Stilstand

If your memory serves you well ...

Sie verschlimmbessert sich!

Der von mir nie verheimlichte Tatbestand [aber erst, als alles aufgeflogen war, nüch?], dass eine in der Literatur seit Jahrhunderten nicht unübliche Anzahl von Sätzen [in welchen vorbildhaften Büchern geschah das denn bitte, und wie viel Sätze sind ‚üblich‘?] in meinem Buch woanders schon mal so ähnlich [oder so] stand, wurde zu einer handfesten Möglichkeit, mich 1. nicht ernst zu nehmen, 2. beleidigen zu können und 3. wildeste Spekulationen als nachgewiesene Tatsachen [das ist alles nämlich gar nicht wahr!] auszugeben. Aus »wenigen Sätzen« wurden »zahlreiche Passagen« und schlussendlicherseits 90 Prozent des Buches, die ich aus dem Internet abgeschrieben haben soll [das hat keiner je behauptet, das wäre auch viel zu viel Tipparbeit für eine umtriebige Deern, In Zeiten des Internet steht nur ‚kopiert‘ zur Diskussion]. Viele Journalisten, mit denen ich in dieser Zeit kommuniziert habe [nicht bloß gesprochen, sogar ‚kommuniziert‘], weigerten sich …, die eigentlich wichtigste Tatsache mit einzubeziehen: nämlich dass es sich bei der als Plagiat bezeichneten Menge [man darf hier ja nicht Brutto mit Netto verwechseln] von (nicht abgeschriebenen, sondern modifiziert in einen komplett anderen Kontext gesetzten [jaja, eine Fickifick-Disco hier, die gleiche, aber ‚komplett andere‘ Fickifick-Disco da!]) Stellen um zusammen genommen circa eine einzige von 206 Buchseiten [muss wohl eine Seite im DIN-A0-Format sein] handelt.“

Soso, hmmmhmmm, woher aber kam letztlich dann die profunde Lokalkenntnis unserer Lolita? „Ins Berghain dürfen dank härtester Türpolitik nicht mal Leute, die auch nur AUSSEHEN wie unter 21jährig.“

Letztlich aber sind das alles nur Vaginalien …

8 Kommentare

  1. kursierte da nicht mal der wert von 0,5% den sie kopiert haben soll? das wäre dann wohl eine sehr gross beschriebene A0-Seite…

  2. „Was hat meine zukünftige Ehefrau Nicolette Krebitz, die gleichzeitig superintelligent, superunabhängig und die bestangezogene Frau Deutschlands ist und die ich abgesehen davon über alles liebe…“
    Helene Hegemann (19.02.1992) heiratet Nicolette Krebitz (02.09.1972)?
    Die Frauen holen auf.

  3. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass in dieser ganzen Debatte die falsche Person aus den falschen Gründen geschlagen wird. Fräulein Hegemann ist eine sehr junge Frau, die wie jeder junge Mensch glaubt und hofft, schnell Bedeutendes in der Welt zu leisten. Das ist nicht schlimm.

    Es ist auch nicht schlimm, dass sie versucht hat einen von ihr geschriebenen Text zu veröffentlichen und damit Geld und Ruhm einzustreichen. Es ist nicht einmal schlimm, dass sie Texte anderer dafür verwurstet – das ist nicht einmal neu. Genau so wenig wie die anklagenden Stimmen dazu, ich erinnere hier nur an Karl May, der jahrelang als Lügner und Abschreiber vor Gericht gezerrt wurde. Was uns mehr über die literaturwissenschaftlichen Unzulänglichkeiten seiner Kläger sagt als über ihn.

    Warum haben den Verlag und Vater Hegemann, der sich ja durchaus mit Kulturmarketing auskennt, nicht ein wenig aufgepasst? Warum haben sie nicht von vornherein jene Passi hinein gebracht, die nun ab der zweiten Auflage verpflichtend sind? Warum hat man das arme Mädchen unvorbereitet oder gar falsch vorbereitet auf die Welt losgelassen?

    Am schlimmsten aber – und ich habe mich bei Hegemanns Harald-Schmidt-Auftritt vor Leid gewunden – ist die unverfrorene Übertreibung der gesamten Marketingmaschine, sie zu einem Genie zu machen, zur Stimme einer Generation, zur besten Schreiberin …

    Eigentlich interessiert mich weder die H noch deren totes Amphib, trotzdem habe ich versucht ihren Zeit-Text zu lesen. Ist zugestanden ein sehr kleines Sample, aber von Genie und guter Schreibe sehe ich da nichts. Auch bei Harald Schmidt machte sie mehr den Eindruck eines aufgescheucht-verschüchterten Kätzchens. Und zur Stimme einer Generation konnte sie nur gehypt werden, weil die geilen alten Säcke in den Redaktionen sabbernd jung und hip sein wollen, dabei aber nur als Proto-Pädophile auf Gymnasistinnensuche scheinen.

