Stilstand

If your memory serves you well ...

Er muss das ja wissen

I think that right now the People’s Republic of Donetsk is in anarchy. Lawlessness. People who previously fought, as they say, for idea, now, after they got the guns, are simply robbing people, take their money and cars. They are involved in blackmailing and robberies.“

Warum bloß lautet sein Kriegsname ‚Psycho‘? Manchmal denke ich ja, der Vladimir Putin als sparsamer Haushälter, wo er schon nicht offen einmarschieren mag, der entsorgt stattdessen das gesamte kriminelle Milieu Russlands im Donbas. Volkswirtschaftlich sicherlich eine probate Methode, die viel Geld für Lager und Gefängnisse spart, das erwünschte Chaos erzeugt es zudem … und wie das dann so ist – feige sind solche Leute natürlich auch, schließlich geht’s ihnen um die Sore, und nicht um die Sache:

„Russian-backed militants in the city have been using stolen ambulances to move personnel and to transport weapons and ammunition, stated counter-terrorism spokesperson Vladyslav Seleznyov. “Using vehicles with red crosses on the sides contradict morality and human ethics,” said Seleznyov.“

Ich würde sogar sagen, es widerspricht der Haager Konvention. Für wahre ‚Freiheitskämpfer‘ muss diese polizeifreie Zone allerdings einem Paradies gleichkommen:

„Marauders looted a Metro Cash & Carry hypermarket located near the Donetsk International Airport sometime after May 26 when management temporarily closed the store for customer and employee safety reasons, Olesya Olenytska, a spokeswoman for the German company’s Ukraine office told the Kyiv Post. … Segodnya.ua reported that the store robbery was carried out overnight on May 29 by members of the so-called Donetsk People’s Republic, a group that wants to secede from Ukraine.“

‚Guck mal, Igor, Jim Beam Black Label …‘ – Die Rhetorik im Info-War wird derweil immer aberwitziger:

„So machte der Sender nun einen „territorialen Genozid“ im Südosten der Ukraine aus.“

Was um Himmelwillen soll das nun wieder sein? Wird etwa das Territorium Novorossijas von diesen pösen ‚Kiewer Faschisten‘ versenkt – oder wird es doch eher in die Luft gesprengt. Und die erwünschte Realität wird dann gern schon mal ‚zurechtgephotoshoppt‘ – meine Damen und Herren, hier sehen Sie brennende Ölfelder mitten in Donezk:

However, there was no such fires in Donetsk. The citizens of Donetsk, who are the events eyewitnesses, further prove this. The obvious staging of the photo and its film like view drive to the conclusion that the picture was forged in Photoshop.“

Und ob ein Video, dass die Grausamkeit dieser Faschisten zeigt, gar nicht in der Ukraine entstand, sondern in Syrien, ist dann auch schon egal. Assad, Yazenjuk, Hitler, für russische Staatsmedien ist das alles eine Soße – heute kommt in Moskau alles in die Wurst. Irgendeinen Grund, zu intervenieren, muss man ja sich ja zusammenfaken. Die Fälscherwerkstatt läuft deshalb auf Hochtouren. Die anwachsende Lügenlawine deutet für mich darauf hin, dass dies auch nicht mehr lange dauern dürfte. Diese blöde ATO macht ihnen ja sonst die besten Verbrecher platt. Die werden doch später anderswo noch gebraucht … oha und süsswoll:

„Tausende russische Soldaten an der Grenze zur Ukraine.“

Das sind dann wohl diejenigen, die Putin abgezogen hat … und in Donezk übernehmen vorsorglich schon mal die Tschetschenen das Kommando:

„A major part of the Chechen Battalion “Vostok” came to the building. … They came on APCs and KAMAZ trucks, surrounded the building, rushed inside and forced all supporter of the People’s Republic of Donetsk to leave the place.“

Tscha – Machtwechsel bei der Mafia. Eine in einem ‚(rechts-)freien Referendum‘ vom Volk der Ostukraine gewählte ‚Regierung‘ wird so einfach mal eben abgesetzt? Ogottogott, Zustände sind das – schlimmer als auf dem Maidan! Da dürfte jemand wohl diesen Putschilin demnächst tot im Straßengraben finden. Aber das waren dann ja mal wieder die pösen Faschisten aus Kiew – und die Bevölkerung darf bestimmt bald über den Anschluss an Tschetschenien abstimmen … und beim Anblick der Kalaschnikows wird sie das auch freudig tun. Unter anderem ging’s aber wohl auch um die Beute:

„The confrontation ended with the militiamen seizing the looted goods and bulldozing the barricades that have lined the building since early April, when the self-styled Donetsk People’s Republic announced its formation.

