Stilstand

If your memory serves you well ...

Ein zünftiger Abgang

Die Journalistenzunft ist nicht zu beneiden: Ihre Zukunftsaussichten sind – mindestens – ungewiss, die alten Tröster aus den seligen Zeiten Henri Nannens verstauben in obskuren Antiquariaten, die Wertschätzung durch die Verleger schwindet dahin. In der herannahenden Jahrhundertrezession gelten sie schlicht als Kostenfaktoren. Der Journalist droht zum Anachronismus zu werden, zum Heizer auf der E-Lok.

Weil nämlich die Informationen zur Verbreitung immer weniger auf schriftkundige ‚Makler‘ angewiesen sind – das Internet arbeitet schließlich weitgehend ohne Zwischeninstanz. Nichts anderes als ‚Vermittler‘ aber waren die Journalisten zuletzt, nachdem sie sich selbst alle Autoreneitelkeiten gründlich ausgetrieben haben – sie verwandelten sich letztlich selbst in einen Info-Pizza-Dienst, der sein ‚objektives und genormtes Stilideal‘ pflegte, wahlweise mit Pepperoni oder Schinken. Ausgerechnet der Herausgeber eines der stilbildenden Print-Produkte, des Guardian, Alan Rusbridger formuliert den entstandenen Sachverhalt so:

„Wir müssen uns darauf einrichten, künftig Journalismus mit weniger Leuten zu machen, und demütiger werden“. Die alte Vorstellung vom Journalisten als allwissendem, beinahe autoritärem Gate-Keeper, der der Welt mitteilt, was er für sie für wichtig hält, sei in Wirklichkeit längst Geschichte – „auch wenn das noch nicht alle mitbekommen haben. … Wir müssen das einfach in unsere Köpfe kriegen: Da draußen sind tausende Experten, ein wahrer Schatz an Informationen.“ Die, wie Rusbridger unumwunden zugibt, auch noch einen anderen Vorteil haben – längst nicht alle werden für ihre Beiträge auch bezahlt. … Die Debatte, ob das traditionelle Zeitungsgeschäft tatsächlich am Ende sei, ist für ihn längst beantwortet: „Da gibt es keinen Gesprächsbedarf mehr. Das alte System ist kaputt – und es ist einfach zu teuer.“

Gut – wenn ich mir die tiefgreifende Verunsicherung des ganzen Berufsstandes anschaue, dann wird mir der blanke Hass und das Triumphgetute, mit dem einige Publizisten das Hinscheiden der Medienlese dort drüben begleiteten, zumindest verständlich. Eines dieser vermaledeiten Online-Produkte, eins von diesen Teufelsdingern, das ihre berufliche Zukunft bedroht, das ging endlich mal selber drauf. Schon verwechselten diese Offliner das mit einem Silberstreif am Horizont. Zwar verständlich – aber leider grundfalsch: Das ist keine Balkenwaage, wo ‚Offline‘ steigt, wenn ‚Online‘ fällt.

Die Wissenschaft sieht solche Amputationsschmerzen naturgemäß etwas nüchterner. Die wohl bahnbrechendste Studie zum Thema stammt von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Unter dem Titel ‚Das Verschwinden der Zeitung?‚ kann sich jeder das wissenschaftliche Schwergewicht als pdf aus dem Netz hinunterladen. In der Zusammenfassung der Ergebnisse heißt es:

„Das Internet verdrängt zweifellos die klassische Zeitung auf Papier. Auch wenn bei der Frage nach dem Verschwinden der Zeitung häufig das Riepl’sche Gesetz ins Feld geführt wird, darf bezweifelt werden, dass die derzeitigen Umwälzungen mit den bisherigen Transformationsprozessen im Medienbereich überhaupt vergleichbar sind: Das Internet ist nicht einfach ein neues, höher entwickeltes Medium; vielmehr saugt es alle bestehenden Massenmedien in sich auf, deutet sie um und definiert deren Ausdrucksformen und publizistische Wirkung neu“.

