Stilstand

If your memory serves you well ...

Hirnschmelze?

Corium – wie schön, mal wieder ein neues Wort für meine Sammlung! Es klingt nach fachlicher Kompetenz und weißen Laborkitteln, ähnlich wie Aluminium, Deuterium oder Helium. Leider suggeriert es diese klinisch-aseptischen Eigenschaften nur: Corium ist schlicht ein Kunstwort, das – abrakadabra! – aus dem ‚Core‘ für den Reaktorkern und einer latinisierenden Endung hervorzaubert wurde, um wissenschaftliche Beherrschbarkeit vorzugaukeln. Jenes Corium, das es jetzt am Reaktorboden zu kühlen gilt, ist nachwievor nichts anderes als eine wilde Mischung aus radioaktiven Isotopen, die sich wie glühende Lava durch die Druckbehälter von Fukushima nagen. Dem gemeinen Volk ist dieses Corium übrigens längst als „Kernschmelze“ bekannt … was zugegebenermaßen nicht ganz so nett klingt.

4 Kommentare

  1. Das Wort hat allerdings schon im Februar 2002 Kurt Kugeler in einem deutschsprachigen Aufsatz verwendet. Ganz so neu ist es also nicht.

  2. Naja – für mich war es neu. Und ein Kunstwort, das der Verschleierung dient, ist es auch in jedem Fall. Denn weder ist Corium ein reines Element, noch ein Mineral, noch eine Legierung, die immer annähernd die gleiche Zusammensetzung hätte, wie bspw. Messing. Corium ist schlicht jener unbestimmbare radioaktive Schlunz, der anfällt, wenn es zur Katastrophe kommt …

  3. Spricht der Arzt vom Mesenterium, um zu verschleiern, daß er das Gekröse meint?

  4. Mein Arzt käme mir mit ‚Mesenterium‘ nicht ungeschoren davon …

    😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