Der schöne Plasma-Fernseher – nu isser wieder weg!

32 Kommentare

  1. [..] der entsorgt stattdessen das gesamte
    [..] kriminelle Milieu Russlands im Donbas

    das ist natürlich ein interessanter gedanke

    du freust dich sicher auch schon auf das „davon hat der führer, äh, putin nix gewusst“.

  2. Ich habe gerade noch hinten etwas drangestrickt: Die Putschisten unter Putschilin wurden soeben weggeputscht … tun sie mir leid? Nö, sie tun mir nicht leid. Morituri te salutant, Vladi …

  3. Schon skurril, was da gerade abgeht. Gerüchten zufolge soll Strelkow versucht haben, sich nach Russland abzusetzen, ihm wurde aber die Einreise verweigert. Weiß aber nicht, ob da was dran ist.
    Russland möchte diese Gesellen bestimmt nicht wieder zurück haben.

  4. Putin empfängt nur Siegertypen … wenn die Bevölkerung nicht wäre, würde ich ja sagen: Lasst sie sich gegenseitig erwürgen, und die ATO wischt dann die Reste auf. 😉

    Hast du eigentlich was klingeln gehört, was die Vereinigte Oligarchie Cie. in ihrer Panik vor dem Rechtsstaat so treibt? Janukowitsch finanziert diese ‚Hilfstruppen‘, klar. Aber sonst?

  5. @saiz

    es ist nicht skurril – es ist das, was zu erwarten war, wenn man von vorneherein das planlos operettenhafte dieser ganzen bizarren show unterstellte. mich erinnert das an den palmsonntagsputsch, in den die thule verstrickt war

    Das Experiment der Anarchisten scheiterte schon nach 8 Tagen, nachdem auch ein Putsch von Rechts, der „Seyfferitz“- bzw. „Palmsonntags“-Putsch gescheitert war, an dem auch
    Thule-Mitglieder teilnahmen, wenn auch ihre Rolle von Alfred von Seyfferitz, dem Leiter der Republikanischen Stadtgarde eher ironisch beschrieben wird: „… in Gala-Uniformen!
    Lackleder-Reitstiefel und Reitpeitsche, Monokel!“

    der gedanke sprang mich an, als ich die kosaken auf den photos sah, die klaus verlinkt hat: da sind eine menge leute, die schon mal krieg „gespielt“ haben und nun ganz entsetzt sind, daß man sie nicht vom platz läßt, obwohl sie doch „abgeklopft“ haben.

    ist wohl doch ein unterschied zwischen nachgespielten schlachten und .. naja dem, was sie sich da eingebrockt haben.

    bizarr …

    auf der anderen seite des spiels haben wir heute ein stolzen putin, der seine gegenEU mit zwei figuren gegründet hat, von der die eine sagt, daß sie gegen jeden krieg führt, der seine grenzen bedroht – „auch gegen russland“ – und der andere schon zu beginn seiner rede betont, daß das alles nichts an der eigenstaatlichkeit rühre.

    partner no 3 ist ja gerade schauplatz einer komplett in die hose gegangenen nummer.

    triumph sieht anders aus.

  6. Du willst doch hier wohl nicht die Ukraine mit einer ‚Ordnungsmacht‘ wie Bayern vergleichen?

    Die Drei können jetzt Skat spielen – nach eurasischen Regeln: Der Stärkste bestimmt, was Trumpf ist. Und man darf ihn nicht reizen …

  7. Ergänzung: Das Problem der ATO ist wohl nicht nur die fehlende Ausrüstung. Nach dem ‚ukrainischen Modell‘ kamen wieder mal nur die größten Luschen auf die höchsten Posten – und bevor der neue Präsident sie demnächst in die Wüste schickt, versuchen sie ihre Tatkraft zu demonstrieren, um doch vielleicht noch ihren Mors zu retten. Der absehbare Effekt: Straßensperre erobern – Straßensperre wieder verlieren. Mit solchen Figuren muss so etwas in die Hose gehen … ich meine, was haben die ausbildungsmäßig zwanzig Jahre lang getrieben? Stiefelputzen üben?

    Dass die ganze Armee bis unters Dach mit russischen Informanten verseucht ist, kommt wohl noch hinzu.

