsidenten. Als unangenehmer Solitär wird der neue Mann die Republik jetzt ‚rocken‘, wenn auch wohl mit ganz anderen Melodien, als in seligem Schlummer viele noch meinen. Für die dahindämmernde Diskussion – ob so, oder so – ist Joachim Gauck sicherlich eine Art Fünftonfanfare …