Stilstand

If your memory serves you well ...

Hach, unsere Posh!

Das Spice Girl des deutschen Feuilletons, geboren in temporeicheren und unbedenklicheren Tagen, verwirrt mit seinen verbalen Reizen meine Vorstellungskraft wieder und wieder:

„Die ersehnte Verlangsamung einer sowieso veränderungsresistenten Gesellschaft wird die Sklerose seiner Einzelteile verschärfen.“

Bruchstücke wilder Metaphern aus aller Herren Bilderwelten feiern fröhlich Kollision, die besitzanzeigenden Pronomina flattern beziehungslos im Wind, während der eh schon eingetretene Stillstand einer ‚veränderungsresistenten Gesellschaft‘ unaufhörlich noch weiter ‚verlangsamt‘ wird, vor allem aber ’sowieso‘, eine wuchernde Sklerose aus geriatrischen Gichtknoten wirkt im Volk sowohl ‚ersehnt‘ wie ‚verschärfend‘, dank der unaufhörlichen Einreibungen mit Löwensenf, Föjetong und Cayenne-Pfeffer, kurzum – Poschardts mentaler Lego-Kasten liegt mal wieder, pardautz!, ausgekippt in ‚Einzelteilen‘ vor unseren erstaunten Augen. Und wir dürfen probieren, ob sich aus diesen Scherben wider Erwarten nicht doch etwas Schönes und Einsichtiges basteln ließe.

Warum das alles? Offensichtlich, weil der Herr seine ästhetische Allergie gegen Solarmodule endlich mal energisch outen musste; vielleicht, weil er auch mal wieder in die Zeitung wollte; vor allem aber, weil ihm die dämonischen Grünen den Spaß an der PS-starken Yuppie-Schaukel versalzen möchten. Ach ja – diese selige ‚Vanity Fair‘ oder der große ‚Jahrmarkt der Eitelkeiten‘, der doch längst seine Siebensachen auf Zirkuswagen gepackt hat, um weiterzuziehen. „Forever young!“ ist auch ein Glaube, Krähenfüße bilden den Gegenbeweis …

Anmerkung: Ein Ironiker muss wohl der Grafiker bei ‚Welt Online‘ sein, der die ‚erschröckliche Ästhetik‘ solcher Solarmodule direkt neben die klaren Linien traditioneller Netzarchitektur stellte.

3 Kommentare

  1. Der Anmerkung kann ich nicht ganz folgen, immerhin wird eine ökologische Stromversorgung *mehr* Hochspannungsleitungen erfordern als die bisherige schmutzige Stromversorgung. Aber natürlich ist est zum Kotzen, wie Leute wie Poschardt ihre ästhetischen Empfindlichkeitchen angesichts der drohenden Klimakatastrophe zu Problemen aufblasen.

  2. @ ke: Hier im Norden ist es so, dass die ‚Windbauern‘ ihre Räder höchstselbst mit eigenen Erdkabeln anschließen, weil die großen Netzbetreiber nicht in die Hufe kommen. Neben kaum einem Windpark sieht man hier Hochspannungsleitungen, auch keine Niedrigkeitsspannungsleitungen. Ein Trafo-Häuschen zum Umspannen – und das war’s. in -zig Kilometern Entfernung geht’s dann ins bestehende Netz. Bei Eigenheimen mit Solarzellen sieht’s übrigens ähnlich aus …

  3. Lassen wir einemal außen vor, was das alles kosten würde, wie die neuen Stromnetze aussehen und überhaupt und so. Weil ohnehin keiner wirklich was weiß, da wird aus dem Bauch heraus einfach viel Unsinn erzählt, lange bevor auch nur klar ist, wohin genau denn die Reise geht.

    Die Aneinanderreihung von Buchstaben, die das Ausgangszitat des Beitrags bildet, ergibt einfach keinen sinn. So simpel ist das. Sie soll vermutlich auch postmodernistisch unverständlich sein, um sich vor möglichen Reaktionen der bisher als eigenen reklamierten Leserschaft zu schützen. Außerdem klngt das viel schöner als : ‚I mog des net.‘

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