    Apropos: Viktor weint … ich könnte kotzen.

  8. …und dann gibt es noch weitere Akteure, neu sind z.B. diese Jungs von der Russischen Orthodoxen Armee (!), die sich mit einem Rap-Song höflich vorstellen:

    http://www.nbcnews.com/storyline/ukraine-crisis/pro-russian-militants-deploy-rap-recruitment-video-n115466

  9. Oh Gott – kommen jetzt die Wundergläubigen auch noch ins Spiel? Dann wird’s dreckig – Religionskriege sind die schlimmsten. Bald kommt dann sicher auch die ‚Armee des Kiewer Patriarchats‘ …

  10. Klingt nicht gut: die Putschilins sollen durch professionelle Trupps ersetzt werden, die direkt von Moskau befehligt werden und das Terrain für die Besetzung vorbereiten…(bisher nur auf russisch auf inforesist)

  11. @saiz

    die nummer, die der pate gerade fährt, ist schon heikel genug und funktioniert nicht, wie gewünscht. wenn er nicht auf die pausetaste gedrückt hätte, wenn er den aufnahmeantrag der marodeure angenommen hätte, dann … aber so?

    alles ist mittlerweile viel zu durchsichtig, ich denke mal, er wird sich nicht noch mehr eine blöße geben oder das risiko eingeben, ohne unterhose erwischt zu werden.

    ist aber genau so spekulation wie deine befürchtung.

  12. @ Saiz: Ich kann nur Deutsch, Englisch, Französisch, Plattdeutsch, Altgriechisch und Latein – leider kein Russisch. Das nervt mich derzeit manchmal …

    Die Tschetschenen (also gemeint sind damit Kadyrows Jungs, man will den Tschetschenen an und für sich ja nicht zu nahe treten), das sind schon die ganz Harten, denen graut vor nix. Ich denke mal, jetzt wird’s richtig ’schmutzig‘. Ich hoffe, die Ukrainer haben nicht nur Greenhorns …

    Vom einem ‚Bürgerkrieg‘ kann jedenfalls keine Rede mehr sein, das ist eine Invasion … „It’s no longer about amateurs. There is a full-scale war going on, and it’s fought by professionals. The Russians are here – and they’re making a grab for power in eastern Ukraine.“

    Unsere deutschen Medien – die wissen mal wieder von gar nichts … die kommen mal wieder hinterhergeklappert. Warum trommeln die nicht – Himmelfahrt hin oder her – alle Journalisten zusammen? Diese Nation ist so verschnarcht … ‚Mourir pour Danzig?‘ – Ah bah!

    Wo bleibt das Kappen aller Wirtschaftsbeziehungen mit Russland?

  13. [..] Wo bleibt das Kappen aller
    [..] Wirtschaftsbeziehungen mit Russland?

    komm mal wieder runter 😉

    muss ich erst mein lieblingssprichwort in anschlag bringen?

    „wenn du einen feind hast, setz dich ans ufer eines flusses und warte bis seine leiche vorübertreibt,“

    eben höre ich teltschik und denke, mit seinem letzten satz hat er auf jeden fall mal recht: die eurasische union wird kein erfolg, „denn da hat sich putin mit der krise in der ukraine selbst ins bein geschossen“.

    sehe ich auch so.

    ich verstehe nicht, warum du dich von dem würstchen blenden läßt, und ich verstehe nicht, warum wir uns jetzt auch ins bein schiessen sollten. nein, wir setzen uns mal lieber gemütlich hin und gucken dabei zu, wie er sich das schwert selbst in den bauch rammt.

    guck, die sache ist doch im grunde einfach: a la longue muss er blank ziehen, sprich, er muss entweder noch mal einen anlauf für einen durchmarsch machen – und er fängt dann im grunde wieder weit vor dem moment mit der pausetaste an – oder er versucht, einigermaßen heil aus der sache herauszukommen.

    beim aktuellen stand kommt er mit der krim in der tasche davon. wenn er mehr will, wird es wie auch immer teuer für ihn. die krim kann er aus praktischen gründen nicht wieder rausrücken, das würde ihm das genick bei seinen eigenen leuten, deren zustimmung er ja hat, brechen.

    oder aber er muss die hose herunterlassen und etwas _eindeutiges_ tun. im moment fischt er im trüben, markiert den dicken maxe. aber er wird nicht mehr ernst genommen oder – besser gesagt – niemand vertraut ihm mehr oder traut im noch was zu.

    die nummer ist längst zu seinen ungunsten gelaufen.

