Stilstand

If your memory serves you well ...

Intellektual-Muckefuck

Was waren die beherrschenden Themen der letzen Woche? Klar, Papstbesuch und Eurokrise. Prompt funzelt unserem Schreiber dann noch verblasstes Studentenwissen über Max Webers innerweltliche Askese durchs strapazierte Denkgeschwür, und dass es – oho!, aha! – dem protestantischen Finnland ja heute erheblich besser ginge als dem Bunga-Bunga-Italien des Messknaben Berlusconi – fertig ist der große Meinungsartikel für Deutschlands Leitmedium, ein echter Fleischhauer mal wieder.

Dabei erwiese sich dessen Pose als Max Weber 2.0 schon an der Stelle als lächerlich, wo er uns erklären müsste, weshalb das bajuwarische Jesuitenbabel faktisch so viel besser dasteht als der dröge Calvinistenstall zu Bremen. Ganz abgesehen davon, dass heute in den wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen der Welt gar keine bilderstürmenden Zwingli-Jünger wohnen, sondern kuhheiligende Hindus und weltweise Konfuzibussis … anders ausgedrückt: Fleischhauers Welt säuft regelmäßig ab wie ein Bügeleisen im Hafenbecken, sobald man über seine Prämissen nachzudenken beginnt. Was viele der Kommentatoren dort nachweislich nicht tun …

4 Kommentare

  1. Na ja,
    aber daß die Ratingagenturen in New York sitzen und die Geldwäschetempel in Zürich stehen, das erklärt sich mit Max Weber recht gut. Das müßte man dem Herrn Fleischhauer mal sagen, dann könnte er seine These in verbesserter Auflage rausbringen. Finnland ist übrigens nie calvinistisch gewesen, Bremen aber auch nicht.

  2. Naja – und das beste Lotterbett für kapitalistische Firmen hat ausgerechnet das katholische Irland zu bieten, Unternehmenssteuern irgendwo jenseits der Nachweisgrenze. Schon haut’s wieder nicht hin.

    Bremen war übrigens ‚reformiert‘, gehörte also schon zur strengen Observanz des Protestantismus, es war von der Sittenstrenge des Calvinismus damit nicht weit entfernt. Und für ‚auf Erden schon auserwählt‘ hielten sich die Senatorenfamilien dort ganz gewiss. Der Knigge hat ein paar schöne Anekdoten über das kirchliche Leben dort zwischen Lachverbot, Domhügel und Schütting hinterlassen … 😉

  3. Habe dich heute bei Spiegelfechter entdeckt. Dein Blog gefällt mir. Werde dich künftig auch verfolgen.
    Wünsche dir weiterhin gutes Gelingen. André alias der Herr Karl

  4. Die älteren erfolgreichen Kapitalistengegenden waren jedenfalls reformiert. Irgendein katholischer Landesfürst muß in jüngerer Zeit dahintergekommen sein, wie man Geschäfte machen kann, ohne sich dem Wesen Katholizismus, also der innigen Verbindung von Selbstkasteiung und Genußmenschentum, zu entfremden. Ich glaube, das war F. J. Strauß, und dem eifern jetzt die Glaubensbrüder in etlichen Teilen der Welt nach.

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