Stilstand

If your memory serves you well ...

Endlich mal was Angemessenes

Den Propaganda-Preis, den Vladimir Putin diesen Helden der Desinformation im Kreml verlieh, den haben sie sich wirklich redlich verdient. Jetzt, wo die Namen bekannt geworden sind, würde ich diese Figuren umstandslos gleich mal auf die westliche Sanktionsliste setzen, sonst gehen die mit ihrem Preisgeld noch in Paris oder London shoppen:

„Putin verleiht Preise für Propaganda.“

Warum wollte die russische Regierung bloß nicht, dass diese verdiente Ehrung bekannt wird?

Apropos – es gibt jetzt eine englischsprachige Website ukrainischer Journalisten, die das Astroturfing russischer Medien systematisch auseinandernimmt, es ist eine Art BildBlog, nur diesmal für Russia Today und all den anderen Quark. Wer sich durch den ständigen Strahl an Dünnpfiff quälen will, den Russlands Medien derzeit unaufhörlich ausscheiden, der möge dies tun. Aha-Erlebnisse sind garantiert, auch wenn sie streng duften, und mancher Fake ist manchem unübersehbar auch schon in deutschen Medien im Gewand journalistischer Wahrheit über den Weg gelaufen …

2 Kommentare

  1. „Desinformation“? Bei uns nicht??

    Ich rate, mal in DIE ANSTALT (ZDF 29. April) reinzusehen, den entsprechenden Ausschnitt (etwa 7 Minuten ab Minute 36) gibt’s auch auf der Site vom Rechtsanwalt KOMPA.

    Zum anderen Eintrag hier: Alle ‚Putinversteher‘ in den westlichen Medien sind natürlich vom Kreml gesteuert?

    So einer sind Sie? Da hab‘ ich den STILSTAND wohl all die Jahre falsch verstanden.

  2. Klaus Jarchow

    6. Mai 2014 at 9:52

    Ich bin doch eigentlich ganz gut zu verstehen – und der Kampf für freie Wahlen, für die Selbstbestimmung der Menschen und gegen Landnahmen und militärische Abenteuer gehörte bei mir schon immer dazu. Natürlich gibt es bei uns Desinformation, ich muss nur an Raffelhüschens Tartarenmeldungen über die Rente denken, die der Focus so gern abdruckt. Aber hierzulande gibt es zu jeder Meldung auch eine Gegenmeldung. Und wer die ‚Welt‘ nicht mag, soll den ‚Freitag‘ lesen, und wer die FAZ nicht mag, dem steht ‚heise online‘ offen. Und für die ganz Harten gibt es die ‚Linkszeitung‘, die ‚Junge Freiheit‘ oder die ‚Deutschen Wirtschaftsnachrichten‘. Und wenn die keine Leser finden, ist es ihr Problem. Das Reden vom ‚westlichen Mainstream‘ ist jedenfalls inhaltsleeres Geblubber, eine Propagandaformel des Rechtspopulismus, der sich wundert, weshalb ihm nicht Millionen folgen, und dabei nie auf sich selbst käme.

    ‚Alle‘ habe ich hingegen nie gesagt. Und das Wort ‚Putin-Versteher‘ gebrauche ich auch nicht mehr, weil diese Leute Putin eben keineswegs verstehen. Aber 300 ausgezeichnete Meister der Propaganda unter Russlands Journalisten, die der Präsident klammheimlich mit einem Orden und einem Ehrensold ehrt, das sind eben auch nicht gerade wenige – und der Rest darf jedenfalls dort kaum noch gedruckt werden. Und den Guardian-Artikel über Putins ‚fünfte Kolonne‘ im Kommentariat (s. weiter unten), den habe ja nicht ich geschrieben. Hier eine solche blutkitschende Stilblüte aus einer Zeitung, die sich ‚Nachrichten‘ nennt – weil sich der Leser daran ausrichten soll, nehme ich mal an:

    ‚Ein Kolumnist der Kreml-treuen „Iswestija“ fordert Putin zum militärischen Eingreifen in der Ostukraine auf. Dort werfe ein „verwundeter russischer Widerstandskämpfer mit erschlaffender Hand einen Molotowcocktail auf einen Faschisten-Panzer“, heißt es. Russlands Präsident solle deshalb nach dem Ende der Mai-Parade den Panzerbesatzungen Befehl geben, die Motoren laufen zu lassen – und sie „nach Donezk schicken“.

    Hmm, und der militärgeil sabbernde Reporter stand wohl direkt daneben – oder hatte er nur einen lyrischen Erguss? Faschistenpanzer in Donezk? Ich dachte, dort herrschen derzeit die anderen? Und so ein Molotowcocktail wäre schon okay, wenn ihn nur ein sterbender Russe wirft, der dort doch eigentlich gar nicht zu finden sein sollte, glaubt man jedenfalls Putin, ganz abgesehen davon, dass Mollies gegen Panzer auch keinen militärischen Effekt haben dürften? Verschwurbelter geht’s eigentlich nimmer … und charakterlich möchte ich nicht in der Haut einer solch armseligen Figur stecken.

    Ich empfehle dir wirklich mal das verlinkte Anti-Fake-Blog, damit du begreifst, welcher Propagandakrieg dort – ziemlich einseitig – tobt … und was unserer ‚Linken‘ ziemlich flächendeckend die Augen verkleistert, ist der begreifliche Wunsch, endlich mal auf Seite der Sieger stehen zu wollen. Prompt aber sind sie nicht mehr ‚links‘, und sie glauben sogar, dass ‚friedliche Demonstranten‘ Kampfhubschrauber abschießen könnten. Wir haben einen typisch ‚asymmetrischen Krieg‘: Russland schickt Waffen, Soldaten und Propaganda, der Westen Diplomaten. Und ganz viele unangenehme Figuren auf dieser Welt werden jetzt von Putin lernen wollen und an den Grenzen ruckeln …

    Zur Kopfklärung fange vielleicht mal mit diesem Artikel hier an: „„Anyone can fall into the trap of artificial reality or become part of its creation.“

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