Die gedruckte Zeitung – nichts anderes heißt dies – ist ein ‚Auslaufmodell‘, bestenfalls ein ‚Beiboot‘. Zugleich benötigen die neuen Modelle, die an die Stelle der Holzmedien treten werden, wesentlich weniger Personal, als auf den bisherigen Luxus-Yachten der Publizistik nötig war, weil – so wie es der Guardian-Herausgeber dort plausibel beschreibt – die besseren und qualifizierteren Texte inzwischen oft von Experten und ‚Bürger-Journalisten‘ aus dem Netz quellen, weil diese Menschen – anders als der zwangsläufig dilettierende Journalist – ‚in ihrem Thema drinstecken‘. Allenfalls wäre noch ein wenig redaktionelle Hochglanzpolitur vor dem Veröffentlichen nötig, um Grammatik, Reihenfolge oder Semantik in Form zu bringen.

Während diese Entwicklung läuft, laufen auch die zahllosen Studiengänge weiter, mit einem gesellschaftlichen Bremsweg von acht bis zehn Semestern. Derzeit verlassen – laut Medienbericht der Bundesregierung (als pdf hier) – geschätzte 4.500 junge Menschen in jedem Semester die Hochschulen der Bundesrepublik. Sie alle möchten als ‚Kommunikationswissenschaftler‘, als ‚Journalisten‘, ‚Pressefotografen‘, ‚Verlagsmanager‘, ‚Public Relations Experten‘ usw. ‚irgendetwas mit Medien‘ machen, von den vielen Quereinsteigern gar nicht zu reden. Auf ein schrumpfendes System trifft also ein massives Überangebot von Neueinsteigern, auf viele Jahre hinaus.

Es gehört keine große Kunst dazu, einige der Folgen vorherzusagen: Jedes Überangebot lässt bekanntlich ‚den Markt einbrechen‘, mit anderen Worten, die bisherige Ära des Journalismus wird künftig als ‚Goldenes Zeitalter‘ verklärt werden, wo man sich noch iPhone und Laptop leisten konnte. Darüber hinaus wird die Themenkonkurrenz zunehmen, das heißt die eher ekligen Züge des publizistischen Gewerbes werden noch deutlicher hervortreten – Stichworte ‚Boulevardisierung‘, ‚People-Themen‘, ‚Winnenden‘ oder ‚ökonomischer Gefälligkeitsjournalismus‘ – während zugleich die Zahl der Veröffentlichungsmöglichkeiten außerhalb des Netzes rapide schrumpft. Wer künftig schreibt, der wird im Netz publizieren können müssen, und zwar crossmedial. Zugleich verliert an der Spitze der Schreiber ihr Lieblingsfetisch, die Recherchefähigkeit, an Gewicht, da zukünftig mehr durch die ‚Experten‘ als durch die journalistischen ‚Clerks‘ aufgedeckt werden wird. Stellvertretend wird als Qualitätsmaßstab die Fähigkeit des Schreibenkönnens zurückkehren, der ‚Autorenjournalismus‘ und das ‚Narrative‘. Wer also nicht so erzählen kann, dass er unterscheidbar ist und seine Leser ‚durch Kunst‘ gewinnt, der sollte sich aus dem publizistischen Gewerbe zurückziehen, bevor dies andere in Scharen tun – und an allen Kabinen schon das Besetzt-Schild blinkt.

Dies alles sind Prognosen, wie sich ganz zwanglos aus den vorliegenden wissenschaftlichen Studien zur Lage der Publizistik ergeben.

*Disclaimer: Da die Medienlese ihr Erscheinen eingestellt hat, wird der Stilstand zunächst auch meine medienpolitischen Texte aufnehmen. So wie diesen einleitenden Text. Wie ich hoffe, geschieht dies nicht zum Schaden des Stilstands …*

16 Kommentare

  1. Ob ich es jemals erleben werde, dass der schöne Tropus der „korrespondierenden Röhren“ in seiner korrekten Bedeutung verwandt wird? Man darf ja die Hoffnung nicht aufgeben. Aber.

  2. Du hast recht – mein Trost: Ich bin nicht allein. Nahezu alle Google-Einträge dazu sind ebenso falsch. Ich mache jetzt eine ‚Balkenwaage‘ daraus, dann stimmt das Bild.

