Alte Herren und Kometen werden aus dem gleichen Grund verehrt,“ sagt Jonathan Swift: „wegen ihrer langen Bärte und der Behauptung, dass sie die Zukunft vorhersagen könnten.“ Nun, unsere Talkshow-Möbel tragen zwar nur noch selten Bärte, aber die Behauptung, dass sie den Ausgang der Zypern-Krise, die Zinsentwicklung an den Börsen, das Klima in hundert Jahren voraussagen könnten, diese Behauptung eint sie doch. Manchmal liegen sie damit sogar richtig – dann werden sie berühmt und immer wieder eingeladen: „Man kann von Propheten nicht verlangen, dass sie immer irren“, sagt Voltaire dazu.

Der gemeine Journalist hingegen, dem eine falsche Prophetie am folgenden Tag schon unter die Nase gerieben würde, dann, wenn sich die treulose ‚Nachrichtenlage‘ mal wieder gewandelt hat, der muss immer beide Enden der Wurst bedenken. Deshalb hat er sich zum publizistischen Gebrauch eine Wortstanze gedengelt, die er „mit ungewissen Ausgang“ nennt. Verstreut er diese im Text, steht er Wochen später noch immer am richtigen Ufer der Wahrheit:

„Experiment mit ungewissem Ausgang.“

„Laborversuch mit ungewissem Ausgang.“

„Otjivero – ein Sozialexperiment mit ungewissem Ausgang.“

„Rückkehr mit ungewissem Ausgang.“

„Sparen mit ungewissem Ausgang.“

„Wüsteneinsatz mit ungewissem Ausgang.“

Was der Journalist in all diesen Fällen uns mitteilen möchte, ist ungefähr folgender Sachverhalt: „Nix Genaues weiß man nicht!“ – oder in Bergmannssprache: „Vor der Hacke ist’s immer duster.

Allen Lesern des ‚Stilstandes‘ angenehme Ostertage …