  4. Ja, es wäre tatsächlich nichts dagegen zu sagen, wenn sie sich die subjektiven ‚Ergüsse‘ des Airen künstlerisch „anverwandelt“ und so zu Literatur „umgeformt“ hätte. Das aber hat sie nicht gemacht, das hat sie nicht gekonnt, die Fähigkeit zur Form fehlt ihr – und das ist der Kern meiner Kritik an ihr: Sie ist keine – eine Künstlerin nämlich.

    Bei einem Freund habe ich in diesem ‚genialen Manifest einer neuen Generation‘ blättern dürfen. Was für ein Gestammel, welch verb- und blutleere Sätze, die nur vom Inhalt leben möchten, aber mangels formaler Qualifikation vor der Geburt schon verreckt sind – und welche Partizipialwürste! Wer einen solchen Gallimatthias verbricht, dem glaube ich bis zum Beweis des Gegenteils nicht, dass er schreiben kann: „Viele Journalisten, mit denen ich in dieser Zeit kommuniziert habe, weigerten sich …, die eigentlich wichtigste Tatsache mit einzubeziehen: nämlich dass es sich bei der als Plagiat bezeichneten Menge von (nicht abgeschriebenen, sondern modifiziert in einen komplett anderen Kontext gesetzten Stellen um zusammen genommen circa eine einzige von 206 Buchseiten handelt.” Dafür gäbe es im Deutschaufsatz der Unterprima schon Haue.

    Noch anders ausgedrückt: Im Kern richtet sich meine Kritik weniger gegen Helene Hegemann, weil solche Texte zu Hunderten auf Lektorentischen und danach im Papierkorb landen. Sie richtet sich gegen ein dienstbereit buckelndes Föjetong und ein vertreterhaft umtriebiges Verlagswesen, denen beiden jeder literarische Maßstab abhanden gekommen ist. Die noch einmal mehr zwischen Literatur und Nichtliteratur zu unterschieden vermögen. Denen es also an Basisqualifikation für ihren Beruf fehlt.

  5. „Dirtk: Es ist auch nicht schlimm, dass sie versucht hat einen von ihr geschriebenen Text zu veröffentlichen und damit Geld und Ruhm einzustreichen.“
    Da fehlt bei einem Verb vorne ein „ab“.

  6. Nö, Jeeves, da fehlt kein ‚ab‘, da habe ich mir schon Gedanken drüber gemacht. Da fehlt höchstens ein Komma, allerdings rettet mich da die Rechtschreibreform. Das und einige andere Typos habe ich übrigens bei meiner Zweitwverwertung [DH2Publishing.tumblr.com] korrigiert.

  7. Das Gebabbel liest sich eher so, als hätten es sich ein Jurist und ein PR-Heini abgezwungen, die sich gegenseitig verachten.

  8. Ich finde das alles verstörend grausam. Es zeigt wie durch ein Brennglas die Perversität und Irrelevanz des Kulturbetriebs. Das in einer Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche, in der Theater, Literatur, Kunst bedeutende Denkanstösse geben könnten.

    Klar kann Hegemann einem leid tun. Wer will denn als 18-Jähriger mit über 30-Jährigen abhängen? In dem Einschub „superintelligent, superunabhängig und die bestangezogen“ wird die Kluft klar, mit der Hegemann lebt. Der Traum eines Grossbürgerkindes. Unerreichbarer Erwartungsdruck. Bestangezogen: Selbst die Autorin käme nicht auf die Idee sich Stil zu zubilligen. Superunabhängig: Nicht mal Berlin hat sie sich selbst ausgesucht. Im Gegensatz zu ihren Kulturszene-Kumpels, die selber hingezogen sind weil es „the place to be“ sein soll. Was wäre, wenn Vater Hegemann nach Bochum das Schauspielhaus Hannover gerockt hätte… Die „ich grüsse meine Freunde“-Einschübe zeugen auch nicht von Autonomität. Superintelligent: Ohne Schulabschluss und altersbedingter begrenzter Lebens- und Berufserfahrung, aber mit einem akademisch kulturbeflissenen, kosmopolitischen Umfeld geschlagen.

    Könnte Stoff für ein Psychodrama liefern. Wie können uns freuen, dass es bisher in einer Plagiats-Auseinandersetzung geendet hat und keiner ernsthaft zu Schaden gekommen ist.

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