  14. ach ja: andra moi enneppe mousa, polytropon hos malla polla 😉

    soviel ist hängengeblieben, den rest kann ich in die tonne kloppen, da ist nicht mehr viel hängengeblieben …

  15. Klaus Jarchow

    30. Mai 2014 at 8:47

    Ich wünschte ja, du hättest recht: „Russians Invade Donetsk“. Was aber ist, wenn er sich ein kleines selbstgenügsames Reich zusammenräubert, wo die Armen arm bleiben und die Reichen reich – und er ansonsten auf die Weltöffentlichkeit pfeift?

  16. @Klaus
    Bei Altgriechisch und Plattdeutsch muss ich passen, und meine Russischkenntnisse reichen auch nach inzwischen 20-jähriger Okkupation leider nur für einfache Gespräche und das Entziffern von Überschriften oder Twitter-Meldungen…
    @hardy
    Am Fluss sitze ich gerne, aber bisher sehe ich nur die Leichen von Freunden und das ist für mich Weichei schwer erträglich…

    Ich glaube auch nicht, dass er vor der Pausetaste anfangen muss, sondern auf die bestehende Infrastruktur aufbauen kann. Ich sehe das wie Klaus, jetzt wird´s richtig dreckig. Dafür spricht auch die neuste Propagandawelle, unter dem Hashtag #Save Donbass werden jetzt vermehrt Fotos von weinenden oder toten Kindern verbreitet (dass die aus Syrien stammen, spielt keine Rolle).
    Und gestern habe ich einen Ausflug in die englische Version der russischen pravda unternommen, nach drei Artikeln war ich soweit, dass ich die ukrainischen Faschisten eigenhändig umbringen wollte. Ganz zu schweigen von den russischen Netzwerken, in denen die Vernichtung aller Ukrainer gefordert wird. Nee, hardy, dass Merkel und Obama nicht mehr mit ihm spielen wollen, ist dem Zaren egal, seine Untertanen brauchen Siege. Sonst könnte sich der Kater einstellen, und das wäre innenpolitisch fatal.

  17. @klaus

    [..] und er ansonsten auf die Weltöffentlichkeit pfeift?

    das wird er schlicht nicht durchhalten können.

    wie soll ich das sagen? warum macht er sich dann die mühe, nach aussen unbeteiligt an dem, was da passiert, zu wirken?

    das alles ist immer ausgerichtet auf die wahrnehmung von aussen, er will „unschuldig“ wirken. dafür muss es doch einen grund geben, ich denke den, sich nicht „erwischen“ zu lassen.

    in deiner logik hat er das nicht nötig.

    @saiz

    [..] das ist für mich Weichei schwer erträglich

    geh‘ mal davon aus, daß für mich jeder tote, egal ob russe oder ukrainer, der da für ein sinnloses und zum scheitern verurteiltes unterfangen stirbt, schwer erträglich ist.

    daß das so für mich ist, ändert an dem, was passiert, aber genau so wenig wie klaus‘ aufruf zur totalblockade.

    wir bringen im grunde „haltungen“ zum ausdruck, für die sich niemand „was kaufen“ kann und die auch keinen mehr lebendig machen, ob freund oder feind. wir können nur eine haltung beziehen, die in der folge vielleicht (in meinem kopf habe ich gerade jedes wort lang gedehnt) zu weiteren sinnlosen opfern führen oder bis hin in einen flächenbrand.

    natürlich ist mein „am fluss sitzen“ kein aufruf, in dem sich ein „ist mir doch egal, sollen die doch gucken, wie sie zurecht kommen“ verbirgt, sondern die erinnerung daran, daß putin _zwangsläufig_ scheitern muss, früher oder später.

    mir wäre früher genau so lieber wie dir. aber mich lehrt die geschichte, daß – ob früher oder später – am ende eben sicher nicht der sieg der bösen blaumiesen stehen wird.

    mir geht es bei dem was ich sage in erster linie darum, einerseits das ganze als einen _langen_ prozess zu sehen und nicht auf jede entwicklung mit der forderung nach verschärfung von egal was zu reagieren – das ist die logik der altvorderen und die führt immer zwangsläufig in krieg.

    das muss nicht sein.

    andererseits sehe ich halt, daß – egal was die honks in die kommentare kritzeln – auf „unserer“ seite eben nicht mehr „hühnerhof“ gespielt wird. man versucht, „smarte“ lösungen zu finden, die aber eben nicht hopplahopp zu den gewünschten ergebnissen führen können.

    mein fluss ist ein plädoyer für mehr geduld – und nicht, wie du vielleicht denkst, eines für desinteresse oder gleichgültigkeit.

    nur, wie gesagt, weder das, was klaus sagt, noch das, was ich sage, hat einen einfluss auf das geschehen vor ort. es hat aber vielleicht einen einfluss auf das, wie wir (nach innen) damit umgehen. und da plädiere ich nun mal dafür, die blende etwas weiter zu stellen und uns nicht ‚reinzusteigern, als ob wir etwas bewirken könnten.

