Stilstand

If your memory serves you well ...

Diese Regierung taugt was!

Das Gemoser über Schwarzgelb allerorten – ich kann es schon nicht mehr hören! Tut diese Regierung etwa nichts für ihr Volk? Hat sie nicht einen leibhaftigen Gute-Laune-Bär als Vizekanzler und Außenminister installiert, damit wir immer etwas zu lachen haben – auch wenn harte Zeiten kommen sollten? Ist nicht vieles, von dem, was die neue Regierung sagt und beschließt, am nächsten Tag schon blanker Dadaismus – und damit Teil des lustigsten Literatur-Genres, das in Deutschland je existierte? Was also soll die ewige Miesepeterei? Lachen ist die beste Medizin, wenn der Arzt zu teuer wird.

Schon kommen überall diese Moralisten aus ihren Löchern gekrochen, diejenigen, die es vor vier Wochen versäumten, SPD zu wählen – ‚Entsolidarisierung‘ wispert es von ihrer Seite, geraunt wird von ’sozialer Kälte‘ und ‚Umverteilung‘. – Ja, Herrgott nochmal, Moral zu haben, das ist billig, das ist die leichteste Übung von der Welt! Zur Moral führt eine breite, vorgewärmte und eingeseifte Konsens-Rutschbahn mitten hinein ins bürgerliche Leben. Auf Moral kann sich jeder Trottel einlassen, ohne deshalb in Gefahr zu geraten, aus der Bahn zu fliegen. Wie viel schwerer aber ist die Unmoral: Meterhohe Hecken aus stacheligen Skrupeln gilt es zu überspringen, den Alpdruck des besseren Ich abzuwerfen. Durch das Nadelöhr des Zynismus passt alles, aber in Ewigkeit kein Kamel. Dagegen ist der Weg in den Himmel mit Sprichwörtern und Gemeinplätzen stolperfrei gepflastert, und an jedem Kirchentor wartet eine bequeme Ruhebank fürs gute Gewissen. Kurzum: Mehr Menschlichkeit, das muss jetzt auch und vor allem für unseren Umgang mit schwarzgelben Amoralisten und den hart arbeitenden Leistungsträgern des Egoismus gelten!

Freibier, das allerdings wäre etwas, was die Koalition nachträglich in den Koalitionsvertrag hineinschreiben sollte. Erstens käme das – so hört man – den Interessen unseres neuen Wirtschaftsministers entgegen. Und zweitens sind Besoffene zwar schon von Barhockern gefallen, aber noch nie von einer Barrikade. Mit zwei Promille knüpft auch niemand mehr einen Henkersknoten.

Unsere hervorragende neue Regierung sollte bei allen ihren Maßnahmen daher immer die gute Laune des Volkes im Blick behalten. Dann klappt das auch mit den Schweinereien wie von selbst …

2 Kommentare

  1. Auf den Zusammenhang kommt es an. Hier ein
    „Die böhmischen Wirtshäuser sind eben nicht als die besten in Kredit, und wir hatten schon zwischen Dresden und Prag einmal etwas zynisch essen, trinken und liegen müssen.“ Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802, leider in neueren Auflagen ins Neudeutsch „übersetzt“.

  2. Ja, dieses Zitat zielt noch auf die alte Philosophenschule der bedürfnislosen Kyniker. Seumes ‚Spaziergang‘ ist übrigens ist eine großartige Lektüre, tausendmal lesenswerter als die ‚Italienische Reise‘ des Weimaraners …

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