Jan Fleischhauer Seite an Seite mit Claudia Roth – die Beschneidungsdebatte schafft wunderliche Konstellationen, die nur noch hintersinnig Zusammenhang ergeben, zum Beispiel durch angewandte Typenlehre. Wenn aber unser Canaletto nicht mehr die Heerschar der Gutmenschen züchtigen darf, wenn er sogar Muslime verteidigen muss, weil er mit ihnen an der gleichen Bushaltestelle vorm Museum zum Mittelalter wartet, was macht er dann? Genau! Er sucht sich eine Schnittmenge, ‚die sozialtherapeutischen Berufe‘ nämlich, ansonsten aber verwendet er den gleichen Schnittmusterbogen …

Wer mir jedenfalls nach der Lektüre dieses Besinnungsaufsatzes dort sagen kann, welche Position der Jan eigentlich vertritt, außer einem ‚das machen die Hierophanten doch schon immer so‘, und ‚bei abstehenden Ohren kommt doch auch der Arzt‘, der kriegt von mir ’nen Keks. Denn die Realität ist ja noch schlimmer, Jan Fleischhauer, selbst dann, wenn wir mal nicht in eskamotischer Absicht die Vorhäute mit den Ohrmuscheln verwuscheln: Bei angeborenen Herzfehlern, da greift der vernünftige Arzt sogar zu Maßnahmen, vor denen schreckt derzeit der unaufgeklärteste Mullah mit seinem Beschneidemesserchen noch zurück.

Natürlich aber haben Sie ansonsten völlig recht: Alle Taliban und orthodoxen Siedler sind ganz normale Leute. Nicht durch eine religiös verordnete Onanierbremse werden also die Knäblein traumatisiert, sondern durch ein ebenso intaktes wie außenseiterisches Vorhäutlein, wodurch sie das Trauma des Nicht-Dazugehörens durchleiden. Wird so jemand erwachsen, fängt er am Ende noch an, seltsame Kolumnen in deutschen Magazinen zu schreiben …