    [..] einen Ausflug in die englische Version
    [..] der russischen pravda unternommen

    ich verstehe, daß in russland die propagandamaschine auf hohen touren läuft und wünschte mir eine breite darstellung dieser entwicklung in unseren medien. am ende anstecken lassen würde ich mich aber trotzdem nicht – das genau ist doch das ziel dieser propagandisten, das richtet sich ja nicht nur nach innen sondern auch in unsere richtung – und ich lasse es nicht zu, daß die mich verhetzen.

    [..] Ganz zu schweigen von den russischen Netzwerken,
    [..] in denen die Vernichtung aller Ukrainer gefordert wird.

    ganz ehrlich?

    zwei worte: julia timoschenko.

    [..] ist dem Zaren egal, seine Untertanen brauchen Siege.

    ein wort: pyrrhus.

    der kater wird sich zwangsläufig einstellen.

    versuch bitte das, was ich sage, nicht so zu drehen, daß _ich_ am ende schuld bin, daß menschen sterben. bin ich nicht. ich bin nur der „spectateur nocturne“, ich kann’s nur notieren und meine haltung zum ausdruck bringen.

    und die ist ja nun trotz allem „weder.noch“ nicht blind.

  18. @saiz

    nach der zweiten, dritten, vierten lektüre deines kommentars, noch dies

    [..] Ich glaube auch nicht, dass er vor der
    [..] Pausetaste anfangen muss, sondern
    [..] auf die bestehende Infrastruktur aufbauen kann.

    ich erinnere noch mal daran, wie ich das gemeint habe: es gab – auf der strategischen spiel“-ebene – eine vorwärtsbewegung, die – hätte er sie durchgehalten – ihm am ende auch die ostukraine „eingebracht“ hätte, bevor „wir“ auch nur „verdammtnochmal“ hätten sagen können.

    er hatte uns auf dem falschen fuß erwischt und so perplex gemacht, daß er damit hätte durchkommen können.

    genau diesen vorteil hat er durch die „pausetaste“ verloren. in der zwischenzeit sind „wir“ nicht mehr perplex, „noch nicht richtig gut sortiert“ aber nicht mehr blöde. er wird in seiner logik des täuschens weit hinter diesem punkt wieder ansetzen müssen, aber … überraschung ist nur gut, wenn sie unvermutet kommt. jetzt sitzen alle da und starren ihm auf die hände, bereiten sich vor, misstrauen ihm, lassen sich keinen (russischen) bären mehr aufbinden.

    er wird also – was uns betrifft – weit vor der pausetaste wieder ansetzen müssen.

    du hast recht, was die ukraine betrifft. da hat er natürlich seine struktur, die geht ja nicht dadurch weg, daß gebäude geräumt und die ordnung wieder hergestellt wird. das sind ja menschen, deren gedanken nun mal in ihrem kopf sind.

    ja, okay, es wird „dreckig“ und langwierig, man ahnt so etwas was nordirland, viele tote, lange blutige perioden, viel leid … aber keinen zugewinn an gelände oder … und das ist ja eigentlich mein punkt … vertrauen in sein handeln.

    das hat er komplett versaubeutelt, sich, wie teltschick sagt, selbst ins knie geschossen – auch und gerade in richtung derer, die er doch „einbinden“ will. die haben ihm gestern gesagt, daß sie es ja nett finden, einen auf gemeinsamen wirtschaftsraum zu machen, aber nicht so blöde sind, die drohung zu ignorieren, die für sie von der ukraine ausgeht.

    pyrrhus. pyrrhus. pyrrhus.

    ganz dumm gelaufen, er hätte besser mal die finger von der pausetaste gelassen.

