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If your memory serves you well ...

Ewig dudelt das Modul

Was dieses allgegenwärtige Wort ‚Modul’ eigentlich sei, wenn man sich darunter wirklich mal etwas vorstellen wolle, das verlangte ein Freund gestern zu wissen. Wir wälzten also diverse Nachschlagewerke und googelten uns dumm und dämlich, um zum Resultat zu kommen, dass es sich wohl um ‚ein kleines Irgendwas’ oder ein ‚Schrumpf-Dingsda’ handeln müsse. Auch ‚Baustein‘ wäre eine halbwegs akzeptable Übersetzung.

Beim Wort ‚Modul‘ handelt es sich um eine Ableitung vom lateinischen ‚Modus‘, dem ‚Maß‘, dem ‚Maßstab‘, der ‚Art‘ oder der ‚Weise‘. ‚Modulus‘ wäre dazu die lateinische Verkleinerungsform, ein ‚Ärtchen‘, ein ‚Mäßlein‘ oder eine ‚Klein-Weise‘ gewissermaßen. Ein ‚Homo moduli bipedalis‘ war bei den Sandalenträgern der Antike bspw. ein ‚Männchen von zwei Fuß Größe‘.

Die antike ‚Kleingröße‘ oder das ‚Mini-Maß‘ zog dann als modernes ‚Modul‘ zunächst in die Elektrotechnik ein. Geräte wurden aus diversen ‚Kleinteilen‘ kostensparend zusammengesteckt. Besonders die IT-Technik entdeckte die ‚modulare Bauweise‘, um Computer flexibel an die Anforderungen anzupassen:

Da das Modul yogurt nicht aktiv weiterentwickelt wird, hatte ich mich entschlossen, die Funktionalität in das Profile-Modul von XOOPS zu integrieren. Herausgekommen ist nun das neu Modul„.

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Marketeere und Großkommunikatoren sich mit diesem Begriff bis über beide Ohren eindeckten, um den Glorienschein von Flexibilität und Modernität aus der digitalen Welt auch auf ihr Produkt zu lenken:

Mit dem Modul Werbung in Bestellbestätigung haben Sie die Möglichkeit eine beliebige Anzahl an Artikeln über eine schnelle Auswahl in der email für die Bestellbestätigung zu platzieren, um so bei Bedarf auf bestimmte Produkte aufmerksam zu machen und diese noch besser zu bewerben.

Auch wenn die Sprache quietscht und die Grammatik röchelt, seither wird allüberall – sogar in der Verwaltung – nicht einfach etwas gestrichen, sondern es werden stets ‚Sparmodule‘ entwickelt, die für die erwünschte ‚Kosteneffizienz‘ sorgen. Verlustgefühle sind damit ausgeschlossen, denn dort, wo jetzt etwas wegfällt, ist – simsalabim! – auch ein Sparmodul da, das die Lücke stopft.

Auch in den Bildungseinrichtungen ist an die Stelle der guten alten ‚Lerneinheit‘ längst das ‚Modul‘ getreten: „Organspende als Unterrichtsmodul“. Selbst die Kommunikationsstrategie, die einem arglosen Kunden angeschnackt wird, die besteht natürlich aus ‚zielgruppenorientierten Modulen‘, die flexibel und bedarfsgerecht abgerufen werden können.

Das Schönste dabei ist, dass dieses ‚Modul‘ zu jenen Allwetterwaffen zählt, bei denen man sich ums Verrecken nichts Konkretes mehr vorstellen kann, so dass darauf, wie auf eine Dia-Leinwand, alle möglichen Wünsche und Vorstellungen projiziert werden können. Denn Karriere im Abrakadabra-Genre machen immer diejenigen Begriffe, die am wenigsten durch Anschaulichkeit glänzen.

3 Kommentare

  1. … von Textmodulen ganz zu schweigen.
    Oder heißt es Textmoduln?

  2. Wolfgang Hömig-Groß

    28. Mai 2009 at 8:25

    Bei mir heißt es modeln.

  3. @ Wolfgang: Ist das nicht eher jenes Maidenquälen, das die Heidi Klum da betreibt?

    *womit ich wieder einen Satz textmoduliert hätte*

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