  3. Äh ich, müsste es nicht eherTopos heißen? Oder doch Tropus oder beides oder was? Alles sehr verwirrend. Bitte um Endklärung.

  4. Ein Tropus – aus dem Kopf und ohne Gewähr wiedergegeben – ist so etwas wie ein ‚verwandter Ausdruck‘ oder eine ‚bildhafte Umschreibung‘. So wäre ‚Vielfraß‘ beispielsweise ein Tropus für ‚Neoliberaler‘, wobei der Tropus auf die Unersättlichkeit dieser Menschenklasse abhebt …

    Frag‘ mich jetzt nicht nach dem Unterschied zur Metapher, dann komme ich in schweres Fahrwasser …

  5. Ähnliches sagt auch Jeff Jarvis diese Woche in einem Interview in der WiWo. Jarvis ist in seiner Art sicher ein „Internet-Extremist“ – aber die Richtung stimmt.

  6. Fernab von allen Tropen: Ich glaube, dass das Ende der Zeitungen in ihrer bisherigen Form wie beschrieben stattfinden wird – früher oder später. Gewinner aber werden die kostenfrei in die Haushalte verteilten Anzeigenzeitungen sein. Denn der Handwerker oder Dienstleister vor Ort braucht ein Medium, in dem er seine Leistungen bewerben kann. Wer sich im Internet Informationen holt, macht dies mehr oder weniger gezielt. Der „Tag der offenen Tür“ der Gärtnerei Blühschön ist nicht Ziel der Recherche. Redaktionell wird es eine Mischung aus regionalen Themen (wenn die Tageszeitung vor Ort nicht mehr existiert oder die Lokalredaktion einschränkt), sowie ein wenig „Föjetong“, netten Geschichten und Kolumnen, und natürlich die obligatorischen Tierheimstorys und „Verbraucherinformation“ geben. Dies alles wird preiswert produziert werden können, sodass die Anzeigenpreise niedrig sind. Kleine Regionalzeitungen sollten vorausschauend entweder mit einer bestehenden Anzeigenzeitung kooperieren, ein eigenes Produkt auf den Markt bringen oder eines dazukaufen, um nicht gänzlich unter zu gehen. Entlassungen wird das nicht verhindern, aber das Überleben sichern.

  7. „Stellvertretend wird als Qualitätsmaßstab die Fähigkeit des Schreibenkönnens zurückkehren, der ‘Autorenjournalismus’ und das ‘Narrative’.“
    Lieber Herr Jarchow, dann brauchen Sie sich ja keine Gedanken zu machen. 🙂 Hoffe auf noch viele Texte bei Stilstand oder anderswo!

  8. @ Mike: Diese Anzeigenzeitungen werden dann aber keinen Journalismus mehr bieten, sondern selbst Werbung sein. Der Auftraggeber hat im Blatt die Wahl zwischen PR und Werbung. Zur Auflockerung gibt’s gelegentlich noch mal einen Artikel … „damit der werte Kunde auch glaubt, dass dieses freche Freizeitmagazin gelesen wird“, wie es Frank Schulz mal zur Beschreibung seines Süderelbe-Echos in ‚Morbus Fonticuli‘ ausdrückte …

    @ Inge: Ich wäre ja blöd, wenn ich mich aus meinen eigenen Texten ‚herausschreiben‘ würde. Anderswo schreibe ich meist als Tarnkappenträger … 😉

  9. Auch ich habe mit Erschrecken einige der Kommentare auf der medienlese zur Kenntnis genommen – was muß den Konsorten der Arsch auf Grundeis gehen, mal salopp formuliert, wenn sie sich mit einer derart verzweifelten Häme äußern müssen.

    Doch eins ist nun mal wirklich schade: da blogs ja auch dazu dienen, sozusagen PR in eigener Sache zu machen (Bekanntheitsgrad erhöhen, die eigene Qualität unter Beweis zu stellen u.ä.), ist es natürlich für die dort Schreibenden um so bedauernswerter, wenn ein blog wie medienlese dichtmacht, von dem wegfallenden Honorar mal abgesehen.