  19. @hardy
    Bitte verstehe mich nicht falsch, ich wollte dir ganz bestimmt keine Gleichgültigkeit unterstellen. Mir mangelt es in diesem Fall nur an Geduld und Abstand. Sonst bin ich ja eher der gelassene Typ, insofern ist das auch für mich eine neue Erfahrung. Ich weiß auch, dass ich nichts (oder nicht viel) ändern kann. Und ich hoffe auch, dass du recht behältst.
    Und weil ich inzwischen langsam auf den Geschmack komme, hier noch was zum hören 😉
    http://mediathek.rbb-online.de/inforadio/vis-a-vis/karl-schloegel-ukraine-nach-der-praesidentenwahl?documentId=21559944

  20. @saiz

    wenn ich nur einen dazu bekomme, das hören zu entdecken, sterbe ich glücklich 😉

    ansonsten höre ich gerade, rassmussen berichtet von einem rückzug der russischen truppen von der grenze weg und die russen bieten den ukrainern jetzt einen preis für das gas in der höhe dessen, was die eu bezahlt, an.

    [..] Mir mangelt es in diesem Fall nur an Geduld und Abstand.

    dafür, euch daran zu erinnern, fühle ich mich irgendwie gerade zuständig …

  21. und, saiz, falls das untergegangen ist, das hier ist mein täglicher service

    http://www.tv3.de/medienverlag/news-aus-radio-und-presse.html

    konkret das, was ich am jeweiligen tag so gehört habe.

  22. Ergänzen möchte ich noch, dass Kramatorsk gerade kampflos zurück an die Ukrainer fiel. Drei Warnschüsse – und die Besuffskis begannen zu rennen (Video hier, der Pfaffe dort hat was, er erinnert mich an Don Camillo). Das waren aber vermutlich noch nicht die ‚Eigentlichen‘. Die sitzen in Slowjansk – 500 Mann hoch – und sollen dort derzeit mit ‚Säuberungen‘ ihrer eigenen Truppe beschäftigt sein, die ukrainischen Truppen drumrum horchen erstaunt auf das große Geballer in der Stadt – und in Donezk, vermutlich so etwas wie ihre ‚Wolfsschanze‘, sollen dann weitere 3.000 ‚Professionelle‘ schanzen. Wenn die ukrainische Führung es jetzt schafft, die Grenzen zu schließen, dann sitzen die Mäuschen wohl in der Falle … das größte Problem wären dann all die Geiseln in den Folterkellern.

    Ansonsten vom Asowschen Meer her 100 km landeinwärts alles geklärt, im Nordwesten von Oblast Luhansk und von Oblast Donezk sieht es flächendeckend ähnlich aus. Military Blogs haben manchmal auch was … ich bin heute etwas optimistischer gestimmt.

  23. Vor meinem inneren Auge spielte sich gerade folgende Szene ab. Jarchow, ehemaliger Frontkämpfer mit EK 1, sitzt vor dem Volksempfänger und notiert die Feind- und Freundbewegungen. Sodann schreitet er zur Karte, die an die Wohnzimmerwand gepinnt ist und steckt neue verschiedenfarbige Fähnchen zur Illustration der Raumgewinne/-verluste im Osten, sowie der unterschiedlichen Truppenbewegungen. Auf dem Grammophon dudelt im Hintergrund Zarah Leander „Davon geht die Welt nicht unter…“. Bald darauf knallen Krimsektkorken. Aber besoffen sind immer nur die Anderen.

  24. Du hast wohl noch nie die Marschmusik auf ‚Russia Today‘ gehört? Tschingderassa läuft bekanntlich eher dort … was ich hingegen so höre, das wissen kundige Leser aus diesem Blog. Einfach mal ‚No Names‘ klicken … da gibt’s auch für dich dann was auf die langen Löffel.

    Aber wenn’s dich freut – die ostukrainische Bevölkerung, die sich lange zögerlich zeigte, nimmt endlich auch den Kampf gegen die Faschisten auf: „The Donbas Battalion, a quasi-military group consisting mostly of Donetsk and Luhansk oblast civilians is forming into a National Guard special-purpose battalion to officially join the government’s counter-terrorism operation, the Interior Ministry announced.“ Vermutlich hatten sie die Schnauze davon voll, dass man morgens vor die Tür trat und das Auto war weg.

