Stilstand

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Freigeist

Bezeichnend für die deutsche Herdenmentalität ist es, dass hierzulande der schöne Begriff ‚Freigeist‘ stets als Schimpfwort galt. Wo soll es auch hinführen, wenn jeder frei wäre, das zu denken, was er will? Dann doch lieber den Nonkonformisten in den Stall verfrachten, damit er dort leitsatzgetreu nach den Noten der Corporate-Behaviour-Kirche das zu blöken lernt, was alle blöken.

2 Kommentare

  1. Passend dazu auch, dass ‚Gutmensch‘ als Beleidigung eingesetzt wird, wer zumindest den Anspruch hat, die Welt nicht schlechter zu hinterlassen, als er sie vorfindet, ist offenbar des Übelsten verdächtig.

    Nun ja, ich bin dann doch lieber ein Gutmensch denn ein Bösemensch. Nicht, dass unsere Broders, Mierschs, Proto-Nazis und all diese Heinis das verstehen können.

  2. Wenig bekannt ist auch, dass der Begriff „Gutmensch“ von der Neuen Frankfurter Schule geprägt wurde, also einem freischwebend-linkssatirischen Milieu entstammt. Aus diesem ursprünglichen Bereich linker Selbstironie migrierte er dann als distinguierendes Weltfaktum in den Wortschatz jener moralinfreien konservativ-libertären Zyniker, die uns ihre empathischen Defizite als urbane Überlegenheit verkaufen möchten (hier der ‚Urknall‘: Bittermann/Henschel: Das Wörterbuch des Gutmenschen, Tiamat, Berlin 1994). An diesem Werk beteiligten sich übrigens u.a. Roger Willemsen, Eckhard Henscheid, Dolf Sternberger, Joseph v. Westfalen, Ulrich Holbein, Wiglaf Droste u.v.a.

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