Eine Vermögensberatung, wenn sie so aufgestellt ist, wie die Deutsche Vermögensberatung AG, akquiriert die Vertriebserlaubnis für gewisse ‚Finanzprodukte‘ und vertickt diese dann über ’selbständige‘ Verkäufer an mehr oder minder wohlhabende Kunden, die jene Klinkendrücker zugleich als neue Vertreter anzuwerben trachten. Hierfür kassiert die AG von den Produzenten von Lebensversicherungen usw. je Abschluss eine Provision, von welcher aber der erfolgreiche Subunternehmer – in einer Art Franchise-System – nur einen Teil erhält. Meist ist der Verkäufer dabei auch zugleich Kunde in einer Person. Komisch wird’s, wenn solche Organisationen sich in eigenen Publikationen feiern, etwas anderes als Superlative rinnen denen dann gar nicht mehr aus der Tastatur:

“ … Doch damit nicht genug. Was den Vermögensberaterinnen und Vermögensberatern sonst noch so geboten wurde anläßlich des Vermögensberatertages, ist unschlagbar. Dr. Guido Westerwelle referierte zur Notwendigkeit, Leistung zu fördern und zu honorieren. Die “Creme de la Creme” des deutschen Leistungssports – so denn nicht gerade in Vancouver – war bei uns zu Gast, mit dabei natürlich auch unser Freund Michael Schumacher, der über sein Formel1-Comeback berichtete. Besonders stark aber war wieder einmal der Auftritt unseres Firmengründers und seiner Söhne. Bei solchen Chefs braucht man sich als Mitarbeiter wahrlich um die Zukunft des Unternehmens keine Sorgen zu machen.“

Wer jetzt erwartet, in den Kommentaren zu diesem Unternehmenskitsch – auf den mich Feynsinns Blog aufmerksam machte – zumindest einen Hauch von Selbstironie über derart streng duftendes Selbstlob zu finden, der irrt. Die vereinigten Jungverkäufer erweisen sich durch die Bank als erfolgsbesoffene Schleckmichel, denen kein Niveaulimbo zu gewagt erscheint, besonders wenn es um den verbalen Devotionalienhandel dem geliebten ‚Jefe‘ gegenüber geht. Die Karriere verläuft in diesem Metier – so jedenfalls erscheint es mir – gewissermaßen hintenrum. Einige Auszüge, um das gutgläubige Jubelpersertum auf seiner Gehirnschwundstufe zu skizzieren:

„Was für ein stolzer und starker Mensch. … Es ist fantastisch anzusehen und auch mitzuerleben, wie 15000 Vermögensberater wie bei einem Fussballspiel eine Laolawelle durch die Arena starten, Fanfaren hupen oder einfach nur einen kreischenden Applaus loslassen wenn uns unsere Familie Pohl mal wieder tolle und einmalige Änderungen vorstellt. … Unser großes Lob und Anerkennung an Herrn Doktor Pohl, der eigentlich mit seiner Verletzung zu Hause genesen sollte anstatt für seine Vermögensberaterinnen und Vermögensberater da zu sein.“ … Usw. usf.

Ja – kreischender Applaus für diese Show! Und dieser Doktor Westerwelle, der hielt dann auch noch seine Rede ganz frei und ohne Manuskript. Obwohl doch alle Welt weiß, dass er seit Jahren auf solchen Events – „Leistung muss sich wieder lohnen!“ – wie ein Dorfpastor nur immer ein- und dieselbe Rede zu halten pflegt  …

Um hier mal ein wenig Sprachvermögensberatung zu betreiben: Vermutlich passen solche ‚Systeme‘ gut in unsere sinnverwirrte Zeit, aber es sollte doch klar sein, dass Glaubhaftigkeit für den Wissenden nicht aus Werbesprache und hochgequirlten Public Relations in eigener Sache folgt, sondern aus einer halbwegs realitätsgerechten Darstellung, zum Beispiel, indem man auch mal über die Funktionsweise von ‚Schneeballsystemen‘ redet und über die absehbaren Folgen, wie es bspw. dieser ‚Insider‘ hier tut:

„[D]as Prinzip der DVAG ist ein Strukturvertrieb. Dabei werden den potentiellen Kunden Angebote gemacht, nebenbei doch als DVAG-Vertriebsmensch mitzuarbeiten, und sich so eine Menge Geld dazuzuverdienen. Als neuer Mitarbeiter spricht man dann seine Freunde an, die auch Mitarbeiter werden, diese ihre Freunde und so weiter. Natürlich kassiert man einen Teil der Provisionen, die die geworbenen Freunde erwirtschaften und wird so ohne Anstrengung ein reicher Mensch. Das ist natürlich Blödsinn, verdienen tun nur diejenigen, die ganz an der Spitze stehen.

Eine Kritik, mit der dieser Mensch unter Handelsvertretern keineswegs allein dasteht. Ich wünsche allen Jubelpersern, die sich auf dem Pilotensitz wähnen, eine sanfte Landung auf ihrem hoffentlich gut gepolsterten fliegenden Teppich! Sonst wird’s nämlich schmerzhaft …