    Tscha – und währendessen werden die Kämpfer der anderen Seite noch nicht einmal in ‚ukrainischer Heimaterde‘ begraben. Kein Wunder, dass die Moral sinkt: „„Dozens of dead bodies of men killed in Ukraine arrive in the Chechen Republic.“

  25. @hardy
    zu den russischen Netzwerken wollte ich doch noch etwas sagen. Es macht für mich schon einen Unterschied, ob die Aggression in Richtung „Lasst uns einmarschieren und vernichten“ oder „Lasst uns in Ruhe“ geht. Und ich habe, entgegen den Behauptungen einiger Foristen, auch keine Aufrufe von Ukrainern gegen die russische bzw. russischsprachige Bevölkerung in der Ukraine gelesen. Kritik an der Untertanenmentalität von russischen Staatsbürgern dagegen schon. Und was Frau T. angeht, die Frau mochte ich noch nie leiden. In einem privaten (!) Gespräch kommt aber selbst mir (und ich bin schon fast pathologisch friedliebend) Ähnliches über die Lippen. Ich denke aber, das ist normal, wird zumindest in Krimis behauptet 😉
    Aber ich stimme dir zu, man darf sich nicht anstecken lassen. In einem mMn sehr lesenswerten Artikel der ukrainischen Pravda über die „russische Krankheit“ heißt es selbstkritisch:
    „Yes, Vladimir Vladimirovich has made a tremendous effort to infect Ukraine, and the main sources of the Russian disease were the pro-Russian forces. However the patriotic society, which is countering the Kremlin, has also caught the neighbour’s illness. Despite the hopes, the rejection of Russian despotism and militarism does not protect one from infection.“
    Übersetzung hier
    http://euromaidanpr.com/2014/05/26/the-russian-disease/#more-9936
    Und zu Geduld und Abstand: einerseits finde ich es gut und richtig, dass du Klaus und mich manchmal ermahnst, andererseits frage ich mich heute manchmal, ob meine leidenschaftslose Beurteilung früherer Konflikte nicht auch etwas empathieloses, schon fast zynisches hatte (keine Kritik an dir!). Ich entdecke halt neue Seiten an mir.
    Und dann der Gedanke, ob das jetzt der Anfang vom Ende ist. (Pathos war eigentlich auch nie mein Ding ;-))
    @ Klaus
    „etwas optimistischer“ bin auch ich wieder gestimmt, aber dieses ewige Auf-und-ab macht mich schon ziemlich fertig.
    In der ukrainischen Pravda wurde derweil schon spekuliert, ob hinter dem Batallion Vostok nicht doch Achmetov steckt…nix Genaues weiß man nicht.

  26. Reiche Leute, besonders aber Neureiche, lieben nur eins – ihr Geld. In Akhmetovs Kopf, das vermute ich mal, dürfte es derzeit zugehen wie in einem heißgelaufenen Flipperautomaten. Alle wollen ihm an den Mammon, da ‚tilt‘ und blinkt dann im Oberstübchen so manches. Bisher scheint er sich aber auf seine ‚Kronjuwelen‘ in Mariupol zu konzentrieren, die Kohleindustrie weiter östlich ist längst unrentabel und nur noch ein Zuschussgeschäft. In Kiew haben sie gerade 70 Minen an den Meistbietenden zum Verkauf ausgeschrieben. Ich bezweifle aber stark, dass sich ein Bieter findet …

    Natürlich ginge es mir in dem Hinundher auch besser, wenn der Popoblablanov, der Strullkov, der Putschilin und die ganzen selbstinthronierten Faschistenbanden endlich vor Gericht stünden.

  27. @klaus

    [..] Slowjansk

    florian kellermann, „mein mann vor ort“, berichtete gestern im volksempfänger, daß die stadt abgeriegelt werden solle, man einen „korridor“ einrichten wolle, auf dem die einwohner die stadt verlassen könnten

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/05/29/drk_20140529_2231_b67eb080.mp3

    klar, alles propaganda des kriegstreiberischen westens, aber ab und an muss man ja auch mal was anderes hören als radio moskau …

    @saiz

    [..] Ähnliches über die Lippen

    hey, ich hatte vorgestern einen anfall von nostalgie und habe bei mir zuhause gefragt, wo denn bloß die raf sei, wenn man sie mal braucht … ist wohl bei der kanzleröse angekommen und heute ist sie dann eingeknickt 😉

    ich kann gut verstehen, daß man manchmal wütend ist bis in die knochen und nicht mehr weiss wohin damit.

