Stilstand

If your memory serves you well ...

Gratis-Lektorat für Frau Meckel

Frau Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationsmagement an der Universität St. Gallen. Dieses ‚Harvard der Alpen‘ ist eine der industriellen Kaderschmieden Mitteleuropas. Sie lehrt dort ‚Corporate Communications‘, bringt also den Unternehmen das Sprechen und Schreiben bei. Angesichts dieser hehren Zielsetzung wird sie mir, denke ich, dankbar dafür sein, dass ich unentgeltlich einen ihrer Texte stilistisch etwas aufpoliere.

In ihm antwortet sie auf Angriffe ihrer hochbedeutenden Thesen durch Stefan Niggemeier, und wenn solch ein diskursiver Text durch mich etwas eingängiger wird, dann verstehen ihn ja vielleicht auch die begriffsstutzigen Blogger etwas besser. Weshalb wiederum jeder erkennen kann, wo diese leckere Buchstabensuppe mit dem einen oder anderen Argument kulinarisch abgeschmeckt wurde. Aus Gründen der Anschaulichkeit habe ich Original und Verbesserung immer höchst säuberlich nebeneinander gestellt. Der Text von Frau Meckel erschien übrigens unter dem Titel „Die Buschtrommel-Dokrin“ dort in ihrem Blog, wo ich auch die von großer Liebe und Verehrung zeugenden Kommentare lobhudelnder Studiosi und Studiosae der Beachtung empfehle. Los geht’s!

Gleich der erste Satz will den Leser in seinen Bann ziehen, was aber bei all dem Deuten und Werweisen gleich eingangs – hierhin, dorthin, aber das nicht – schwerlich in solch verknoteter Gestalt funktionieren dürfte:

Miriam Meckel: „In der deutschen Debattenkultur hat man gute Chancen, die Erfahrung zu machen, wie man zum Gegner von etwas stilisiert wird, gegen das man nie war und nicht ist„.

Besser: „Wie leicht wird frau doch missverstanden!

Multiperspektivisch geht es gleich darauf weiter – die unbeteiligte Beobachterin Miriam Meckel steht der diskursiven Straßenkämpferin Miriam Meckel auf der offenen Flur der Debattenkultur sozusagen kontradiktisch gegenüber – in der Doppelgestalt von Hamlette und Brünhilde gewissermaßen.

Miriam Meckel: „Aus Perspektive der Gesellschaftsbeobachterin ist das eine interessante Erfahrung, aus praktischer Perspektive der Erträge öffentlicher Diskurse ist es eher ein Trauerspiel.

Besser – und dem eher schlichtgestrickten Denkvermögen der Bloggemeinde ohne jeden Dualismus angepasst: „Trauer möchte schier Elektra tragen.

Es folgt jetzt die Einführung des titelgebenden Neologismus, der vorgeblich längst schon die Debattenkultur beherrschen soll: Es geht um die ‚Buschtrommel-Doktrin‘. Ich denke ja, Frau Meckel verwendet hier nur einen anderen Ausdruck für den bekannten „Rudeljournalismus“, wo alles Hals über Kopf aus der Redaktion stürzt und nach Winnenden galoppiert, wenn in Winnenden plötzlich etwas los sein soll. Wie dem auch sei, der Text klingt so …

Miriam Meckel: „Die Buschtrommel-Doktrin, die derzeit die Debatte über die Zukunft des Journalismus offline und online beherrscht, geht nach eben diesem Prinzip der präventiven binären Konfrontation. Ein Prinzip, das immer in der Lage ist, konstruktives Argumentieren zu killen: Wenn Du nicht für mich bist, dann bist Du gegen mich„.

Hier kam ich dann ins Stottern, weil eine Buschtrommel doch eher die gesamte Szene – in dem Fall also ganz Blogville – zum großen Potlach zusammenrufen würde. Gnadenloses Gesabbel und Milliarden Meinungen wären unausweichlich die Folge, aber doch kein ‚binäres Prinzip‘, kein Manichäertum von ‚gut‘ und ‚böse‘. Ich denke daher, Frau Meckel wollte etwas zum Ausdruck bringen, das zwar auch im Busch spielt, wenn die Trommeln wummern, das sich aber doch eher auf Kindheitserinnerungen bezieht, vielleicht auf die bunten Witzheftchen, die einstmals ‚Dreimal kurz gelacht‘ oder ähnlich hießen und koloniale Vorurteile pflegten. Versuchsweise wäre daher der folgende Text angebracht: „Ich kam mir in dieser Auseinandersetzung vor wie die Missionarin im Kochtopf eines wilden Negerstammes„. Mit den Bloggern als den unzivilisierten Barbaren der Neuzeit.

Ein letzter Satz beschließt diesen ersten Absatz, dessen Kryptik sich mir auch bei längerem Nachdenken nicht recht erschließen wollte.

Miriam Meckel: „Und wenn das nicht ganz klar ist, weil die Argumente nach Differenzierung verlangen, dann helfen wir eben etwas nach„.

Tscha – wer mag dieses rätselhafte ‚wir‘ dort denn sein: Ist es Frau Meckel, ich, du, die anderen? Ist Frau Meckel gar freiwillig in den Topf gestiegen? Haben ihr die anderen ‚bei der Differenzierung‘ – also wohl bei der Gewürzauswahl – nur geholfen? Ist der Satz am Ende selbst die Wortpetersilie? Ich weiß es nicht. Ich denke aber, es müsste von der Logik her so lauten: „Vergeblich suchte ich diesen Barbarinnen klar zu machen, dass wir Missionare gebraten sehr viel besser schmecken„.

Hiermit hätten wir uns also einen kompletten Absatz Miriam Meckels ins ‚Bloggische‘ übersetzt:

Wie leicht wird frau missverstanden! Schier möchte Elektra da doch Trauer tragen. Jedenfalls kam ich mir in dieser Auseinandersetzung vor wie die Missionarin im Kochtopf eines wilden Negerstammes. Vergeblich suchte ich den Wildinnen und Wilden klar zu machen, dass Missionarinnen gebraten sehr viel besser schmecken, dass sie am besten aber ungegessen munden, vielleicht bei einem leichten diskursiven Apéritif unter Entscheidern in einem entlegenen Wirtschaftsmagazin anstatt. Aber dieser unverschämte Stefan Niggemeier, der wollte ja nicht hören„.

3 Kommentare

  1. Ja und die anderen Absätze?
    Warum lässt uns Klaus Jarchow so schmählich im Stich?
    Ich verstehe bei Frau Professor Doktor tatsächlich fast ausschließlich Bahnhof.

  2. Einsiedlerkrebs

    25. Mai 2009 at 2:05

    Auf fast jeder Seite ist ein Bild von ihr vorhanden. Sie sieht aber schon gut aus 🙂

  3. @ Axel: Ab dem zweiten Absatz kostet es was. Sonst nimmt mich Frau Meckel nicht ernst …

    😉

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