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If your memory serves you well ...

Die Fragewörteritis

Draußen vor der Tür müssen die Verirrten im Publikum sich wohl meterhoch stapeln, anders ist eine Unsitte in Deutschlands Wirtschaftsredaktionen nicht zu erklären. Dort versuchen sich die Schreiber in Permanenz an einer Art von Ratgeberliteratur. Solange, bis der werte Kunde den Wald vor lauter Bäumen und die einfachen Wahrheiten vor lauter ökonomischer Steißpaukerei nicht mehr erblickt. Grammatisch äußert sich dieses Phänomen u.a. im maßlosen Gebrauch von Fragewörtern in nahezu jeder Headline. Hier einige Beispiele aus einem einzigen Online-Auftritt der Wirtschaftswoche vom 30. September 2010:

Worauf Profis jetzt setzen
Wie gefährdet sind die Dax-Konzerne?
Wie Deutschland eigentlich funktioniert
Was der Bund Hausbesitzern aufbürdet
Wo Deutschlands schlechteste Autofahrer wohnen
Was die Stütze nicht leisten kann
Welche Frauen die deutsche Autoindustrie kontrollieren
… usw. usf.

Der ganze Unsinn erweist sich, wenn man die angedeutete Frageform mal in einen klaren Aussagesatz überführt: ‚Einige Frauen kontrollieren die deutsche Autoindustrie‘. Ja – ich huste dir gleich was!

Als ABC-Schützen sehen diese Wirtschaftsredakteure ihre Leser wohl an. Denen sie als geborene Erklärbären unter dem monotonen Klippklapp einer vorhersagbaren Titelei dann die Fibel-Ware ihrer Artikel in die Hand drücken müssen, um ihnen erfolgreich den Weg durchs Leben und durchs Geschäft zu weisen. Obwohl doch die meisten der Leser geschäftlich erfolgreicher sein dürften, als ausgerechnet diese Schreiber. Was mir wiederum nicht nur erneut zeigt, dass der Schuster immer die schlechtesten Schuhe trägt, sondern auch, welches überhöhte Selbstbild dieser Journalismus ‚ex cathedra‘ und insgeheim noch immer pflegt …

1 Kommentar

  1. was die Braut ist für die Trauung
    ist Bullrich-Salz für die Verdauung

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