    Da wünsche ich Dir, daß der Stilstand ein wenig bekannter wird.

  10. „Diese Anzeigenzeitungen werden dann aber keinen Journalismus mehr bieten, sondern selbst Werbung sein. Der Auftraggeber hat im Blatt die Wahl zwischen PR und Werbung. Zur Auflockerung gibt’s gelegentlich noch mal einen Artikel … “damit der werte Kunde auch glaubt, dass dieses freche Freizeitmagazin gelesen wird”, wie es Frank Schulz mal zur Beschreibung seines Süderelbe-Echos in ‘Morbus Fonticuli’ ausdrückte …“
    @ Klaus: Jein. Die bisherige Form dieser Publikationen wird sich wandeln. Das „Abseits vom Mainstream“ ist auch in solchen Publikationen möglich. Ob das Journalismus ist, kann ich noch nicht sagen, es wird sich zeigen. Sicherlich ist der überwiegende Teil Werbung (muss es auch sein, denn der Bedarf dafür ist ja da). Der Rest bietet aber ein Forum für allerlei Informationen, die viele Leute interessieren könnten. Diese Themen müssen dann auch recherchiert und aufbereitet werden. Das, was das „(Mitmach-)Web 2.0“ ausmacht, kann man in abgewandelter Form auf so ein Blättchen adaptieren. Erste Ansätze gibt es schon, und die laufen vielversprechend an.

  11. Danke für diesen ausgezeichneten Artikel.

    Mir ist jetzt deutlicher geworden, warum viele durchaus respektable Journalisten in ihrem Überlebenskampf gegen das Internet ihre Objektivität (und ihre Fassung) verlieren.

    Seit Jahren wird davon geredet, dass sich die ökonomische Basis für Printjournalismus auflöst und dass sich alternative Einkommensmöglichkeiten im Internet auftun werden. Nur ist von diesen Einkommensmöglichkeiten bis heute nichts zu sehen und es wird immer deutlicher, dass man mit Online-Journalismus auch in Zukunft nicht seine Miete bezahlen kann.

    Was würde unsereiner tun, wenn nicht nur der Job sondern gleich der Beruf verschwindet?

    Schlimm für die Betroffenen und ob es für uns alle so wünschenswert ist, wenn nur noch ethikfreier Billigjournalismus und eine handvoll Alpha-Blogger regieren, wage ich zu bezweifeln.

  12. @ Lord Jim: Es hat aber auch noch niemand je erlebt, was dann passieren wird. Ich glaube, das Unbekannte an dieser Medienrevolution macht noch mehr Angst als die reale Situation, also klammert man sich. Meine Erfahrung im Leben ist es, dass man den Mut zum Sprung finden muss, dann landet man auch meist weicher, als man es zuvor befürchtete.

    Ferner haben Journalisten zu lange ein Selbstbild als Info-Büttel und Textdienstleister gepflegt, das dem Selbstbewusstsein nicht eben förderlich war. Oder aber, es brach sich im Falle des unangenehmen Alphajournalisten-Typus dann wiederum übersteigert Bahn – es gibt also entweder Winzlinge oder Jauche. Aber keinen Mittelstand. Diese demütige Furcht ersterer, dass man tatsächlich ersetzbar sein könnte, die finde ich grauenvoll. Was hat man denen denn bloß beigebracht? Schreiben können ist zu einem guten Teil Schreiberfahrung, die haben sie …

    Es gibt übrigens auch ethikvollen Billigjournalismus. Just – also nach meinem Ausscheiden jetzt aus der Medienlese – lud mich prompt ein ethisches Online-Unternehmen ein, für sie und für eine bessere Welt eine Kolumne zu schreiben. Umsonst, versteht sich …

  13. Mir scheint das Besondere der aktuellen Situation vor allem im Ökonomischen zu liegen. Wie wird eine zukünftige Gesellschaft aussehen, in der kreative Leistung nicht mehr mit Geld sondern eher mit Aufmerksamkeit, Ruhm und ähnlichen weichen Währungen bezahlt wird? Wird es zukünftig Wechselstuben geben, in denen man diese weichen Währungen zu einem fairen Kurs in € umtauschen kann?