    [..] manchmal ermahnst

    es ist her ein erinnern. den klaus halte ich – aus langer kenntnis seiner posts – heraus für einen durch und durch friedferigen menschen, dem halt (zurecht) die galle hochkommt, wenn er mit dieser blödianhaftigkeit dessen konfrontiert wird, wo er sich selbst wahrscheinlich früher mal bedenkenlos verortet hätte. heute sagt er ja von sich, er sei ja auch irgendwie „halb links“.

    ich schäme mich ja schon seit „kein blut für öl“ und „ihr kriegstreiber habt die serben bombardiert“ für das, was ich mal für „meine leute“ hielt. ich denke, ich bin da noch sehr viel radikaler als klaus in der verachtung dieser wohlfühl-(hüstel)-„linken“, die einfach kein historisches verständnis haben und zu blöd zu sein scheinen, die simpelsten konsequenzen zu ziehen.

    statt dessen malen sie sich „den feind“ selbst aus wie piet da oben. ich find’s in solchen situationen immer witzig, wie viel das über den verrät, der sich so artikuliert – und wie wenig das mit dem zu tun hat, was oder wie jemand ist.

    [..] schon fast zynisches

    ach was.

    es ist das eine, die dinge zu überdenken, zu einem ruhigen urteil zu kommen … und dieser selbstgerechten pose, in der sich hier (achtung, ich gebrauche jetzt ein ganz ganz ganz schlimmes wort, das sonst nie zu meinem sprachgebrauch gehören würde, aber hey, das wird man ja mal wohl sagen dürfen) „gutmenschen“-lookalikes wie piet suhlen: „wir sind gegen krieg, wir sind die guten“.

    ach was.

    ich finde piet viel zynischer, als ich es bei dir vermuten würde. ist kein rechter trost, saiz, ich weiss, aber ich wollte dann doch mal den versuch machen 😉

    [..] der Anfang vom Ende

    saiz, dummerweise ist es das.

    ich sehe nicht, wie „der westen“ (wir) noch mal rechtes vertrauen in putin gewinnen soll. ich will ihn ja lieb haben, ehrlich, aber ich gebe mittlerweile einen sch#### auf das, was er sagt: ver######en kann ich mich auch selbst.

    nein, die schönwetterphase zwischen uns und ihm, die darauf beruhte, daß wir dachten „gangster, aber unserer“ ist vorbei, ich weiss nicht, wie er da wieder rauskommen soll oder wir.

    früher oder später wird sich das entladen. bisher befürchtete ich „früher“, mittlerweile eher „später“. aber der geist ist aus der flasche und ich hoffe nur, daß den job seine eigenen leute machen, denen klar wird, wie schlecht für’s geschäft ein hasardeur ist.

  28. ach ja, mein mann im volksempfänger berichtet über die streitigkeiten vor ort. man könnte auch harald kujat zuhören, der die unübersichtlichkeit der lage beschreibt und feststellt, daß sie von niemanden kontrolliert werden kann, wer immer das auch gerne möchte.

  29. Ist doch klar: Die russischen Infiltranten schicken jetzt die desorganisierten Separatisten mehr oder minder gewaltsam nach Hause. Jetzt hat dort ‚Moskau‘ das Kommando übernommen … das darf aber niemand laut sagen.

  30. Assad, Yazenjuk, Hitler, für russische Staatsmedien ist das alles eine Soße – heute kommt in Moskau alles in die Wurst.

    Vielleicht wurden ja Putins Spindoktoren von diesem Film inspiriert:

    Assad, Yazenjuk, Hitler, für russische Staatsmedien ist das alles eine Soße – heute kommt in Moskau alles in die Wurst.

  31. So ähnlich sieht das auch ein Zeit-Online-Leser:

    Wer nicht sieht, dass ein paar tausend Demonstranten wie z.B. in der Millionenstadt Donezk und ein paar hundert bis an die Zähne bewaffnete Milizen (es sind nach Eigeneinschätzung der Kommandanten dieser Milizen nur 1000 Mann), die sich in 5 Wochen zusammenfinden, kein echter Aufstand sein kann, sondern eine von aussen gesteuerte Inszenierung, der sollte besser mal wieder ins Theater gehen.

    Das Theater ist zwar durchaus sehr lehrreich biseilen auch unterhaltsam, manchmal empörend, aber ein regulären Staat, der demokratische Wahlen abhält (das gabs in Syrien z.B. bis heute nicht), wird durch die Bretter, die die Welt bedeuten nicht destabilisiert (zumindest nicht innerhalb von 5 Wochen).

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-05/ukraine-hubschrauber-abschuss-slowjansk

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