    Ich jedenfalls fühle mich unwohl, wenn z.B. Sie als Autor des obigen Artikels keine angemessene Gegenleistung bekommen und nur darauf hoffen dürfen, dass dies in 2, 4 oder 6 Jahren vielleicht einmal anders sein wird.

    Vor diesem Hintergrund wirkt Ihr Rat, mit einem geschärften Autorenprofil und einer Prise Narration ins kalte Wasser Internet zu springen, eher wie eine Wette nach Investmentbanker-Art, denn wie eine Methode, um den Kühlschrank zu füllen.

    Aber vielleicht kann man zur Zeit eh nichts anderes tun, als Wetten abzuschließen.

  14. Die meiste Zeit der Geschichte waren Schreiber, Maler, kurzum Künstler, eine Art Hofnarren, die man für einen Bissen, der von der Tafel fiel, Kunststücke machen ließ. Insofern ereignet sich nichts Neues unter der Sonne – die letzten 40, 50 Jahre wären dann eben mal eine Ausnahme von der Regel gewesen …

    Mich wundert, dass viele Leute noch immer glauben, alles würde sich in zwei, drei Jahren wieder einrenken. Die Tiefe der Krise wird notorisch unterschätzt. Meine Vermutung geht eher in Richtung einer Alternativkultur, die sich entwickeln dürfte, wohin alles vorgeblich ‚Unproduktive‘ dann ausgelagert wird, und wo man unter eher primitiven Umständen und mit wenig Geld eine hippieske Gegenwelt lebt. Während man jene 20 Prozent, die im großen Rattenrennen überhaupt noch gebraucht werden, einfach mit ihrem Speed und Kokain und ihrer defekten Ethik in ihrer ökonomischen Wahnwelt herummachen lässt, wo sie sich wechselseitig ihrer Bedeutung versichern dürfen. Zwei Kulturen halt … Schweine im Weltall.

  15. „Die meiste Zeit der Geschichte waren Schreiber, Maler, kurzum Künstler, eine Art Hofnarren, die man für einen Bissen, der von der Tafel fiel, Kunststücke machen ließ.“

    Für die Van Goghs oder Baudelaires ihrer Zeit mag das der akzeptierte Normalzustand sein. Aber hat es nicht eine neue Qualität, wenn der gesamte Bereich der kreativen Produktion plötzlich aus dem Ökonomischen herausfällt oder nur noch an den Rändern zu Hungerlöhnen daran teilnehmen darf?

    Wir sprechen hier ja nicht nur von schreibenden Journalisten, sondern ebenso von Grafikern, Musikern, Fotografen, Kameraleuten…

  16. Natürlich wird das sehr viel ändern – und einige Teilnehmer am ökonomischen Circuit bemerken Qualität noch nicht einmal dann, wenn sie davor stehen. „Ich musste Angebote einholen“, sagte mir der Marketing-Leiter einer Firma, für die ich schrieb: „und da gab es dieses andere Textbüro, die liefern mir den 1000-Anschläge-Artikel für 12 Euro, bei zwei Korrekturdurchläufen“. „Dann mach’s!“, sagte ich ihm. Inzwischen ist der Kunde wieder da, damit ist er aber auch die absolute Ausnahme, ich kenne andere Fälle, wo der werte Etatverantwortliche nichts merkt, sondern glücklich auf seinen billig erstandenen Grauwert starrt. Dass ‚Kunst‘ oder ‚Text‘ irgendeinen messbaren Einfluss auf Umsatz und Ansehen haben könne, das fiele ihm nicht im Traum ein. Oder er nimmt es an hohen Feiertagen zur Kenntnis, dann, wenn das neue CI präsentiert wird und er für einen Moment glaubt, dass auch er in Arkadien wandle. Anders ausgedrück: Das fehlende Bewusstsein für die Funktion der ‚Hofnarren‘ ist für solche Leute ein unsichtbares ökonomisches Problem, das sie nicht sehen, weil es sich ‚below the line‘ abspielt, wohin ihr Verständnis nicht mehr reicht.

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